So waren Leech im Moods (Plattentaufe/bergmal pre-show)

Leech, das Aushängeschild der Schweizer Instrumental-/Post-Rock-Szene, ist keine Band, die es eilig hat. Sechs lange Jahre des Wartens nach dem letzten Album erschien am 15. September endlich ihre neue Scheibe. Als Schauplatz für die Feierlichkeiten wurde das Moods in Zürich gewählt, in dem am Releasetag die Plattentaufe als Teil der bergmal pre-shows stattfand.

Keine Vorband, kein Banner, keine Ansprache, keine Tauf-Zeremonie – Leech sind keine Männer der langen Worte oder grossen Gesten. Ersteres trifft auch auf ihre komplett instrumentale Musik zu, im Gegensatz zu Letzerem. Die grosse Geste, die ausufernden Crescendi und kolossalen Soundwände sind natürlich fester Bestandteil ihrer DNA. Entsprechend stellen sie die Musik in den Vordergrund, es gibt kein Rahmenprogramm oder Drumherum. Das kann man als karg oder sympathisch empfinden, aber authentisch wirkt es allemal; und etwas Neues ist es auch nicht.

Die Zuschauer kamen schlussendlich, um die frischen Lieder zu hören. Naja, die meisten: Tatsächlich rief einer meiner Nachbarn lautstark seinen Wunsch nach alten Songs gen Bühne – kann man bei einer Plattentaufe machen, muss man aber nicht. Es wurden zwar fast alle der sechs auf dem neuen Album “For Better or for Worse” enthaltenen Songs live vorgestellt, aber auch ausgewählte Perlen der vorherigen Platten fehlten nicht. Insgesamt ergab sich daraus ein stimmiges Set. Auf “For Better or for Worse” scheint die bekannte Vorliebe der Band für 80er-Synths noch einmal stärker durch als auf den bisherigen Alben, und allgemein werden mehr Elemente der elektronischen Musik verwendet. Doch die für die Band typische “Wall of Sound” ist so mächtig gemauert wie eh und je und den eleganten Melodiebögen wird immer noch gerne beispielsweise mit Vibraphonklängen die Krone aufgesetzt.

An dieser Stelle muss der Sound während des ganzen Konzertes gelobt werden. Da hat einfach alles gestimmt. Dass Leech tight spielen ist ja klar, aber wie da Druck erzeugt wurde, ohne auch nur die kleinsten Effekte oder dezentesten Melodien untergehen zu lassen – chapeau. So fügten sich beispielsweise die Drumcomputer–Einsätze im “Hell 8” nahtlos ins Gesamtbild und die Tanzbarkeit von “Melide” oder “Sure! Looks real” war ebenso spürbar wie die gitarrenlastigen Ausbrüche. Mit meinem Favorit “Inspiral” und dem Publikumsliebling “Totem & Tabu” waren die Zugaben vorhersehbar, aber deswegen nicht weniger wirkungsvoll. Nach fast zwei Stunden wurde eine entsprechend befriedigte Meute aus dem mittlerweile schön warmen Moods an die frische Luft entlassen – nicht wenige mit einer neuen Platte unter dem Arm.

“For Better or for Worse” ist ab sofort auf den gängigen Streamingportalen vorzufinden und digital, als CD oder als LP bei bandcamp oder Pledgemusic zu erwerben. Noch viel mehr Instrumental/Experimental/Post-Rock gibt’s am 19. und 20. Oktober am bergmal Festival zu sehen und hören. Leech spielt im November folgende Konzerte in der Schweiz:

15.11. – Luzern, Schüür
16.11. – Aarau, Kiff
22.11. – Bern, ISC Club