Album Review: Captain Control – “Be Prepared”

Die Berner Band Captain Control kennt nur eine Richtung: Kompromisslos nach vorne. Inspiriert wurden die fünf Musiker gemäss eigener Aussage von Bands wie Ministry, Rob Zombie und Motörhead. Und tatsächlich, wer sich auf diese Bands einlassen kann, wird auch an Captain Control und ihrem neuen Album “Be Prepared” Gefallen finden. Aber auch ein Publikum, das den guten, alten – nicht den neuen, öden – Punk liebt, hat keinen Grund, die Band mit Bierflaschen zu bewerfen. Warum? Deshalb:

Man überlege sich einen möglichst plakativen oder auch derben Satz und gröle ihn so lange laut heraus, bis sich ein besoffener Mob dem Chor anschliesst. In etwa so stelle ich mir die Geburt eines Captain Control Refrains vor. Um das Ganze nicht unnötig kompliziert zu gestalten, verwendet man dann den Kern der Aussage als Songtitel. Das war schon auf ihrer EP mit dem wundervollen Namen “In the Name of Heinrich” so. Auf “Be Prepared” präsentiert sich die Band zumindest diesbezüglich etwas dezenter. Aus “Fistfuck” wurde “Let Me Feel Your Skin” – schade eigentlich. Nichtsdestotrotz umschliesst eine Hand weiterhin die Bierflasche und die andere wird als Faust in die Luft gestreckt. Ich verstehe zwar nicht alles was Miss Von der Rolle – in beschriebener Pose – in ihr Mikrofon grunzt, aber Titel wie “Download Me” und “Good Night America” deuten darauf hin, dass die Band auch sozialkritische und politische Themen aufgreift. Aus Spass wurde also Spass mit einer Prise Ernst – kann sein. Never mind the bollocks falls nicht.

Instrumental erinnert der Sound an Bands wie Iron Maiden, oder Guns ‘n’ Roses und geht in Richtung Metal und Hard Rock der 80er/90er-Jahre. Immer mal wieder lassen die Musiker bei Solos und auf den Punkt gespielten Riffs aufblitzen, wie gut sie ihre Instrumente beherrschen. Die Berliner Dame an der Front knallt dem fett und homogen abgemischten Sound den Punk obendrauf. Scheiss auf Harmonie, hier tanzen Nina Hagen und Lemmy Pogo im Bierrausch. Captain Control vereinen Kick Ass-Metal und Rotz-Punk, als gäbe es kein Dazwischen, und gönnen uns während der acht Songs keine wirkliche Verschnaufpause. Einzig “Another Night in Jail” ist eher Ozzy als Lemmy. Klingt verrückt? Kann man so sagen.

Mir wurde folgendes berichtet: Miss Von der Rolle ist live manchmal auch Miss Von der Bühne, um dort die Leute mitzureissen. Berliner Energie trifft auf Schweizer Zurückhaltung. Das ist garantiert unterhaltsam. Eines Tages – mit einem angemessen hohen Alkoholpegel – werde auch ich mich überwinden und ein Konzert der Band besuchen.

Vö: 28.09.2018 / Subversiv Records / Artwork: Alexander von Wieding
1. Tonight You Die
2. Download Me Baby
3. Mamma’s Gonna Get You
4. Let Them All In
5. Another Night In Jail
6. Let Me Feel Your Skin
7. Painting By Numbers
8. Good Night America