28.09.2018 – One Woman Band Tash Sultana live in der Samsung Hall

One Hit Wonder begutachte ich stets kritisch, trotzdem hat  Tash Sultana mit ihrem Homevideo Jungle gefesselt. Ein guter Grund, um mir diesen Youtube-Star am Freitag, 28. September live in der Samsung Hall anzuschauen. Die Show war ausverkauft und der Bahnhof Stettbach fühlte sich an, wie wenn es Dienstagmorgen um 7 Uhr wäre. Ich lief also mit dem Strom zur Samsung Hall und war positiv von der Organisation überrascht. Kurze Schlangen am Eingang wie auch an der Garderobe und eine gute Verteilung der Leute.

In der Halle spielte bereits der Support Act, den ich beim ersten Blick fast mit Tenacious D verwechselt habe. Pierce Brothers Gitarrist Jack Pierce hat mit seiner Akkustikgitarre durchaus Ähnlichkeiten mit dem jungen Jack Black. Auch die Musik hat etwas sehr Hollywood haftes. Good Mood Music mit viel Sehnsucht und Didgeridoo. Der Sound passt in jeden klassischen Hollywood Liebesstreifen. Die Stimmung haben sie damit aber sicher auf sich gezogen und eine geile Show geliefert.

Ich sah leider nur noch die letzten zwei Songs von ihnen, aber schlussendlich bin ich, wie die ganze Crowd, wegen Tash gekommen. Die junge Australierin, die nur ein Jahr älter ist als ich, ist ein Internetstar. Ihre Live-Bedroom-Recordings, mit 26 Millionen Klicks, zeigen, was für eine talentierte Musikerin sie ist. Video und live sind aber doch zwei unterschiedliche Dinge. Auf ihrer grossen Hallenshow hat sie aber einen ähnlichen Bühnenaufbau wie aus den Videos bekannt ist. Anstatt auf Bierharassen stehen Synths und Loopstation jedoch auf einem stabilen Bühnentisch und die Instumentensammlung hat sich erweitert. Das Sofa im Background hat sie auch zuhause gelassen, dafür kamen top moderne LED-Screens und ein Gestell mit Kaktus- und Flamingoleuchten mit auf die Bühne. Tash ist auch eine Stilikone. Mit grauen Trainerhosen, übergrossem T-Shirt und Cap betritt sie die Bühne und ist schon sichtlich im Flow, den sie den Rest vom Abend nicht verlieren wird. Sie greift sich die Gitarre, spielt sich mit ein paar schönen Reverb Akkorde ein und fängt an, Stück für Stück zu Loopen. Sie ist gut, sehr gut in dem was sie macht: Live Loopen. Wenige andere Künstler schaffen es, in grossen Formation eine solche Spannung auf die Bühne zu bekommen wie Tash. Blitzschnell schaltet sie Bass und Drumkits für einzelne Schläge aus und wieder ein, steuert permanent die verschiedenen Lautstärken und ihre Effekte. Nie verliert sie dabei ihr Lächeln und ihr Flow in dem sie fast durchgehend einfach nur abgeht.

Schon bei den ersten drei Songs höre ich um mich herum, „boah, sie isch so cool“ von vor allem faszinierten Frauen. Durchaus, sie ist ein Idol. Mach, was du willst und steh zu deinen Werten. Was man nicht will, ist Intoleranz. So bittet Tash nach ein paar Liedern auch alle Homophoben, Rassisten und Rassistinnen den Saal zu verlassen. Niemand tut es.
Witzig und Traurig zugleich finde ich dabei der Fakt, dass 36 Stunden später die Freikirche ICF in den gleichen Hallen ihren Gottesdienst hält. Eine Institution, die Homosexualität immer noch als psychische Erkrankung ansieht und von Gott „geheilte“ Schwule auf die Bühne holt…

Tash selber setzt sich dafür ein, dass jeder lieben und leben kann wie er oder sie will und sensibilisiert auf psychische Erkrankungen. Nein, Homosexualität gehört nicht dazu. Diese Einstellung und ihr musikalisches Talent haben die Samsung Hall wohl ausverkauft.

Das beste an ihrem Auftritt finde ich, dass man sieht, dass sie Musik spielt. Ein Instrument spielen ist der gängige Ausdruck. Viele Musiker shredden aber nur sportlich ihre Lines runter. Von der Spielfreude aber sieht man wenig. Das zeichnet Tash aus. Wenn eine Bassline oder ein Akkord besonders schön erklingt, verzieht sie freudig ihr Gesicht und tanzt sofort zum Groove, wenn sie das Drum programmiert hat. Musik ist ihre Leidenschaft und an diesem Abend hat sie diese Leidenschaft mit uns geteilt. Vielen Dank Tash.

Florence hat den Abend in Bildern festgehalten. Hier geht’s zur Gallery.