Album Review: Too Mad – “Mad Flowers”

Der Feuerzeug-in-die-Höhe, Barbie-funkelnde Spätsommer-Alternative Rock Sound von Too Mad verschafft Beihilfe, um den normalerweise unvermeidlichen Beginn der Soundalike-Alternative Rock-Müdigkeit abzuwehren. Bei aller stilistischen Solidität gelang es ihnen, eine solide musikalische Vielfältigkeit in einem Album einzubinden. Der Mythos, dass gute Kunst aus persönlicher Dissonanz hervorgehen kann, ist eine übertriebene Annahme, aber man kann verstehen, warum Menschen Songs als ein festnagelndes Beweisstück für die Theorie nennen möchten.

Um ihr Werk das erste Mal vor dem Gehör ihrer treuen Fans zu präsentieren, gab es selbstverständlich eine Plattentaufe. Stattgefunden hat das Spektakel in einer von Freunden zusammengewirkten Bar im „härzigen“, oder wie man dort gerne zu sagen pflegt „lüüba“, Widnau, in unserer Stammbeiz, dem Freiraum. Eingewärmt wurde das Konzert durch den Solokünstler Very Ape. Während etwas ruhigeren aber harmonisch melodiösen Liedern schmiegten wir uns alle aneinander und bildeten eine kuschelige Atmosphäre. Thumbs up für dieses schöne Intro. Danach holt man den Teufel raus, Too Mad, sprengten wie erwartet die Stimmung von Kuscheln zu euphorischem Mitgewippe. Sie verwendeten einen Musikstil und eine Art, wie sie es live vorführen, die eine Art hymnische Sensibilität rüberbringt, gefolgt von musikalischem Ehrgeiz den sie mit grenzenloser Leidenschaft und Empathie vermischen.

Nun, lasst uns fair sein – die meisten, die versuchen als Band durchzustarten, spielen mit der Vorstellung, “gross raus zu kommen”, dies um jeden Preis, auch wenn es bedeutet seine Seele dem Teufel verkaufen zu müssen. Tatsache ist, dass nur wenige sich damit zufriedengeben, aus reiner Leidenschaft zu musizieren und dies auch bis zum Hörer durchstrahlen zu lassen. Die gemütliche easy-going Atmosphäre von Too Mad zieht solch manchen in ihren Bann. Ich hoffe sehr, dass Too Mad mit ihrem neuen Blockbuster-Album die Schweiz erobern… oder sogar die Welt?

Das Album “Mad Flowers” ist ein Portrait der Progression aufsteigender Gefühle. Ich empfinde das neue Album als eine kulturelle Hegemonie, welche eine faszinierende nächste Stufe in Richtung der Entwicklung der Musikevolution vorlegt. Es hegt eine ganz hemmungslose Grossartigkeit von “Mad Flowers”, während es sich von traditionellem Rock und Indie der 90er Jahre entfernt, um mehr Wert auf ausschweifende Rhythmen und tiefe Grooves zu legen. Als solches ist dieses Album ein seltenes Exemplar an alternativer Musik, das nur von jenen aufgenommen werden kann, die von den unverfrorenen Retro-Abenteuern des Indie-Genres und dem Zwei-Finger-Hoch, Zigaretten- und Alkohol-Rowdytum abgeirrt, oder darüber hinaus gewachsen sind. Selbst diese Soft-Alternative-Songs schlagen hart zu. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Song “Why?!”. Der absolute Knüller-Song und mein absoluter Albumfavorit ist der gleichnamige Song „Too Mad“. Zufall oder Genialität?

Der Opener “Why?!” ist von manch einem zu 100% nachvollziehbar. Er versetzt uns textlich in die Vergangenheit als wir noch Teenager waren. Der Text besagt ganz offen: “My Mama said, I was too young to die, but why?”. Der Punkt dieser Lyrik ist eine Interpretation unserer Jugend und der Rebellion, die wir damals hegten, sei es im Sinne von Alkohol oder der pubertär bedingten Probleme. Der Track “Losing My Mind” tendiert zu einem Radiohead-soundalike-Song, ein etwas ruhigerer und emotionaler Song, welcher auch musikalisch Gänsehaut verspricht durch den sanften Gitarrenklang und den smoothen Rhythmen der Drums. Für alle hoffnungslosen Romantiker da draussen empfehle ich, euch dem mitreissenden Song “Start Again” zu stellen.

Um euch nicht die ganze Vorfreude der Erkundung des neuen Albums zu rauben, möchte ich euch nur final mitteilen, dass jeder einzelne Track einen einzigartigen Charme mit sich bringt.

Selber reinhören könnt ihr auf Spotify hier.

Vö: 21.09.2018 / Lowcutproduction / Artwork: Simon Costabiei
1. Why?!
2. Balloons
3. I Don’t Get Along
4. In the Fields
5. Too Mad
6. Start Again
7. Losing My Mind