04.10.2018 – So war Xavier Rudd im X-Tra

So friedlich hab ich noch nie gewartet vor dem X-Tra. Da meine Kollegin noch nicht aufgetaucht ist, hocke ich mich auf die Wiese neben dem Konzerteingang zu den anderen Konzertbesuchern. Die bunten Kleider und die Frisuren der anderen Besucher erinnern an Rastafaries, Goaner und Reisende. Sandstrandgefühle und Weltfrieden tauen schon vor dem Konzert von Xavier Rudd auf. Der australische Travelboy spielt zwei Konzerte in Zürich, von welchem eines ausverkauft ist. An diesem bin ich heute Abend.

Drinnen ist schnell der Rucksack abgegeben und schon stürz ich mich in den vollgestopften Saal. Der Saal ist gut durchmischt und es freut mich das ich Besucher jeden Alters ins X-Tra gekommen sind. Als ich auf die Bühne schaue, frage ich mich, wer der Support-Act ist, denn es ist schon halb neun Uhr war und es spielt noch keine Vorband. Um Neun Uhr bemerke ich, dass es gleich mit dem Mainact losgeht.

Strahlend und ziemlich gemütlich stolziert Xavier Rudd nach dem erdunkeln des Raums in die Mitte der Bühne. Ihm folgen seine dreiköpfige Begleitband. Xavier Rudd ist der Inbegriff vom Surfschönling. Breite Schultern, verwuschelte lange Haare, Maori Tattoos und ein breites Lächeln.

Es geht gleich los mit seinen Singer-Songwritter-Tracks. Die Stimmung schwappt aber nicht so richtig auf das Publikum. Auch bei den Reggae Tracks vom Album „Nanna“ packt Xavier die Zuschauer nicht sofort, trotz Didgeridoo Solos. Es liegt nicht an der Abwesenheit einer Vorband. Der Musiker steht ziemlich verloren auf der grossen Bühne und tänzelt von einer Seite zur anderen.  Auch seine Ansprachen zu Weltfriede und One-Love sind zwar schön, aber Enthusiasmus nenne ich was anderes. Mich bewegt er trotzdem, vor allem mit seinen feinen gesülze Songs wie „Spirit Bird“. Nach gut eineinviertel Stunden und seinem Toptrack „Follow the Sun“ verschwindet der australische Musiker von der Bühne. Tosende Zuschauer rufen ihn zurück auf die Bühne.

Doch bevor er die Bühne wieder betritt, rennen zwei Rowdies auf die Bühne und enthüllen ein gigantisches Instrument, welches bis jetzt Verborgen war. Ein mit zwei Didgeridoos getunetes Schlagzeug, an welchem Xavier platz nimmt. Er ist alleine auf der Bühne und das Resultat ist feinster akkustischer Aborigines-Trance. 15 Minuten bringt er mich mit dieser Aktion zum Tanzen und ich bin begeistert. Dieser Solo-Auftritt hat es in sich.

Nach diesem tollen Interlude erscheint der Rest der Band und es gibt nochmals drei Songs, welche den Abend perfekt abrunden. An die Songs mag ich mich nicht mehr gross erinnern, denn während dem ganzen Konzert driften meine Gedanken zu meinen Weltreisepläne ab. Ein schöner Abend, nachdem man am liebsten die Koffer packen will, um nach Australien zu reisen.

Fotos von Luca Michelli; Instagram: lucamichelli