19.-20.10.2018: 5 Must-sees am bergmal festival

Die dritte Ausgabe des bergmal Festivals steht vor der Tür! Am Freitag (19.10.2018) und Samstag (20.10.2018) werden insgesamt 17 Bands auf drei Bühnen im Dynamo Zürich in ihre Klangwelten entführen. Und richtig gelesen: erstmals ist das Festival zweitägig. Das heisst, es gibt noch mehr neue Lieblingsbands zu entdecken; gleichzeitig wird man mehr denn je vor die Qual der Wahl gestellt. Wer es gerne kompakt und übersichtlich hat oder nicht weiss, wo mit dem Entdecken anzufangen, dem seien folgende fünf (persönliche) Highlights ans Herz gelegt.

1. All You’ve Seen
Das Schweizer Trio All You’ve Seen hat die Ehre, das bergmal am Freitagabend zu eröffnen. Ich hatte die Band nicht auf dem Schirm, doch noch bevor ich den ersten Song ihres neuen Albums Synopsis XVI zu Ende gehört hatte, wusste ich, dass sie auf meiner Must-see-Liste landen würden. Sie spielen diese Art Postrock, die sich nicht auf fleissige Dynamikwechsel und cinematische, “erbauliche” Tremolomelodien verlässt, sondern mit extrem flächigen Ambientsounds den Zuhörer geduldig bei der Hand nimmt, in eine neblige Herbstlandschaft entführt, nur um langsam die Intensität hochzuschrauben und die Szenerie in Richtung Fiebertraum zu verzerren. Das Coverartwork könnte übrigens genauso gut eine 90er-Screamo Platte zieren; das hat mit dem Inhalt natürlich nichts zu tun, der Sound ist aber ebenso zeitlos wie die Verpackung und sorgt dafür, dass ich pünktlich zur Türöffnung in den “Belly of the Whale” treten werde. Das mit sieben Minuten kompakteste Stück des neuen Albums, “Ascent”, zeigt, wohin die Reise geht – respektive wo sie am Freitag beginnt:

2. thisquietarmy
Experimentell wird es am Freitag mit thisquietarmy, dem Projekt des Kanadiers Eric Quach. Sich einen Überblick über seinen Output der letzten zehn Jahre zu verschaffen, ist schwierig. Das liegt nicht nur an der schieren Anzahl von Veröffentlichungen, sondern auch daran, dass diese zwischen verschiedensten Genres, Ästhetiken und Instrumentierungen oszillieren. In seiner Diskographie finden sich bedrohlich-ruhige Ambientstücke, ausschweifende Effektgerätorgien, kalte Industrialklänge oder auch atmosphärischer Sludge in Vollband-Formation – natürlich immer alles mit Drones, Drones oder noch mehr Drones. Kein einzelnes Lied wird ihm gerecht, daher diese einzigartige Performance aus einem Wald beim Dunk! Festival 2015:

3. Mutiny on the Bounty
Spätestens am frühen Samstagabend können die Tanzschuhe ausgepackt werden: Mutiny on the Bounty aus Luxemburg sorgen dann für Aufruhr. Ihr Mathrock orientiert sich eher an poliertem, modernem Post-Hardcore als an frickeligem Indierock. Die technisch anspruchsvollen Performances an den Instrumenten interagieren dabei auf harmonische Art und Weise mit den vielen elektronischen Elementen. In den Kommentarspalten des Internets stolpert man dabei auf so abstossend klingende Genreschöpfungen wie “Dance-Metal” oder kaum vielversprechende, aber doch interesseerregende Beschreibungen, in denen sie als Bastardkind von Michael Jackson und Slayer bezeichnet werden. Aber am besten einfach anhören, abgehen und moonwalkend die Wohnungseinrichtung kleinschlagen – und natürlich am bergmal nicht verpassen.

4. Her Name Is Calla
In dieser chronologischen Liste an unscheinbarer vierter Stelle platziert, aber meine Most-Anticipated-Rankierung anführend sind Her Name Is Calla. Dafür gibt es viele Gründe, allen voran aber ein ganz pragmatischer und trauriger: Ihr Auftritt am bergmal wird einer ihrer letzten sein; die Band ist auf Abschiedstournee. Sie verkörpern wie wenig andere aktuelle Bands den puren, ursprünglichen Charakter des Genres “Postrock”, das sich eben durch die Abwesenheit von Konventionen auszeichnete. Bevor das Genre für viele zu einem Synonym für instrumentalen Rock wurde, waren da Bands wie Talk Talk oder Bark Psychosis, die ausserhalb gängiger Strickmuster dachten, die dadurch entstehenden offenen Strukturen aber nicht zugleich ex-negativo zu neuen Standards festzurrten. Natürlich ist es paradox, die Einzigartigkeit einer Band mit Referenz zu zwei Urvätern des Genres unterstreichen zu wollen. Es geht aber dabei mehr um den Spirit, den Her Name Is Calla verkörpern, als um klangliche Ähnlichkeiten. Kurze Folk-Balladen oder 20-Minütigen Epen, staubige Banjos oder ausufernde orchestrale Arrangements, Ambientpassagen oder gesangszentrierte Lieder – alles ist erlaubt, ausser Stillstand, Eindimensionalität oder Konformität. RIP Her Name Is Calla, und auf ein letztes Mal grosses Kino am bergmal.

5. Egopusher / SPOIWO
Zum Festivalabschluss stellen einen die Organisatoren noch einmal vor ein grosses Dilemma. Man kann es auch positiv als Win-Win-Situation ausdrücken. Denn zeitgleich spielen zwei ebenso verschiedene wie spannende Bands auf. Auf der Experimental Stage spielt mit Egopusher eine der heissesten Schweizer Formationen. Das Duo kombiniert Electronica und Postrock in der Besetzung Geige und Schlagzeug. Ihr letztjähriges Album “Blood Red” lief bei mir in Heavy Rotation und die Songs endlich live zu erleben, beflügelte die letzten Monate meine Vorfreude auf das bergmal. Ihren Auftritt anzusehen, ist ein No-Brainer. Eigentlich. Wären da eben nicht SPOIWO. Denn ebenso verlockend ist es, das Festival mit den düsteren Klängen der Polen abzuschliessen. Das würde das ganze bergmal-Erlebnis Full-Circle zurückbringen, lässt sich doch klanglich ein Bezug zu den unter Punkt 1 vorgestellten All You’ve Seen herstellen.

Es kam also, wie es kommen musste: Nicht eimal mein auf fünf Auftritte komprimierter Mini-Festivalguide beseitigt die Qual der Wahl, was natürlich vor allem für die Qualität des Lineups spricht. Und es sei abermals betont, dass es sich beim bergmal um ein Entdeckerfestival handelt. Wer grosse Namen auf dem Plakat vermisst oder zögert, weil er/sie die Hälfte der Bands nicht kennt: Hingehen und sich von Neuem überzeugen lassen. Statt nur Bewährtes zu recyclen und die bekannten Szenelieblinge zu feiern ( – auch das hat natürlich seine Berechtigung – ), geht es ebenso darum, den unter dem Radar fliegenden, hart arbeitenden Künstlern eine Bühne zu geben. Dafür steht der Name bergmal auch in der dritten Ausgabe.

bergmal #3 links:

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Beitragsbild: Kathrin Hirzel