Album Review: Sir Collapse – “Walk To The Moon”

Die Düsseldorfer Band Sir Collapse hat uns um eine Review ihrer ersten LP “Walk To The Moon” gebeten. Die vierköpfige Band die 2013 aus einem Jam-Projekt entstand, beschreibt ihre Musik als Stilmix aus Alternative, Garagenrock, Grunge und Stoner mit einigen Punkeinflüssen. Klingt nicht schlecht, fand ich. Ich höre mal kurz rein, dachte ich. Elf Songs später sage ich, dass es eine Schande wäre, nicht über dieses Album zu schreiben. “Walk To The Moon” hat mich trotz seiner rauen Härte vom ersten bis zum letzten Ton in eine Art meditativen, schon fast hypnotischen Zustand versetzt. Es gibt nicht viele Alben, die das schaffen.

In den 50ern, ja noch bis in die 70er musste man im Studio noch die ganze Band zusammen aufnehmen und daraus direkt ein Album machen. Heute werden die Instrumente fast immer einzeln aufgenommen, getriggert, gedoppelt, korrigiert und veredelt. Alles was ein bisschen brummt und knarrt wird rausgeschnitten, Effekte im Nachhinein eingefügt und das Endresultat nochmals komprimiert. Der Lohn für den ganzen Aufwand ist eine laute und druckvolle Produktion. Feinheiten, die Dynamik und auch der Wiedererkennungswert einer Band gehen dabei aber oft verloren. Warum erzähle ich Klugscheisser euch das? Ganz einfach, weil Sir Collapse im Gotteswegstudio A in Köln alle Instrumente zusammen aufgenommen und so meiner Meinung nach den perfekten Sound für ihren Musikstil gefunden haben. Kleine Fehler wurden einfach ignoriert, man hört jedes Detail und so klingt das Ganze sehr authentisch und echt, dreckig aber trotzdem homogen. Das rohe Live-Feeling geht durch Mark und Knochen. Kurz: “Walk to the Moon” hat eine Seele und ich bin der Band unendlich dankbar dafür.

So viel zur Theorie, kommen wir zum Praxisteil. In nur 30 Sekunden entführen mich Sir Collapse in die 90er Jahre Grunge-Rock-Ära. Bei “Lower Principles” kommt eine ordentliche Portion Nirvana-Energie aus den Boxen geföhnt, bevor mich der gemächliche Song “Suitcase” und gleich danach das düstere “Mono Mantra” endgültig in das Album hineinziehen. Bass und Schlagzeug treiben die Songs  voran und bilden  den erdigen Boden für die kantigen, schmutzig verzerrten Gitarren. Sänger Luke kann sowohl druckvoll schreien  als auch gefühlvoll singen und bringt mit seiner ausdrucksstarken Stimme sehr viel Diversität in die Songs. Nirvana, Stone Temple Pilots, Smashing Pumpkins, Faith No More und wie sie alle heissen, Sir Collapse vereinen alle meine Jugendhelden in ihrem ganz eigenen Sound.

Ohne Durchhänger, mit Mut zu Halbtönen und schrägen Akkorden rocken sich die vier Musiker durch die elf Songs, die mich vom Klangbild, vom Songwriting und auch von der musikalischen Qualität restlos überzeugen. “Walk to the Moon” ist ein kurzweiliges Album und eines der Besten, dass ich seit Langem gehört habe. Ob ihr meine Meinung teilt, könnt ihr ab dem 19. Oktober auf allen gängigen Streaming-Plattformen herausfinden. Konzerte in der Schweiz stehen auf der Wunschliste der Band.

Vö: 19.10.2018
1. Lower Principles
2. Suitcase
3. Mono Mantra
4. One Man Show
5. Happy Planet Celebration
6. The Great Escape
7. Like Me
8. Too Late
9. Hey Ben
10. The Family
11. Nine To Five