So war’s am Sound Of Revolution 2018 in Eindhoven

Yeah, Auswärtsfestival, ein Tag Hardcore (und bizli Oi!) ohne Pause, dafür mit Legenden, Mosh und Männlichkeit (dazu später mehr) — das Sound of Revolution 2018 in Eindhoven hat am 03.11.2018 (& am 02.11. wahrscheinlich auch) abgeliefert, was es versprochen hatte; brace yourselves, neverending Bandaufzählung is coming!

Nachdem der Freitag krankheitshalber (und stautechnisch) verpasst wurde, war der Hype auf den Samstag umso grösser — schliesslich besucht mensch nicht jeden Tag DAS Indoor-Hardcore-Festival Europas. Anyway, zuerst Eindhoven ausgecheckt (sind in Holland Pommes nun grundsätzlich nicht vegan oder doch?). Danach durch den Flughafen-Security-Check — inkl. Ganzkörperabtasten, Desinfektionsmittelverbot und Augentropfen-Vorzeigen-Müssen; wer weiss, vielleicht ist das ja mittlerweile Standart an Grossveranstaltungen, aber Luft nach oben wäre schon da — und rein ins Vergnügen. Das umfasst drei Bühnen: zwei grosse, die True Spirit (ohne Graben) und die Revolution Stage (mit Graben), und eine kleine!

Pünktlich um 13:45 Uhr (von Get Some!, die das Festival um 13:30 eröffnen, sehen wir (leider?) nichts; kann passieren) geht’s mit Deathtrap aus der Umgebung (+/-) los, yeah, Metallica-Riffs, Metal-Gitarren und lange Haare \m/! Falls dir das gefällt: Die Band spielt am 18.11.2018 in Zürich mit Hawser und One Hour Left. Weil das aber auf Dauer doch eher nicht so meins ist, geht’s weiter zu Toxic Shock — wie sich heraus stellt, ebenfalls Metallica, aber eher 1984. Naja, fetzt schon, aber zieht sich auch. Zur Abwechslung etwas Street Punk von Topnovil, die aus Australien angereist waren und farbige Iros mitgebracht hatten— tut gut.

Zeit den Essensbereich auszuchecken? Auch da hat mensch sich nicht lumpen lassen und sich wahrscheinlich gedacht: „Wieso lassen wir nicht in der vierten Halle einen DJ in Konzertlautstärke spielen? Dann hat mensch auch beim Essen keinen Bedarf zu schwätzen“. Abgesehen davon war’s aber tiptop, die Veganer*innen fühlten sich bei Just Like Your Mom bestens aufgehoben und wenn mensch aus der Schweiz kommt, war mensch sich auch die hohen Preise für Essen und Trinken eigentlich gewohnt.

Back To The Music: Auf der True Spirit Stage walzen Trail Of Lies zu christlicher Nachmittagszeit drogenfrei alles nieder, der Mosh wird zum ersten Mal so richtig gezündet, danach geht’s gleich stumpf weiter mit Redemption Denied auf der Warzone Stage; Side To Side, Two Step, läuft.

Gleich zwei Bands mussten kurzfristig absagen, eine davon war GBH, die nun von Slope ersetzt wurde — Glück im Unglück, denn die Deutschen lieferten richtig ab! Groovig, fett, ein Highlight des Festivals, hör dir ihre 2017er-EP an und hoffe auf Shows in der Schweiz.

Schade bloss, dass sich der Auftritt mit Incendiary überschneidet, die doch zu meinen Must-Sees gehörten — nicht zu Unrecht, wie sich herausstellt, denn die Amis fetzen einmal quer durch den Raum und lassen nur Schutt und Asche zurück. „If you think, politics have no place in music, hardcore is not the right music for you“, da kann mensch eigentlich nur zustimmen – um so schader, wenn es dann  bloss bei Lippenbekenntnissen bleibt.

Was gab’s weiter zu sehen? No Turning Back lieferten ihrem Status als (Lokal-)Helden gemäss ab, Perkele weckten mein 16-jähriges Ich mit „Heart Full Of Pride“ (bitte sagt mir, dass die Band nichts mit Nazis zu tun hat, bitte)  und schickten doch es bizeli Gänsehaut den Rücken durab, Mushmouth waren wohl die stumpfste Band der Veranstaltung und Brutality Will Prevail überzeugen mich nach wie vor irgendwie nur auf Konserve — irgendwie wirkt’s dann live immer zu try hard tough guy-mässig und der (über die gesamte Veranstaltung ziemlich) schlechte Sound trägt den Rest dazu bei. A propos peinlich: Earth Crisis waren irgendwie auch peinlich, aber weniger als man von diesen alten Vegan-Straight-Edge-Hardlinern erwartet hätte — Hardcore lives, aber vielleicht sollte man Ruhestand dann auch mal Ruhestand sein lassen. „Gotta Go“ sieht mensch sich von weit hinten an, auch die Suicidal Tendencies sind nicht interessant genug, um die Sitzplätze zu verlassen — Bandanas gibt’s an der Veranstaltung sonst schon genügend zu betrachten —, aber Comeback Kid liefern als letzter Act der Veranstaltung nochmals so richtig ab. Zwar ist es nicht mehr so voll und mensch ist müde, aber die Kanadier sind einfach geil! Dann wird noch ein Gorilla Biscuits-Cover (die zweite Band, die aufgrund von Flugannulierungen absagen musste) mit deren Gitarrist (hier am Gesang) Walter Schreifels, der schon früher in die alte Welt geflogen war, zum besten gegeben und mensch ist glücklich.

Ende gut, alles gut? Nicht so, denn aus irgendeinem Grund stand den ganzen Samstag über keine Frau auf der Bühne (abgesehen von Fotografinnen und Zuschauerinnen); bzw. nur (beinahe ausschliesslich weisse) Cis-Männer — und das ist schon ein ziemliches Armutszeugnis für ein Festival, das sich dem Hardcore, einer Alternative zum sexistischen Mainstream, einer Musik, die Toleranz, Gleichberechtigung und Empowerment predigt, einer Ideologie, die immer versucht hat, progressiv zu sein, verschrieben hat.  Also, Sound Of Revolution, 2019 mehr Diversität, wäre schön! Auswahl gäb’s ja schon… (Fairerweise muss man sagen, dass am Freitag mit Life Of Agony wenigstens eine Frau zugegen war, aber hey, sorry.)

Genau, 2019: Bereits bestätigt für den 01. & 02.11.2019 sind: Youth Of Today, shelter, die Bouncing Souls, GBH, Outburst und No Turning Back — ausserdem wird’s im Juni 2019 erstmals eine Outdoor-Edition geben.

Titelbild: Comeback Kid by Bart Heemskerk / Michelle Olaya photography