17.11.2018 – Feine Sahne Fischfilet versetzen die Reitschule in Ekstase

Es gäbe für ein Konzert von Feine Sahne Fischfilet wohl in der ganzen Schweiz kein besser geeignetes Lokal als die Berner Reitschule. Dass sie dort gleich die grosse Halle füllen, vermochte zunächst etwas zu erstaunen, war das Konzert doch ursprünglich für den Dachstock geplant. Doch dies geschah mit einer solchen Selbstverständlichkeit und die Band verhielt sich auf der grossen Bühne so routiniert, dass man hätte meinen können, sie hätten nie kleinere Konzerte gespielt.

Etwas anders war dies bei den beiden Vorbands, die waren zwar unterhaltsam (Aktenzeichen aus Rostock) und politisch-punkig (Friedemann aus Rügen) aber das Publikum war da irgendwie noch nicht so dabei. Es gab offensichtlich noch viel Gesprächsbedarf, was auch nicht überraschend ist, wenn man an die Entwicklung von Feine Sahne Fischfilet in den letzten Jahren denkt. Vielleicht erinnerte man sich noch an das Konzert vor drei Jahren im Rössli, oder hat von den Turbulenzen rund um ihr Konzert in Chemnitz zwei Tage zuvor gehört.

Das alles aber war ab Monchis ins Mikrofon gebrüllten Worten “Es geht los, es geht los heute Nacht” für zwei Stunden vergessen. Es folgte ein Fest, eine Party geprägt von Mitsingliedern, kollektivem Pogo und Bengalos. Für einmal musste die Band gar nicht selber solche mitbringen, im Publikum waren reichlich vorhanden. Vermutlich waren diese auch mitverantwortlich für den Nebel, der sich gegen Schluss in der ganzen Halle ausgebreitet hatte (siehe Foto). Aber ehrlich gesagt war das egal, ganz abgesehen davon dass dieses leicht herbstliche Ambiente eigentlich gut zur Jahreszeit passte. Es ging in dieser Nacht sowieso nicht darum, grosse Stars zu sehen und zu fotografieren, es ging um das wunderbare Gefühl, Teil eines Kollektivs zu sein, das gemeinsam singt, tanzt und für dieselben Werte einsteht (im Mindesten ein ganz klarer Anti-Nationalismus). Mehrmals fragte man sich dabei, ob es an den Beziehungen mehrerer Bandmitglieder zur Rostocker Fussballszene liegt, dass sie so talentiert sind im Schreiben von eingängigen “Fangesängen”. Auf jeden Fall erinnerte die Stimmung immer wieder an Fussballstadien, nur dass hier niemand verlor, sondern am Schluss alle gewonnen hatten. Wobei, so ganz stimmt das natürlich nicht: Als zum Abschluss “Komplett im Arsch” gespielt wurde, traf das irgendwie zu, und verloren hatte wohl jede und jeder eine ganze Menge Energie und Schweiss. Gewonnen aber haben alle die Erinnerung an einen unvergesslichen Konzertabend. Und spätestens jetzt war klar, dass Monchi recht gehabt hatte, als er bereits im ersten Lied “zurück in unserer Stadt” gesungen hatte. Bern ist Feine Sahne Fischfilet-Stadt!