Ein Swiss Konzert mal anders

Das hätte ich jetzt nicht erwartet… Das wird jetzt keine Aufbauscher-Blick-Story, aber es war eines der happigsten Konzerterlebnisse, das ich je hatte. Aber von Anfang an:

Kurz bevor es losgehen sollte, hatte ich noch mit letzter Kraft eine Begleitung organisiert und wir waren auf dem Weg nach Zürich ins Dynamo. Ich freute mich aufSwiss & die Andern,weil das letzte Konzert im Dachstock der reinste Abriss war. Im Dynamo angekommen, mussten wir erst einmal unsere Winterjacken an der Garderobe abgeben. Mir wären unbewachte Kleiderständer lieber als quasi obligatorisch-bezahlte Garderoben, aber da kann man ja drüber weg schauen.

Im Saal angekommen stellten wir fest, dass das Konzert überpünktlich angefangen hatte. Der erste Act war Shocky und seine Band. Die finanzierten ihre Mitreise rein durch das Tourtape, das es nur auf Tour zu kaufen gab. Eine durchaus schöne Idee, wie ich fand. Shocky sang und rappte wie man das von Shocky gewohnt ist. Solide und ehrlich. Zum Schluss gab er auch noch “Punkah” von Swiss zum Besten und ich war eigentlich schon ganz glücklich mit dem Konzert.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter und Swiss & die Andern betraten die Bühne. Das Publikum war von Anfang an dabei. Swiss brachte eine gute Mischung aus alten Lieder und neuen Songs von der aktuellen Scheibe. Dazwischen kamen Antifa-Einsinger vom Publikum und eine kleine Anti-SVP-Rede von Swiss. Etwas, das ich an diesem Abend nicht erwartet hätte, war, dass ich live Ärztesongs hören würde. Aber auch das liess Swiss locker in seine Performance einfliessen. Und das Publikum sang natürlich in voller Lautstärke bei „Schrei nach Liebe“ mit.

Wer von Swiss & den Andern „nur“ ein einfaches Konzert erwartet, liegt natürlich total falsch. Ein bisschen Dummreden, Schauspielern und Schlagersong-Medley gehören sicher auch dazu. Was einen wunderbaren Übergang zu den ruhigeren Songs brachte. Nach drei Akustik Songs ging’s bergab… Das Publikum teile sich in eine Wall of Death und mit dem Einsetzen des Schlagzeuges wurde aufeinander zugerannt… nur um drei Takte später von der Stille der Band zum stehen gebracht zu werden. Die Lichter gingen an, die Band war ziemlich aufgelöst. In der vordersten Reihe lag eine junge Frau am Boden und bewegte sich nicht sichtbar. Sanitäter wurden gerufen und die Rettungssanität traf nach zehn Minuten im Dynamo ein. Gefolgt von der Polizei. Kurz darauf wurde die Verletzte abtransportiert. Das Publikum verhielt sich ruhig und liess eine Rettungsgasse für die Sanis frei. Es dauerte einen kurzen Moment, bis sich Swiss zu Wort meldete und das Konzert eine halbe Stunde verfrüht abbrach. Unter diesen Umständen konnte niemand mehr weiter feiern. Das Publikum schätze die ehrliche Benommenheit der Band und applaudierte diesem Entscheid.

Wir begaben uns ein bisschen perplex auf den Weg nach Hause. So etwas erwartet man bei einem Konzert einfach nicht und es hält einem den Spiegel der Realität vors Gesicht.

Am nächsten Tag meldete sich Swiss via Instagram zu Wort und vermeldete, dass er in Kontakt zu der Verletzten stand und es so ausschaut, als trage sie keinen bleibenden Schaden davon. Wir wünschen ihr auf jeden Fall eine schnelle Genesung und möchten uns auch hier bei Swiss & den Andern für ihr souveränes Verhalten und ihre verständnisvolle Einstellung bedanken.

Was ich daraus gelernt habe: Mach Party so viel du willst, but stay safe!