Unsere Top-Alben 2018: The Boys

So langsam aber sicher neigt sich das Musikjahr 2018 seinem Ende zu. Aber bevor wir uns ganz davon verabschieden, wollen wir euch unsere liebsten Scheiben aus dem ganzen Jahr präsentieren. Hier findest du übrigens auch die Favoriten unserer weiblichen Teammitglieder.

Andi V.

Spanish Love Songs “Schmaltz”
Dieses Album hatte mich schon nach dem ersten zwei Songs so wirklich geil gemacht! Der Übergang von “Nuevo” zu “Sequels, Remakes and Adaptations” passt perfekt und man fängt gleich an mit dem Kopf zu nicken und möchte aufspringen und rumturnen. Die Texte sind teilweise keine leichte Kost; so zum Beispiel bei “Aloha To No One”, das auch die einzige akustische Nummer auf “Schmaltz” ist. Ein sehr tolles Album und reinhören lohnt sich auf alle Fälle!

The Interrupters – “Fight The Good Fight”
Boah, was soll man zu der Platte gross sagen… The Interrupters sind wirklich wie eine Reinkarnation von Rancid. Da die älteren Herren nicht mehr so gross neue Mucke rausgebracht haben, macht diese Platte vor allem Rancid-Fans der ersten Stunde einfach sehr sehr viel Spass. Der leichte Punkrock-Beat paart sich mit Offbeat und Ska-Melodien zu einer Hitexplosion, bei der kein Bein neben dem anderen stehen bleibt oder kein Kopf nicht zu den Melodien mitnickt.

Rob Moir – “Solo Record”
Bei der letzten Platte in meiner Top 3 tat ich mich sehr schwer… Am Ende machte das Rennen Rob Moir aus Kanada mit seiner “Solo Record” Platte. Wenn man stetig über Monate (praktisch ohne Day-Off und das bei 200 Shows/Jahr) als Solo-Artist um die Welt tourt, seinen Traum lebt und nebenbei eine solch tolle und gefühlvolle Platte aufnimmt, dann ist meiner Meinung nach dieser Platz mehr als verdient. Eine sehr schöne Platte, die zum nachdenken anregt und gut in die Weihnachtszeit passt.

PS: Weitere tolle Platten stammen von Catalyst, The Penske File, Harker, Bungle Brothers, Tonbandgerät, Travels & Trunks, IDLES und Elway.

Andi W.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Gleich drei Schweizer Bands (und eigentlich noch mehr, aber ich muss mich hier ja auf drei beschränken) haben 2018 mit tollen Scheiben auf sich aufmerksam gemacht:

Sickret  Trapped Behind Golden Bars
Die Mannen aus Sursee (frei nach Sascha Ruefer) perfektionieren ihren modernen Nu Metal von Album zu Album, mittlerweile sind sie bei Nummer drei angelangt. Und wir warten schon auf die Nummer vier.

Muzak  I
Etwas ruhiger, aber deswegen nicht weniger intensiv geht es bei Muzak zu und her. Die Post-/Prog-Rock-Gruppe präsentierte heuer mit “I” ein enorm abwechslungsreiches Album. Mal episch, mal ruhig, mal richtig hart. Nie langweilig.

Mycelia  Apex
Beeinduckend! Dieses Album muss man schon fast zehnmal hören, um überhaupt darüber sprechen zu können, verstanden hat man’s dann wohl kaum schon. Am besten beginnst du also gleich jetzt mit dem ersten Durchlauf (das Video ist zudem sehr sehenswert):

Andy M.

Foxing “Nearer My God”
Obwohl Foxing nicht in mein sonst übliches Musikschema passen, haben sie mich mit ihrer neuen Scheibe “Nearer My God” total vom Hocker gerissen. Vielleicht gerade ja deswegen? Auf jeden Fall ist es einfach eine perfekte Komposition von zwölf grossartigen Songs.

Rolo Tomassi  –  “Time Will Die And Love Will Bury I
Wer kennt es nicht? Man entdeckt eine Band, die bereits seit mehreren Jahren existiert und fragt sich, ob man hinter dem Mond gelebt hat, weil man bisher noch nichts von der Band wusste. So ging es mir mit Rolo Tomassi. Das Album will einen wohl ein bisschen Necken. Track eins ist ein ruhiges Intro, das beinahe langweilig wird und Track zwei ist beinahe ein Emo-Pop song, der zwar gut ist, aber überhaupt nicht den Rest des Albums wiederspiegelt. Danach, ja danach geht es erst richtig ab. Meine Fresse! Das Album läuft seit meiner Entdeckung auf Heavy Rotation, es ist einfach so abwechslungsreich und gut!

The Pariah  No Truth
Die aus dem deutschen Bottrop stammende Band The Pariah zeigt, wie Melodic Hardcore heute geht und schafft es dabei nicht selten, dass ich mich an Helden wie Have Heart erinnert fühle, ohne dass sie dabei veraltet klingen. Ein saustarkes Debut, das auf noch viel mehr hoffen lässt. Weiter so!

Basil

Blind Girls  “Residue”
Screamo-Releases gab’s dieses Jahr sehr viele sehr gute (Portrayal Of Guilt, Gillian Carter, Cassus, undundund) und da wird’s ganz schwer, was Herausragendes abzuliefern – die blinden Mädchen aus Australien haben aber genau das geschafft. Residue ist hart, hässig und holt einem aber immer wieder mit noodley Parts zurück.

The Armed – “Only Love”
Was The Armed auf “Only Love” abliefern ist – wieder mal – ganz eigen und schwer mit etwas Anderem zu vergleichen. Eigentlich hört man auf dem Album Pop-Songs, die einmal durch den Fleischwolf gepresst, unter einer Tonne Distortion zugedeckt und weil das nicht genug wäre, noch von spukigen Synthies verfeinert wurden. Die Geschichte, wieso Ben Koller von Converge auf dem Album Schlagzeug spielt, ist übrigens auch deine Zeit wert.

Birds In Row – “We Already Lost The World”
Eine jährliche Top 3 herauszusuchen ist verdammt schwer, darum steht an dieser Stelle einfach eine kurze Liste mit Bands, die dieses Jahr besonderes abgeliefert haben – Birds In Row machen den Titel, weil ich das Album wahrscheinlich am meisten gehört habe und ihre Show in Lausanne eine der besten des Jahres war: Mouthbreather, Pagan, Noisays, Gouge Away, Nø Man, The Nietzsche, Glassmouth, Hundreds of AU, Black Matter Device, Noise Trail Immersion, meth., Coilguns, Sectioned,  ja, die Liste würde weitergehen, gell.

Eric H.

The Ocean Collective “Phanerozoic I: Palaeozoic”
Mit dem ersten Teil dieser Urzeitgeschichte (der zweite soll 2019 oder 2020 folgen) haben mich die Berliner Wissenschaftsmetaller einmal mehr in voller Länge überzeugt. Musikalisch und geschichtlich setzt dieses Album genau da an wo „Precambrian“ aufgehört hat. Für mich ein weiteres Meisterwerk in einem sowieso schon grossartigen Backkatalog.

Light This City – “Terminal Blood”
Letztes Jahr war Heartsounds in meiner Top 3 und jetzt die Ur-Band. Wer nun Punkrock erwartet, wird schnell enttäuscht. Der Sänger von Heartsounds ist hier zurück an den Drums und die Gitarristin macht hier die Leadvocals. Eine langersehnte Reunion und ein hammer Album dieser Melodic-Deathmetal Band.

Restorations – “LP5000”
Restorations hören sich an wie sich The Gaslight Anthem wahrscheinlich entwickelt hätte, wären sie auf der Sink Or Swim Schiene geblieben. Melancholischer und sehnsuchtsvoller Punkrock, von dem ich seit LP2 nicht mehr genug bekommen kann.

Eric L.

Zeal and Ardor – “Stranger Fruit”
Ich habe die Band leider erst am Greenfield 2018 im Fotograben entdeckt. Nach dem Festival direkt auf Youtube angehört und direkt das Album bestellt. Zeal and Ardor, ich warte auf mehr!

Architects – “Holy Hell”
Die britischen Architekten sind wieder zurück und verarbeiten den Tod ihres Gitarristen Tom Searle in einem Album, das sie ihm widmen. Starkes Album von A bis Z.

Invoker – “Cursed to Feel”
Die schweizer Hardcore-Truppe Invoker meldet sich lautstark zurück. Weiterhin machen sie mit ihrem kompromisslosen Hardcore auf mentale Erkrankungen wie Depressionen, Selbstmordgedanken und ähnliches aufmerksam. Immer noch in meiner täglichen Playlist. Starke Musik mit starker Message  Respekt!

Marc

Beach House – “7”
Auf ihrem fantasievoll betitelten siebten Album vereint das Duo aus Baltimore die besten Seiten ihres typischen Sounds mit frischen Einflüssen und einer ausgefeilteren, tieferen und abwechslungsreicheren Produktion. 2018 sind Beach House nicht nur zum Träumen gut, sondern begeistern mit einer neugefundenen Vitalität.

Low – “Double Negative”
Neben Low wirken Beach House wie Newcomer: Anfangs 90er-Jahre massgeblich an der Definition des spartanischen “Slowcore”-Sounds beteiligt, liefern die Amis 2018 das bereits zwölfte Studioalbum ab. Nun ist ihnen das Verfeinern ihres Sounds endgültig nicht mehr genug. Unter den digitalen Verzerrungen und Soundmanipulationen lässt sich die DNA noch erkennen, doch “Double Negative” ist vor allem ein Plädoyer dafür, auch nach 25 Jahren Bandgeschichte und zementiertem Kultstatus immer hungrig zu bleiben.

Tides of Man – “Every Nothing”
Auf ihrem zweiten Album als Instrumentalband verfeinern Tides of Man einen Sound, den man kennt. Ähnlich wie bspw. das selbstbetitelte Album von This Will Destroy You ist “Every Nothing” eine Kollektion von hochglanzpolierten und melodisch starken Post-Rock-Songs, die mich durch schiere Handwerkskunst (und super Live-Auftritte) jegliche Vorbehalte vergessen lässt.

Pesche

Sir Collapse – “Walk To The Moon”
Die Grunge-Band Sir Collapse aus Düsseldorf hat die Instrumente auf “Walk To The Moon” alle gleichzeitig aufgenommen. Kleine Fehler, die sowieso nur die Band selbst zu erkennen vermag, wurden ignoriert. Genau so muss Grunge klingen. Die Band ist noch recht unbekannt und hat definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient.

Muzak – “I”
Ich schliesse mich Andi W. an. Das Progressive-Rock-Konzeptalbum “I” der Luzerner Band Muzak war meine erste Entdeckung in diesem Jahr. Muzak ist eine Band, die viel Wert auf die visuelle Umsetzung ihrer Musik legt. Ihre Musik ist nicht leicht zugänglich, aber wer sich die Zeit nimmt und sich auf “I” einlässt, wird mit einem Meisterwerk belohnt.

Alice In Chains – “Rainier Fog”
Auch eine Band mit einem höheren Bekanntheitsgrad schafft es in meine Top 3 Alben. “Rainier Fog” ist meiner Ansicht nach das bisher Beste Alice In Chains Album seit dem Tod von Lane Staley und ich freue mich schon jetzt meine Jugendhelden im Juni 2019 in der Halle 622 in Zürich zu erleben.

Simon

Trucks  “Nicht Nichts”
Deutscher Postpunk hat es mir dieses Jahr angetan. Zuerst das Konzert von Schubsen und dann das Debutalbum von Trucks. Sonic Youth-Gitarrensounds plus dada und semipoetische Texte begeistert mich immer mehr. Vielleicht ist es meine leicht hipstrige Attitüde oder die Frage, die mich in der Nacht nicht schlafen lässt: “Was steht hinter dem Buchstaben d?”.

Svalbard  “It’s Hard to Have Hope”
Es ist schwierig Hoffnung zu haben, doch ein Funke am Himmel ist das neue Album von Svalbard. Der kompromisslose Crust-/Posthardcore der britischen Band vereint abartig geile, direkte Texte mit wunderschöner, schneller Musik. An vorderster Front eine extrem authentissche Sängerin, die für mich ein Vorbild ist, genau das zu tun, was man will und sich auf keine sexisitischen Rollenbilder einzulassen.

Tangled Hair  “We Do What We Can”
Ein Festival und die damit verbundene Musikgenres haben es mir dieses Jahr besonders angetan. Am Arctangent Festival in England spielen praktisch nur Post- und Mathrockbands. Mit dabei waren Tangled Hair mit ihrem neuen Album “We Do what we can”. Es ist emo, es ist Mathrock, es ist… wunderschön.