14.12.2018 – Zeal & Ardor beschwörten den Teufel in Zürich

Ich war ja schon vor einer Woche im Dynamo beim Bury Tomorrow-Konzert und dachte mir da: „Wird schwierig, dieses Konzert zu toppen“. Zwei Tage lang schmerzten meine Arme und Beine vor lauter blauen Flecken und Muskelkater vom Moshen. Und dann war ich am Freitag bei der Zeal & Ardor Show… Holy S***. Ich denke immer, dass ich Zeal & Ardor nicht noch mehr feiern kann, und bei jedem Konzert werde ich eines Besseren belehrt. Aber von vorne:

Auf dem Weg zum Bahnhof bemerkte ich, dass ich den grössten Konzertfehler meiner aktuellen Konzertkarriere gemacht habe: Ich hatte vergessen, meine Kontaktlinsen einzusetzen und hatte also folglich meine Brille auf. Und wer mich kennt, der weiss, dass ich wortwörtlich keinen Meter weit sehe ohne Sehhilfe. Also war das Moshen und Headbangen für den Abend schon mal gestrichen. Ich fuhr trotzdem mit einer riesigen Vorfreude nach Zürich.

Dort angekommen, mussten wir zuerst wieder bei der Garderobe anstehen. Noch länger als beim letzten Konzert. Liebes Dynamo, gibt’s da nicht irgendwie eine bessere Lösung? Anyway, bevor ich mich wieder über die Garderobensituation aufrege, erzähle ich lieber vom Konzert: Der Saal war schon bis in die hintersten Reihen voll besetzt. Kein Wunder, denn das Konzert war ausverkauft. Auf der Bühne standen Schammasch. Ich hatte vorher noch nie von ihnen gehört und weil ich von diesem Genre icht wirklich Ahnung habe, werde ich einfach behaupten, dass sie Black Metal machen. Die Atmosphäre, welche die Musik und der Aufzug der Band erzeugte, stimmte wunderbar auf die spätere Teufelsanbetung ein. Schammasch hatten einen kleinen Altar auf der Bühne eingerichtet und schienen tranceähnlich in die Musik versunken. Und es war unglaublich dunkel im Saal. Das klingt vielleicht komisch, weil das bei Konzerten immer so ist. Aber ich hatte selten so viel Mühe, den Boden und die Personen vor mir zu sehen, wie auf dem Weg zur Bühne bei Schammasch.

Nach Schammasch waren auch schon Zeal & Ardor an der Reihe. Etwas, das ich dem Dynamo hoch anrechnen möchte: Sie schauen wirklich, dass die Konzerte jeweils genug früh fertig sind, damit alle noch nach Hause kommen. Wie gewohnt startete die Show mit ordentlich viel Bass. So viel Bass, dass es dir das halbe Rückenmark aus der Wirbelsäule drückte. Richtig geil! Wie gewohnt betraten Zeal & Ardor die Bühne stumm und lieferten ab. Und wie die ablieferten! Da war’s relativ schnell vergessen, dass ich noch eine Brille auf hatte. Wer da nicht headbangt, der hat was verpasst. Und wer erkältet nicht trotzdem jede Zeile mitschreit ebenfalls. Das Set war super zusammengestellt und das Publikum feierte so laut wie es nur konnte mit.

Ich durfte im 2017 ein Interview mit Manuel führen und hätte nicht gedacht, dass er mir bei jedem Auftritt noch sympatischer werden könnte. Aber wer vor Freude so verschmitzt schmunzelt und nonchalant bemerkt „Züri, ihr seid ziemlich laut!“ oder „Wir spielen noch eins, falls das okay ist…“ hat bei mir schon hundert Pluspunkte gemacht. Manuel hat etwas begriffen, was viele Bands noch nicht ganz realisiert haben: Es ist nicht nur die Musik, die eine Show zu dem macht, was sie ist. Auch die Lichtshow und die „Choreografie“ der Bandmitglieder haben enorm viel Einfluss auf das Konzerterlebnis. Das haben Zeal & Ardor wirklich drauf! Aber bevor ich hier anfange, komplett ins Schwärmen zu geraten, höre ich besser auf.

Bitte, bitte ganz bald wieder!