Album Review: Pedro the Lion – Phoenix

Don’t call it a comeback – Pedro the Lion veröffentlichten zwar 2004 ihr vorerst letztes Album, doch Band-Mastermind David Bazan hat in den folgenden Jahren unter eigenem Namen und als Mitglied verschiedener (kurzlebiger) Bands fleissig weiter Platten veröffentlicht. “Phoenix” ist nun in gewisser Weise eine Rückbesinnung auf Bazans musikalische Anfänge und richtet seinen Blick auch lyrisch vornehmlich in die Vergangenheit.

Doch “Phoenix” ist kein Aufguss von Pedro the Lions ersten beiden Alben, sondern setzt eher da an, wo sie mit “Achilles Heel” aufgehört hatten. Vom spartanischen Slowcore sind höchstens noch Spurenelemente übriggeblieben; vielmehr steht das neuste Werk ganz im Zeichen von klassischem Indie Rock. Doch abgesehen von solch kleineren stilistschen Verschiebungen, die sich über die Jahre ergeben haben, ist Bazans Songwriting immer noch Bazans Songwriting. Er ist Träumer, nicht Visionär. Auch im Jahr 2019 kommen Pedro the Lions Songs eher simpel, mit Gitarre, Bass und Schlagzeug, ganz viel Herz und einem Gespür für Melodien daher.

Niemand legt sich eine Pedro the Lion-Platte auf, um eng am Puls der Zeit klebende, progressive Songs zu hören. Man legt sie auf, um sich in Bazans Geschichten wiederzufinden und den vertrauten Klängen melancholischer Gitarrenmusik zu lauschen. Und hier liefert “Phoenix” ohne grosse Einschränkungen ab. Bazans Stimme klingt so wohlig warm (und traurig) wie eh und je, die Gitarren kommen mit einer gewissen Schärfe aus den Boxen und das Album überzeugt mit einer sinnvollen Struktur. Während also die grossen Ausrufezeichen freilich fehlen, gibt es dennoch immer wieder Passagen oder einzelne Elemente, die herausstechen und für Wiedererkennungswert sorgen. Wie das Schlagzeug auf “Yellow Bike” mit einem Herzbeat-Rhythmus ins Album einsteigt, genau dann, wenn Bazan singt: “My heart thumping in my chest”. Typisch Bazan’sche One-liner wie “I tried eternity and a couple of other drugs”. Die leichte Dissonanz in den Strophen von “Black Canyon”. Der lässige Power-Pop Groove von “Powerful Taboo” und und und.

Es sind genau diese Elemente, die das Album zu dem machen, was es ist. Trotz der wahrlich bescheidenen stilistischen Bandbreite schafft es so praktisch jeder Song, sich im Kopf festzukrallen. Dem Album als Ganzes ist eine bittersüsse, nostalgiegetränkte Atmosphäre eigen, die ihren ganz eigenen Sog entwickelt. Denn trotz, oder gerade wegen, der persönlichen, realitätsspezifischen Texte wird man in seine eigene Kindheit und Jugend versetzt. Man erinnert sich an sein eigenes erstes “Yellow Bike” oder daran, wie man im “Circle K” oder einem anderen Mini-Markt sein ganzes Taschengeld für Süssigkeiten verpulvert hat. Wie man sich aufgemacht hat in die vermeintlich weite Welt, nur um zu bemerken, dass sie klein ist und man immer wieder um die selben Dinge kreist. Alles bleibt in dir: deine grossen Träume (“Model Homes”), deine Reue und Unzulänglichkeiten (“Quietest Friend”), deine Heimatstadt (“Phoenix”).

Und so schliesst sich der Kreis: Auch Pedro the Lion bleibt in David Bazan. Als ebenso simplen wie nachvollziehbaren Grund für die Wiederaufnahme des Pedro the Lion-Banners nennt Bazan die Einsamkeit. Nach jahrelangem Touren allein im Mietwagen von einem Wohnzimmerkonzert zum nächsten will er wieder in einer Band spielen und touren. Und so ersteht sein persönlicher Phönix wieder auf. Nice to have you back, Pedro.

VÖ: 18.01.2019 / Big Scary Monsters

For Fans of: David Bazan, The Weakerthans, The Wrens