Album Review: Wristmeetrazor – Misery Never Forgets

H Y P E! Nein, im Ernst, dieses Album war wohl — neben La Disputes „Panorama“, das am 22.03.2019 erscheinen soll – eines meiner meist erwarteten Alben 2019 und darum ist die Freude umso grösser, dass Wristmeetrazor auf ihrem am 18.01.2019 veröffentlichtem Debütalbum „Misery Never Forgets“ auch abliefern wie versprochen (oder beinahe zumindest).

Die ersten zwei EPs der Band, „I talk to god…“ und „…but the sky is empty“, hatten die Messlatte verdammt hoch gelegt und Wristmeetrazor wohl zu einer der am meisten gehypten Bands im grossen Screamo/Hardcore-Kuchen gemacht – und das nicht zu Unrecht. Die Vorfreude auf das Debütalbum war demenstprechend gross und die Ankündigung des Signings bei Prosthetic Records tat ihr Übriges: Da würde etwas richtig Grosses auf einem zukommen! 

Die vorab veröffentlichten Singles hinterliessen dann zumindest zu Beginn einen gemischten Nachgeschmack: Plötzlich hörte mensch nicht mehr einfach „nur“ Screamo — oder, um es mit einem jüngst gelesenen und sofort geliebten Genresprech zu sagen: Octavecore (wegen Oktaven und so, get it) –, sondern es wurde dem frühen 2000er-Metalcore gefrönt, sogar Cleangesang war zu hören und trotzdem klang es noch nach Wristmeetrazor. Das Video tat dann das Übrige zur klaren Positionierung der Band bei — Scenecore Ästhetik galore. Hatte mensch sich aber mal vom Anspruch verabschiedet, dass Wristmeetrazor so und so zu klingen hätten, wurde das Hit-Potential von „Xoxo (Love Letter From A Loaded Gun)“, „Insecurity Checkpoint“ oder auch „Expiry Date: 12 hours“ deutlich – harter Ohrwurm, hallo?

Das Album geht nun konsequent in diese Richtung weiter und obwohl man sich fragen kann, woher der Wille zur Rückbesinnung auf ein Subgenre kommt, das im Nachhinein doch eher zweifelhafte Bands hervorgebracht hat, kann mensch eigentlich nichts Anderes machen, als vor Wristmeetrazor den Hut zu ziehen, denn was auf „Misery Never Forgets“ geboten wird, ist einfach verdammt mitreissend. In neun Songs findet man harte (und unpeinliche!) 000-Breakdowns, Panic Chords, Melodien, Industrial-Parts (Hallo Vein), eerie Atmosphäre, ach, der Wohnzimmer-Mosh ist real! Und über allem thront gutes Songwriting, nie wird es langweilig, nie ziehen sich Songs unnötig in die Länge. Das Screaming ist vielleicht Geschmackssache und auch die Cleans sind – abgesehen davon, dass sie OG-mässig nicht immer ganz auf den Punkt getroffen sind – nicht jedermenschs Sache, aber das Album fetzt und ich habe nichts daraus auszusetzen. 

Äh ja, kauf das Album! Denk daran, wie du es mit 16 gefühlt hättest und merk, dass du es jetzt immer noch verdammt fühlst, weil Wristmeetrazor schmerzfrei das Beste aus Klischees herausholen.

wristmeetrazor – Misery Never Forgets (18.01.2019 via Prosthetic Records)
1. Loathsome
2. In Line for Halos
3. Insecurity Checkpoint
4. Come on in, The Water’s Pink
5. Goodbye Sweet Betty
6. Xoxo (Love Letter from a Loaded Gun)
7. He Smiled from Ear to Ear
8. Expiry Date: 12 Hours
9. No More Blue Tomorrows