02.02.2019 – So waren Annenmaykantereit im Dachstock in Bern

Am Samstag hatte ich die Ehre, die Kölner Band Annenmaykantereit im restlos ausverkauften Dachstock in Bern zu geniessen. Was für ein vielseitiger, emotionaler und bunter Abend.

Wenn auch der Schritt aus der warmen Wohnung in das kalte Bern einiges an Überwindung abverlangt hat, war die Stimmung bei unserer Ankunft im Dachstock dafür bereits umso wärmer und lud von Beginn weg zum Feiern und Geniessen ein. Empfangen wurden wir von den kryptischen Klängen der Chemnitzer Band BLOND. Mit ein paar Coversongs haben die drei Paradiesvögel den Dachstock bis zur Decke gefüllt. Der Name ist Programm: Die Truppe besteht ausschliesslich aus blonden Geschwistern, die das Blondsein zu zelebrieren wissen, auf Synthesizer stehen und Glamour Pop in höchster Konzentration zum Besten geben. Musikalisch nicht unbedingt meine Welt, die Gesamtstimmung hat aber keinesfalls unter dem Trio gelitten.

Wenig später nahm die Bühneneinrichtung andere Formen an, der Glamour Pop verzog sich langsam aus den Gemütern, der obligatorische Biernachschub wurde organisiert, die Lieblingsplätze eingenommen und die jungen Kölner betraten die Bühne.

Mit vom Himmel scheissenden Vögeln aus dem Song “Marie” begrüssten uns Annanmaykantereit in den nebligen, warmen Gewölben unseres Dachstocks. Die Stimmung stieg innert Sekunden ins Unermessliche, die Freude war deutlich spürbar und beim ersten Refrain wurden die fünf schon mal bis zur Sprachlosigkeit überrascht: Das Publikum sang mit, als wäre es das Natürlichste überhaupt, als wäre das ganze einstudiert und als wären die Texte der Jungs Zeilen aus der Bibel. Von da an merkte man, dass Band und Zuschauer zu einer Einheit verschmolzen waren. Es wurde gesungen, bei jedem weiteren Song, der angespielt wurde, wurde aufs Neue gejubelt, als wäre es der erste. Dies war wohl eines der kurzweiligsten Konzerte, das ich je besucht habe. Zu keinem Moment hatte man das Gefühl von Langeweile oder das Bedürfnis, sich anderweitig beschäftigen zu müssen. Und hey, wenn eine Band es schafft, dass ich auch nur für einen kurzen Moment mittanze, dann erst mal Hut ab. Und getanzt hab ich an dem Abend!

Christopher Annen, Henning May, Severin Kantereit und Malte Huck haben mich überrascht. Die Stimmung, welche die vier in einem Raum zu verteilen vermögen, ist praktisch unbeschreiblich. Ihre Musik bewirkt eine Art Wärme, die einen fühlen lässt, als würde man jeden im Raum Anwesenden schon lange kennen.

Obwohl ich Anfangs überhaupt nicht überzeugt war und die Songs im Radio jedes Mal weggezappt habe, muss ich sagen: Live sind Annenmaykantereit der absolute Wahnsinn. Ohne viel Schnickschnack und Drumherum zeigen sie eine tolle Show, die das Publikum bewegt.

Leider war der Abend auch bald mal vorbei und dann hiess es wieder zurück ins kalte Bern und schliesslich nach Hause. Dieses Konzert war jedenfalls jeden Schritt in die Kälte wert.