Album Review: Shin Guard – 2020

20ninescene ist ja scheinbar in vollem Gange (toxisches Verhalten inklusive) und was vor sechs Monaten höchstens in irgendeiner Nischengruppe von MySpace-Revivalisten oder Screamo-Jüngern gefeiert wurde, spielt wohl 2019 am This Is Hardcore. Shin Guard umschiffen diesen Trend aber und bringen auf “2020” ( VÖ: 13.02.2019, Flowerpot Recordings) ganz viele andere Einflüsse zum Tragen — got you there.

Natürlich, auch Shing Guard machen sowas wie Screamo (obv, sonst würd ich’s ja nicht reviewen), aber das erste Riff, das mensch nach einem Feedback-Intro hört, ist schon fast astreiner Thrash / Heavy Metal (inkl. Terzgitarren und Kopfkreisel–Triolen). Daneben haben Shin Guard Freude an Post-rockigen Melodien und Geklimper, Reverb und sochli Grungigem.

Mangel an Experimentierfreude muss sich die Band sicher nicht vorwerfen lassen, ob aber alles allen gefällt, ist eine andere Frage. Eerie Spoken Word-Passagen, ein Saxophon, Gefrickel, wie es auf jede Twinkle-Emo-Scheibe gehört, alles dabei. Mir ist das dann manchmal irgendwie ein bisschen zu zerfahren und gleichzeitig an anderen Stellen zu Metal (wenn z.B. ein Twinkle-Riff so mit Terzen zugebombt wird, dass mensch plötzlich Iron Maiden hört), während irgendwie ein bisschen die Harshness verloren geht — Geschmackssache eben.

Über Albumlänge haben hier Shin Guard sicher ein sehr interessantes Stück Musik geschaffen, das nicht zu langweilig wird, das aber mich nicht vollends zu überzeugen schafft. Ein paar sicke Breakdowns (“Spears” z.B. ist so verdammt heavy und gut!) mehr, ein paar sphärische Post-Passagen weniger, ein bisschen mehr Geballer und ich wäre begeistert.

Anspieltipps: Kennedy, Soliloquy Of The Hourglass, Spears (super heavy, mehr davon bitte)

Shin Guard — „2020“ (VÖ: 13.02.2019, via Flowerpot Recordings)

Motorcade
Epiphany

Soliloquy Of The Hourglass
Kennedy
2007
Sure
Spears
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