12.04.2019 – Das Impericon Festival machte Halt im Zürcher X-Tra

Es hat sich fest etabliert, in der deutschsprachigen Hard- und Metalcoreszene: das Impericon Festival, welches die Location in der Schweiz interessanterweise immer mal wieder wechselt. Nach einem Abstecher nach Solothurn im letzten Jahr, fand das Festival heuer wieder im Zürcher X-Tra statt. Und wie schon beim letzten Mal in Zürich erneut an einem Freitag. An einem Werktag schon zum Beginn um 14:00 Uhr vor Ort zu sein, war wohl für viele nicht möglich. Auch für den Autor dieses Artikels nicht, der sich so leider die erhofften Neuentdeckungen am Nachmittag entgehen lassen musste.

Immerhin blieben noch viele bereits bekannte Bands, die zwar solide Auftritte, aber nicht viel Neues boten. Interessant wäre es, auch mal am Abend, der einen oder anderen “kleineren” Band eine Plattform zu bieten. Aber auch die bereits x-mal gesehenen Gruppen können immer noch Freude bereiten. An allererster Stelle müssen hier die Headliner Stick to Your Guns erwähnt werden, die einfach eine enorme Energie mitbringen. Sowohl in ihrer Musik, als auch in ihren Auftritten. Diese Energie übertrug sich im Nullkommanichts auf das Publikum, welches so spät am Abend noch die letzten Kraftreserven anzuzapfen schien. Angezapft wurde natürlich auch Flüssiges, und einige Besuchende schienen reichlich von diesem Angebot Gebrauch gemacht zu haben. Gehört eben auch zu einem Festival…

Besser in nüchternem als in betrunkenem Zustand waren Being As An Ocean zu geniessen, deren Musik ebenfalls zu bewegen vermag, allerdings häufiger in emotionaler denn in körperlicher Hinsicht. Das relativ schlecht besuchte Set der Kalifornier aus Alpine (einer Stadt, die ihren Namen einer Schweizer Auswandererin verdankt, die sich dort an ihre Heimat erinnert fühlte), nutzten offensichtlich viele für eine Pause. Verständlich bei einem solch langen Festivaltag. Trotzdem schade, denn sie haben etwas verpasst. Und das, obwohl die Band in einem kleineren Lokal tendenziell besser wirkt. Aber bei welcher Band ist dies nicht der Fall, gäll?

Es würde wohl auch auf Nasty zutreffen, die brachiale Beatdown-Truppe aus der kleinen deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Oder auf Emmure, die im Gegensatz zu Nasty deutlich abwechslungsreicheren und interessanteren Sound präsentierten und dabei trotzdem immer tanz- beziehungsweise moshbar blieben. Deez Nuts feierten in Zürich den Start ihrer Europatournee zum 11-jährigen Jubiläum ihres Debütalbums “Stay True”, und schienen mit viel Freude auf der Bühne zu stehen, was gegen Ende vorangegangener Tourneen auch schon anders aussah. Viel Energie und toller Sound sind die Versprechen, die Counterparts auch diesmal halten konnten. Allerdings mussten sie ihr Set leider mittendrin abbrechen, weil sie anscheinend im Verzug waren. Sehr schade! Trotzdem, und auch ohne Neuentdeckungen, bot das Impericon Festival einen guten Vorgeschmack auf die kommende Festivalsaison.

Zum Schluss soll noch eine Sache Erwähnung finden, die beim ersten Hard-/Metalcore-Konzertbesuch seit einigen Monaten wieder auffällt: Wieso sind keine Frauen* auf der Bühne? Auch dies ist natürlich keine neue Erkenntnis, aber sie sollte deswegen nicht in Vergessenheit geraten. Im Publikum sind die Frauen* mittlerweile zahlreich vertreten, auf der Bühne aber komplett abwesend. Liegt es an den Veranstaltern (vermutlich auch fast ausschliesslich männlich), die den weiblichen Bands keine Chance geben, oder gibt es schlichtweg zu wenige “genug” bekannte? Der Autor sieht sich nicht im Stande, diese Frage zu beantworten, möchte diesen Abschnitt aber als Appell an beide Seiten verstanden haben: Frauen*, traut euch Bands zu gründen (und zwar nicht nur als Sängerinnen!) Und Veranstalter, bucht diese! Gefördert werden kann Gleichheit nur durch die zur Verfügungstellung einer Plattform und Visibilität. Let’s do this!