So waren Lia Sells Fish und Peter Doherty & The Puta Madres im Fri-Son

Über die Drogenexzesse von Peter (Pete) Doherty wurde im Laufe seiner Karriere wohl mehr geschrieben als über seine Musik. Schade, denn Peter hat mit den Libertines, Babyshambles und Solo konstant gezeigt, dass er ein begnadeter Songwriter ist. Mit den Puta Madres wagt er jetzt privat wie auch musikalisch einen Neuanfang. Ich war gespannt, wie sich die Band live präsentiert.

Lia Sells Fish durfte den Abend im nicht ganz ausverkauften Fri-Son eröffnen. Schande über mich, dass ich diese Band im Vorfeld noch nicht kannte, denn was die Berner ablieferten, war ganz grosses Kino. Die verspielten, emotionalen Songs, die Bühnenpräsenz und die Stimme von Christine Hasler überzeugten nicht nur mich. Auch das wachsende Publikum merkte, dass da viel musikalische Qualität auf der Bühne steht und der Applaus wurde nach jedem Song lauter. Lia Sells Fish behalte ich definitiv auf dem Radar und ich freue mich schon auf das nächste Konzert.

 

Etwas frische Luft und ein Bier später war es dann soweit. Ohne Vorwarnung betraten die Puta Madres und Peter Doherty in Schlabberhose und etwas, das einmal ein T-Shirt war, die Bühne. Mit Ausnahme von Peters Ex, Keyboarderin Katia de Vida, war das schon ein recht versiffter Haufen, der da über die Bühne torkelte. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, begrüsste Peter das Freiburger Publikum mit einem lallenden “Hello Rochester” – alles andere hätte mich auch erstaunt. Drummer Rafa trommelte mit einer Vorsicht auf sein Schlagzeug ein, als wäre es zerbrechlich wie Glas. Auch Bassist Miggles spielte nur die nötigsten Töne. Instrumental war das schlicht unterirdisch und während ich mir langsam Sorgen machte, dass Rafa plötzlich wegdöst, kam auch Peter Doherty anfangs ziemlich gelangweilt rüber. Ich kann nicht genau sagen warum, aber nach etwa 45 Minuten taute die Band und das Publikum doch noch auf. Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass auch Peter Doherty angekommen ist und seine Band dirigierte, zum Jamen aufforderte und in seinen Songs aufging. Von da an wusste er sogar, dass er sich in Freiburg befand. Es ist schon faszinierend, wie Peter seine Songs wie”Last of the English Roses“, oder “Kolly Kibber” immer wieder neu interpretiert. Schlussendlich nahmen Peter Doherty und die Puta Madres immer mehr Fahrt auf und spielten zwei Zugabe-Sets. Nach dem obligatorischen Sturz von der Bühne und einem kurzen Streit mit Konzertbesuchern, welche das Keyboard-Solo seiner Ex nicht genug würdigten, verabschiedete er sich mit den Worten “Good night Zürich”. Da Peter am Ende voll (und) in seinem Element war und die Saal-Beleuchtung nicht anging, wartete das Publikum noch ab, ob die Band vielleicht doch nochmal die Kraft findet, ein paar Songs zu spielen. Ob es dazu gekommen ist, entzieht sich meiner Kenntnis – ich musste ja noch von Rochester/Zürich, aka Freiburg nach Hause fahren.

Fotos: Julia Foster