So war’s bei Delta Sleep im Werk 21

Bereits zum dritten Mal im Monat Mai stand das Werk 21 ganz im Zeichen des bergmal-Festivals. An dieser Pre-Show gehörte die Bühne zwei ziemlich unterschiedlichen Acts: Den Schweizer Instrumental-/Post-Rockern hubris. und der englischen Math-Rock-Combo Delta Sleep. Beide wurden von den bergmal-Bookern bereits zum zweiten Mal nach Zürich geholt – zu Recht?

Passend zu den sympathischen Delta Sleep mit ihrer verspielten, sommerlichen Musik und Attitüde wurde prompt die Badesaison eröffnet. Shows im Dynamo/Werk sind einfach noch cooler, wenn die ganze Location im Sonnenrausch ist. Ein kühles Bier am Fluss, 20 Sekunden später stehst du vor der Bühne und ebenso schnell kannst du wieder draussen den lauen Abend geniessen, herrlich.

Die Opener hubris. sind freilich nicht so auf Sommer getrimmt wie ihre britischen Kollegen. Ihre Musik hat eine ziemlich düstere Grundstimmung und das ganze Drumherum (Songtitel, Artwork etc.) erzählt eher von kühlen, luftlosen Räumen im Weltall als von irdischem Badevergnügen. Vergnügen boten die Westschweizer dennoch und so fand sich auch schon eine anständige Menge an Zuhörenden im Keller, um ihrem Set zu lauschen. Wenn ich mich nicht täusche, haben sie ihr letztes Werk “Apocryphal Gravity” in seiner ganzen Länge gespielt. Somit war das Konzert äusserst stimmig und rund. Präzise wie ein Westschweizer Uhrwerk groovten, schrummelten und rifften sich hubris. durch das 45-minütige Set. Entsprechend schwierig, die Musik von der Performance zu trennen, denn alles was sich über das Album sagen lässt, lässt sich auch über die einwandfrei gespielte “Live-Version” davon sagen. In meinem Fall: sehr gut gemacht, ein bisschen zu kalkuliert für meinen Geschmack, mir fehlt das gewisse Etwas, das Unvorhersehbare, Schräge oder Spezielle. Aber andere Ohren hören das anders und ich habe die Show nichtsdestotrotz absolut genossen – denn man kann sich schon ohne Probleme in ihrer Musik verlieren.

Dann also Delta Sleep. Auch vor circa zwei Jahren habe ich sie im Dynamo gesehen, ebenso letztes Jahr am ArcTangent. In dieser Zeit hat es Delta Sleep nie zu einer Lieblingsband geschafft. Was aber wieder mit meinen musikalischen Vorlieben zu tun hat, nicht mit der Live-Show. Denn die ist einfach immer überzeugend. So erfrischend, so energiegeladen und so echt. Zu den lustigen Spielen, die man während einer Delta Sleep-Show spielen kann, gehört zum Beispiel der Versuch, mit dem Kopf im Takt zu nicken. Oder einen Song vom anderen zu unterscheiden. Egal, solange man dem Über-Drummer zuschauen kann, wird einem nie langweilig. Und jaja, ein paar Hits wie “Camp Adventure” bleiben auch mir im Ohr.

Als ich über den Konzertabend nachgedacht habe, habe ich gemerkt, dass meine musikalische Wohlfühlzone wahrscheinlich genau zwischen den beiden Bands liegt. Die einen sind ein bisschen zu langfädig, die anderen dafür zu klaustrophobisch, um mich voll zu treffen. Dennoch waren beide einfach zu gut, als dass ich irgendwo anders hätte sein wollen als vor der Bühne. Also die nächste gelungene bergmal-Pre-Show. Oh, und um die fast vergessen geratene Frage zu beantworten: Ja, die Bands wurden zu Recht zurück ins Dynamo geholt und ich werde dabei sein, wenn sie ein drittes Mal kommen sollten.