Mit Chelsea Deadbeat Combo am Greenfield Festival 2019

Wir durften die Schweizer Hardcore-Band Chelsea Deadbeat Combo rund um ihren Auftritt am diesjährigen Greenfield Festival begleiten und haben einen ganz speziellen Blick hinter die Kulissen bekommen – gespickt mit einigen Überraschungen.

Den Blick auf die Bühne und den Publikumsbereich gerichtet, die Vorfreude greifbar. Wie viel Publikum und welche Stimmung sie erwarten durften, wussten die Jungs noch nicht. Aber selbst wenn niemand käme, so würden sie halt den guten Bühnensound geniessen, das war die Einstellung vor dem Konzert. Die Nervosität war deutlich weniger gross als an der Greenfield-Premiere vor drei Jahren. Schlagzeuger Pfeuti meinte, er sei damals so nervös gewesen, dass das wohl auch noch für das zweite Mal reiche.

Nein, das Bild täuscht nicht: Hier verpasst Hugo Gion gerade eine Ohrfeige. Und es blieb nicht bei der einen! Mit gegenseitigen Ohrfeigen pushten sich die beiden vor dem Auftritt hoch. Jetzt weiss die Weltöffentlichkeit also, wo Chelsea Deadbeat Combo die Energie her haben, die sie auf der Bühne immer versprühen!

Die Schweizer eröffneten den zweiten Festivaltag, und dies bereits kurz nach dem Mittag. Sie sahen dies aber nicht negativ, sondern hielten fest, dass sie direkt nach Den Toten Hosen auf die Bühne durften, die den Vortag abgeschlossen hatten. Keine schlechte Vorband! Die Düsseldorfer Punk-Rocker haben sie zwar nicht angetroffen, dafür bekamen sie nach ihrem Auftritt im Backstage ein persönliches Lob von Randy Blythe, Sänger von Lamb of God. Das hat die Jungs verständlicherweise echt berührt.

Es ist schon noch gäbig, Schlagzeuger zu sein, da muss man während des Konzertes nicht stimmen. Während das die bemitleidenswerten Gitarristen und Bassisten tun, bleibt dem Schlagzeuger genügend Zeit für ein Bier. Davon wurden an diesem Tag einige vernichtet, verständlich, sie hatten eigens ihren bevorzugten Gerstensaft mitgebracht. Der ist nicht zu verachten, wie der Verfasser dieses Beitrages aus eigener Erfahrung weiss.

Wo ist Norman? Kleiner Hinweis: Er trägt keinen rot-weissen Pulli, keine Brille und ist nicht sonderlich gross. Ein Bad in der Menge liess sich der Sänger trotzdem nicht nehmen. Viele bekannte Gesichter seien im Publikum anzutreffen gewesen, dann auch solche, die er nicht kannte aber bereits ein Chelsea Deadbeat Combo-Shirt trugen. Und schliesslich ist ein solcher Festivalauftritt natürlich auch gerade deswegen so wertvoll, weil viele Zuschauende die Band zum ersten Mal sehen. Wie viel das der Band wirklich bringt, lasse sich im Nachhinein dank Spotify-Statistiken recht gut abschätzen.

Viele Leute vor, noch mehr Energie auf der Bühne! Das übertrug sich auch auf das Publikum, das bereits zu dieser frühen Zeit und trotz Kater vom Vortag zu Mosh Pits ansetzte. Auffällig die violetten Frauenstreikbanner und -fahnen auf der Bühne. Chelsea Deadbeat Combo fand es wichtig, am Tag dieses Ereignisses ein Zeichen zu setzen. Schliesslich hat dies das Festival selber verpasst und am Freitag keine einzige Frau gebucht. Ansonsten bekam die Organisation von der Band aber sehr gute Noten. Alles sei professionell abgelaufen und auch als verhältnismässig “kleine” Band wurde Chelsea Deadbeat Combo den ganzen Tag über sehr gut behandelt.

Kaum sind die 40 Minuten Bühnenzeit zu Ende, steht eine halbe Armee an Stagehands bereit um die Bühne zu räumen. Alles geht sehr schnell, fast zu schnell, plötzlich fehlt ein Kabel. Es ist kaum möglich, innerhalb von zwei oder drei Minuten herunterzufahren nach diesem 40-minütigen Energieschub. Länger Zeit bleibt aber nicht, denn trotz Stagehands müssen die Musiker natürlich auch selber anpacken. Erst als das Kabel wieder aufgetaucht und das Schlagzeug langsam abgebaut ist, scheint etwas Ruhe in die Band zu kommen.

Konzert zu Ende und alles Material verstaut bedeutet aber noch lange nicht Feierabend. Nicht nur, dass noch so einige Bier zur Vernichtung bereit standen. Zunächst stand ein Fototermin an, und zwar an einem ganz besonderen Ort. Freude hatten alle am Shooting in der Backstage-Waschstube, der Fotograf genauso wie die Abgelichteten.

Die Band war mittlerweile richtiggehend gelöst und genoss augenscheinlich jeden Moment dieses Tages. Es ist ihr wichtig, nichts zu forcieren. Hat sie es trotzdem oder vielleicht genau deswegen schon zum zweiten Mal ans Greenfield geschafft? Die Jungs selber glauben, dass es schlussendlich vor allem eine gehörige Portion Vitamin B dafür braucht. Interessant: Wie die Band festgestellt hat, macht ein grosser Auftritt wie jener am Greenfield nicht nur sie selber stolz, sondern auch viele Leute in ihrem Umfeld.

Die gute Stimmung hielt auch an, als kurz nach dem Fotoshooting bereits die ersten Interviews warteten. In ganz professioneller Manier wurden drei Gespräche gleichzeitig geführt. Und das waren noch nicht mal alle, die anstanden an diesem Tag. Unklar blieb bisher, ob der kurz zuvor gefasste Plan, sich gemeinsam ein Sushi-Tattoo stechen zu lassen (die Bands hatten die Möglichkeit, sich im Backstage gratis tätowieren zu lassen), in die Tat umgesetzt wurde… es wäre das Souvenir zu einem Tag, den die sympathischen Jungs wohl so oder so nie vergessen werden!

Weitere Fotos des Auftrittes von Chelsea Deadbeat Combo findest du übrigens in unserer Gallery zum zweiten Festivaltag am Greenfield.