Invoker werden im Interview unter die Lupe genommen

Invoker

Die Schweizer Hardcore-Band Invoker strebt immer nach Ehrlichkeit und nach der Unterstützung aller in ihrer Arbeit und hat sich schnell einen Ruf für ihre hypnotisierenden Liveshows erarbeitet. Am ersten Tag des Openair Gränichen 2019 durften wir ein Interview mit der vollständigen Band führen.

Hallo zusammen, ihr habt vor ein paar Stunden die Stage ziemlich eingeheizt am Openair Gränichen. Wie habt ihr eure Bühnenpresenz und das Publikum wahrgenommen?
Voll geil! Es war wirklich cool. Wir glauben, keiner von uns hat erwartet, dass es am Nachmittag um 4 bereits so voll sein wird. Wir dachten, dass es einige geben wird, welche erst viel später ans Festival kommen würden. Es war über unseren Erwartungen. Wir hatten eine Menge Fun.

Nebst dem Gränicher, gäbe es da sonst noch Festivals, an denen ihr gerne auftreten möchtet?
Greenfield(!), Groezrock, 2000trees Festival und 70’000 Tons of Metal *gelächter*. Aber selbstverständlich nochmal am Open Air Gränichen, wir sind eh immer hier, auch als Zuschauer. Aber grundsätzlich an allen Festivals in einer grösseren Sparte mit 2000-4000 Gästen im Hardcore- und Punk-Genre, z.B. am “This is Hardcore”. Auch gegen Wacken hätten wir nichts einzuwenden. By the way: OBENUSE, bucht uns doch für 2020 (?).

Nebst Festivals, gäbe es da auch Bands mit denen ihr unbedingt einmal die Stage teilen möchtet?
The Amity Affliction stehen weit oben auf der Liste. Defeater, More Than Life. Viele Bands mit denen wir gerne aufgetreten wären, gibt es leider bereits nicht mehr.

Wie habt ihr eure Tour anfangs Jahr mit To Kill Achilles und Reclaimer empfunden?
Sie waren die besoffensten Bands, aber es hat Spass gemacht mit ihnen auf Tour zu gehen. Uns wurde von ihnen gesagt, dass wir die Band seien, mit denen sie bislang am besten ausgekommen sind auf Tour, und dass sie mit anderen Bands sie überhaupt keinen Kontakt pflegten. Das gemeinsame Abhängen hat irrsinnig Spass gemacht.

Was waren die Unterschiede zwischen den Shows in der Schweiz und denjenigen in England für euch?
In England interessiert es niemanden, wer da gerade auf der Bühne steht. England hat so viele Bands und so viele Shows, dass es im Endeffekt niemanden mehr interessiert. Handkehrum in der Schweiz kommen auch gerne mal spontane Besucher an Shows, die die Band nicht unbedingt kennen.

In der Schweiz erhält man eine Art “All Inclusive Package” mit Essen und so, wenn man gebucht wird, in England ist man einfach dort und muss grundsätzlich alles selber bezahlen, auch das Trinken. Ebenfalls das Essen musste man sich selber besorgen.

Was war die Motivation die Band Invoker zu gründen und zu halten?
Fame! *gelächter*

Der Grund war, dass sich die Band von Peter und Andy aufgelöst hatte. Dave hatte dort gegen den Schluss mit dem Bass ausgeholfen. Dadurch entstand dann die Idee, selber weiterhin gemeinsam Musik zu machen. Danach haben wir den Raffi für die Drums und Patrick für den Bass gefunden. Den Raffi kennen wir alle bereits aus der Schulzeit. Der ganze Rest ergab sich von den Treffen an Konzerten, wo sich dann Freundschaften daraus entwickelt haben.

Die Motivation dahinter, die Band weiter bestehen zu lassen, ist es, dass es einfach geil ist mit seinen vier besten Freunden Musik zu machen und an solchen Shows zu spielen wie heute am Open Air Gränichen. Und wir haben uns auch zum Auftrag gemacht, eine positive Message zu verbreiten. Dies ist etwas, was uns sehr vorantreibt.

Wenn wir schon beim Thema sind; was ist die Mitteilung hinter eurer Musik?
Dave: Wir vermitteln ganz klar eine positive Message, aber nicht in dem Sinne, was aus den Texten heraus interpretiert werden kann, denn da geht es lediglich um meine negativen Erfahrungen mit meiner eigenen Psyche. Wir wollen damit positive Gedanken rüberbringen und dass man sich nicht aufgeben soll, um nicht an einen solchen Tiefpunkt zu gelangen, wie ich bereits war.

Jeder von uns hatte bereits einmal diese Phase, in der mensch beinahe durchgedreht wäre. Man merkt, dass es ein riesiges Thema geworden ist. Es nimmt immer mehr Präsenz ein in der heutigen Welt, vielleicht auch durch die Sozialen Medien. Und trotzdem ist es noch immer ein Tabuthema für viele. Wenn sich Personen mal mitteilen z.B. über Soziale Medien und die Gesellschaft dann herablassend reagiert, erkennt man, dass es heutzutage doch ein Thema ist, welches wir aufgreifen möchten, um den Menschen die Augen zu öffnen. Das sind reale Krankheiten, die Personen haben, dass sind keine Aufmerksamkeitshaschereien. Auch bei der Arbeit kommt dies öfter vor, dass der Arbeitgeber dann glaubt, der Arbeitnehmer sei einfach faul und wolle nicht arbeiten. Wir versuchen, auf dieses Thema zu sensibilisieren.

Dave: Ich lebe damit und versuche, jeden Tag damit zu Schlage zu kommen. Es gab auch eine Zeit über sechs Monate hinweg, in der ich zu nichts zu gebrauchen war und nicht einmal arbeiten konnte. Das war kurz vor der Aufnahme der EP “Cursed To Feel”, deshalb sind alle Texte auf dieser Scheibe etwas depressiver und düsterer als sonst.

Nicht nur die Texte, sondern die Stimmung im Allgemeinen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man merkt, dass die Message richtig ankommt, und auch, dass sich Personen bei uns melden, indem sie uns mitteilen, dass ihnen unsere Musik geholfen hat.

Übrigens, wir spielen im November am Growing Roots Fest in Zürich, welches mit Hope For The Day zusammenarbeitet. Da geht es genau um diese Message.

Habt ihr angefangen zu schreiben oder seid ihr vielleicht bereits wieder an der  Vorproduktion für ein neues Album dran? Welche Details könnt ihr uns über Material der Band oder mögliche zukünftige Aufnahmen sagen?
Wir planen ein Schlageralbum *gelächter*. Wir sind natürlich immer an etwas dran, aber wir haben noch kein konkretes Datum, da unsere letzte EP erst letzten Herbst veröffentlicht wurde. Wir sind immer dran, neue Songs zu schreiben. Wir stehen nie still. Bei uns gibt es keine Phase, in der man eine Pause einlegt. Sobald es etwas gibt, das bereit ist aufgenommen zu werden, wird dies gemacht. Nicht wie Insanity, die so produktiv sind, dass sie jedes halbe Jahr etwas aufnehmen können*gelächter*. Aber sind “geili Siäche”. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, mehr Shows zu spielen, und eventuell auch öfter im Ausland zu spielen, ist auch ein Ziel. Einfach so Gigs wie heute pushen uns. Gegen eine Tour hätten wir auch nichts einzuwenden.

Welcher Song war am schwierigsten zum Aufnehmen auf “Cursed To Feel”?
“End me”. Dieser Song hat uns ins Endlose getriggert bei den Aufnahmen. Wir mussten bei diesem Song mehrmals dran feilen. Es hat aber Spass gemacht. Handkehrum: Live kann der einem zerstören.

Dann noch eine spezifische Frage von einem Fan an dich gerichtet Dave: wirst du deine Haare jemals wieder “Slim Shady-Like” bleichen?

*gelächter*
Dave: Ich weiss es noch nicht. Ich würde gerne, nur ist mir der Aufwand zur Zeit etwas zu gross. Ich bin sie grad am wachsen lassen, vielleicht zieh ich es diesmal durch. But who knows.

Noch eine letzte Message für eure Fans da draussen?
Danke, dass ihr an unsere Shows gekommen seid und unsere Musik anhört. Merci für alles! Danke für den ganzen Support und passt auf euch auf. Ihr seid nie alleine, egal bei was! Und auch wenn was sein sollte, bitte wendet euch an uns.

Ich bedanke mich für die entgegengebrachte Zeit und Offenheit und wünsche euch auch in der Zukunft weiterhin viel Erfolg und eine grosse Verbreitung eurer positiven Messages.

Invoker zusammen mit Chelsea Deadbeat Combo bei unserem Livestream-Interview.