03.08.2019 – Open Air Gränichen – Tag 2

Skindred

Auf geht es in den zweiten Tag des Openair Gränichen! Wer vor Ort campte und sich vor dem Mittag aufraffen konnte, durfte von einem Massageworkshop oder einer Yogalektion vor der Hauptbühne profitieren. Ein weiterer Punkt, welcher das Festival in unseren Augen zu etwas Besonderem in der Schweizer Openairlandschaft macht. An der tollen Organisation und der super Stimmung hat sich seit Tag 1 natürlich nichts verändert, somit startete der zweite Tag erwartungsgemäss ausgelassen – und das nicht nur bei jenen, die tiefenenstspannt vom Yoga kamen. Übrigens: Erics Galerie gibt’s hier!

Auf der Hauptbühne machte Knöppel-Sänger Jack Stoiker den Anfang. Bewaffnet mit Gitarre und absurden Witzen, begleitet von Kontrabass und viel Schalk, plärrte der Ostschweizer seine Songs von der Hauptbühne. Leider muss man hier sagen, dass es wohl um einiges besser gewirkt hätte, wenn man sich Jack Stoiker um zehn Uhr abends mit zwölf Bier intus reinziehen hätte können.

Als erste Band des Tages auf der Zeltbühne spielten die Jungs und Mädels von Lifecrusher auf. Ihr Hardcore kam sichtlich gut an, die Zeltbühne war mal wieder gerappelt voll! Roh und ungezähmt rollten sie über die Bühne und Sängerin Rami gab trotz Grippe alles! Dazu kamen Ansagen, bei welchen man einfach nur applaudieren konnte. Zitate wie “Herkunft ist keine Leistung” und “keine Frau ist weniger wert als ein Mann” wünscht man sich eigentlich noch von viel mehr Bands.

Mit einer geballten Ladung modernen Metalcores ballerten Crystal Lake über die Hauptbühne. Man fragte sich vorher vielleicht noch, wie eine Band, welche am Nachmittag um 15:15 Uhr spielt, sich den Headliner-Slot der Never Say Die-Tour verdient. Aber die fünf Jungs aus Japan rasierten so gnadenlos alles nieder, dass man der Band definitiv einen Spot etwas später im Line-up wünschte! Wir haben übrigens drei der äusserst sympathischen Bandmitglieder zum Interview getroffen. Das wird nächstens veröffentlicht.

Crystal Lake

Die Aargauer von Hellvetica durften heuer das wohl beste Sommerprogramm absolvieren, das sich eine Schweizer Band aus der härteren Ecke wünschen kann: Greenfield Festival und Gränichen! Gerade das letztere bucht jährlich zahlreiche Schweizer Bands und trägt somit viel zu einer lebendigen Schweizer Szene bei. Dass es beim Booking ein gutes Händchen hat, bewies die erneut fast immer gut gefüllte Sounderia.

Für Knöppel wäre diese wohl etwas zu klein gewesen. Die dreiköpfige Punkformation brauchte zwar den Platz auf der grossen Bühne nicht, das Publikum aber sehr wohl denjenigen davor. Die Ostschweizer um Jack Stoiker (siehe oben) hielten, was sie versprachen: Viel Unterhaltung, eher wenig Musikalität, dafür umso mehr Mitgröhlen!

Pünktlich um halb sechs wanderten die Berner Chelsea Deadbeat Combo auf die Bühne. Ihre Show bot Partylaune pur und das Zelt war rappelvoll. Genau so, wie es sein soll. Dass die Herren neben der Bühne mindestens genauso charmant sind wie auf der Bühne, kann man übrigens in ihrem Partnerinterview, welches sie zusammen mit Invoker  absolvierten, sehen.

Noch politischer als bei Chelsea Deadbeat Combo wurde es bei den Deutschen von ZSK. Beinahe mehr Politik als Musik? Darf zwischendurch auch mal sein, wenn es gegen Fremdenhass und gesellschaftliche Ungerechtigkeit geht.

Überyou übernahmen anschliessend das Zepter. Anfänglich waren nicht gerade zahlreiche Zuschauer vor der Bühne anzutreffen, jedoch änderte sich dies rasant nach den ersten Tönen. Das Publikum wurde durch die pulsierende Darbietung angezogen wie die Motten vom Licht und man merkte kurz darauf, wie die Menge sich nach vorne zur Bühne drängte. Sie spielten laut, schnell und hatten eine Menge Spass. Es gab kaum Pausen zwischen den Songs. Diese Jungs sind so hochkarätig, spielen sauber und sind Experten darin, sich mit dem Publikum zu verbinden.

Ohne Verschnaufpause ging’s gleich weiter mit Caliban, die ein meisterhaftes modernes Metal-Angebot zusammengestellt hatten. Mit treibenden Drumlines und einer Mischung aus cleanen und geschrieenen Vocals verkörpert Caliban so ziemlich alles Typische im modernen Metal-Genre.

“Chömid, chömid, chömid!” Vale Tudo beehrten wieder einmal die Zeltbühne des OAG und wie immer, wenn sie das tun, ist das Programm gesetzt: Abriss, Abriss, Abriss!

Nach der geballten Ladung Hardcore auf der Sounderia-Stage war Party-Musik auf der Mainstage angesagt. Die Herren von Skindred betraten die Bühne. Nebst dem Gitarristen, dessen Aussehen an ZZ Top erinnert, gibt es den Vocalisten, der auch gut in eine Reggae-Formation passen würde. Musikalisch bewegt sich die Band zwischen Reggae und Metal, eine auf den ersten Blick etwas komische Mischung. Diese ist aber ausserordentlich kraftvoll und riss die Crowd mit!

Skindred

Als unser Andi bei Unhold vor der Bühne stand, fragte er sich, weshalb er die Band zuvor noch nie wahrgenommen hatte. Deren Mischung aus Progressive Metal, Stoner, Hardcore und noch ganz viel anderer guter Musik war nämlich wirklich gut. Und die Band kommt aus Bern! Vielleicht liegt es daran, dass die Gruppe schon länger besteht als unser Andi…

Zum Abschluss wurde es noch einmal kompromisslos schnell und hart. Thy Art Is Murder waren ein würdiger Abschluss dieser zwei wundervollen Tage in Gränichen! Weniger würdig waren hingegen die bierwerfenden Personen, die innert kürzester Zeit zweimal die Musiker der Band ins Visier nahmen (und im einen Fall auch tatsächlich trafen). Schon nachmittags hatte ein Bierbecher die Fackel in der Hand von ZSK-Frontmann Joshi nur knapp verpasst. Solche Aktionen sind einfach nur dumm und respektlos.

Zum Schluss bleibt uns aber trotzdem nur noch eines zu sagen: Vielen Dank Open Air Gränichen für eine weitere Ausgabe eines nahezu perfekten Festivals!