09.08.2019 – Heitere Openair Zofingen: Tag 1

Der erste Tag am Heitere Openair in Zofingen hielt nicht, was er versprach.  Die Euphorie blieb eher auf dem Zeltplatz stecken als vor den beiden Bühnen auf dem Konzertgelände. Trotzdem bot der Auftakt einige Überraschungen.

Der deutsche Pop-Sänger Max Giesinger überzeugte kaum mit seiner äusserst abwechslungslosen Musik, dafür mit seinem Auftreten. Da stand ein Profi auf der Bühne, der auch eine gute Band hinter sich wusste. Zusammen mit dieser schaffte er es sogar, Rammsteins „Sonne“ zu performen, Giesinger zeigte sich dabei aber selbstironisch: „Ich mach nicht umsonst Schmusepop.“ Selbstironie und Metal auf dem Heitere, wenn auch nur für eine Minute.

Nicht wirklich abwechslungsreicher wurde es bei Lewis Capaldi, es fehlte jetzt aber auch die bei Giesinger so überzeugende Publikumsinteraktion. An diesem Abend wurde deswegen nicht ganz ersichtlich, weshalb sich Capaldi aktuell im steilen Aufstieg befindet.

Das Highlight des Abends, überraschenderweise, folgte im Anschluss und direkt vor dem Headliner auf der Lindenbühne: Lo & Leduc. Die Berner Jungs spielten eine mehr als souveräne Show. Das Publikum war begeistert und sang und tanzte mit. Der traditionelle Freestyle-Rap von Lo liess ebenfalls nicht zu wünschen übrig, Leducs Part dabei schon (der bloss darin bestand, das Publikum nach Begriffen zu fragen): Er hat beinahe alle Wörter wieder vergessen. Selber hat Leduc nicht improvisiert. Warum wohl?

Eine Enttäuschung dagegen kam im Anschluss. Die gute Stimmung von Lo & Leduc war rasch verflogen. Mando Diao als Ersatz für Feine Sahne Fischfilet. An sich ein fast würdiger Ersatz, erschien mir. Nicht gerade rock-punkig wie die Jungs aus Mecklenburg-Vorpommern, dennoch eine internationale Rockgrösse. Doch entweder war das Heitere nicht bereit für Mando Diao oder Mando Diao nicht bereit für das Heitere-Publikum.  Alle fünf Musiker, vor allem Frontmann Björn Dixgård, versuchten unermüdlich das Publikum zu animieren. „Are you sleeping, Switzerland?“ so Dixgård. Das Publikum tobte, so erschien es mir, jedenfalls das Bisschen was da war. Doch es war scheinbar nicht das, was Mando Diao gewohnt ist. Sichtlich genervt stosste Björn Dixård den Mikrophonständer mehrmals wütend zu Boden. Zweifelsohne waren sie der Aufgabe als Ersatz von Feine Sahne Fischfilet nicht gewachsen. Schade.

Der letzte Auftritt auf der Lindenbühne bekam Cro. Sein Auftritt war okay. Das eher jüngere Publikum direkt vor der Bühne bekam das volle Programm: All seine Radiohits zum Mitsingen und das beste aus „tru“, seinem neuen Album.

Trotz den nicht erfüllten Erwartungen sind die Besucher*innen gut gelaunt und festen bis in die frühen Morgenstunden weiter, ob beim Headliner auf der kleinen Bühne, Lost Frequencies, auf dem Zeltplatz oder in der 24h-Bar. Wir freuen uns auf die nächsten zwei Festivaltage!