11.08.2019 – Heitere Openair Zofingen: Tag 3 & Fazit

Wie gewohnt stand der dritte Tag des Heitere Openairs im Zeichen der Schweizer Musik und auch 2019 wurde der letzte Festivaltag seinem Ruf als “Familiensonntag” gerecht, was dann und wann zu lustigen Begegnungen zwischen Kindern und noch vom Vorabend betrunkenen Festivalgängern führte. Viele der letzteren Kategorie jedoch wagten den Gang ins Konzertgelände gar nicht mehr erst sondern packten ihre Sachen schon vor dem Mittag zusammen.

Auch bereits vor dem Mittag wieder zusammenpacken konnten die Oltner von Memory of an Elephant, die bereits um 11:15 auftraten und mit ihrem Folk-Pop einen passenden Start in den Tag boten. Bei Marc Sway wurde es anschliessend (ja, es war erst 12:10!) etwas wilder und südländischer, der Brasilianisch-Schweizer brachte das Publikum zum Tanzen. Das war aber noch nichts verglichen mit Kunz, der ein Heimspiel feiern konnte. Die Anreise ins aargauische Zofingen bedeutete für den Mauenseer (LU) einen Katzensprung, so auch für ganz viele seiner Fans. Für ein Wochenende scheint der Zofinger Hausberg jeweils fest in Luzerner Hand zu sein. Oder zumindest war er es für die Stunde mit Kunz. “Höt esch de Tag vo de Tag” (sic!) meinte er und zeigte sich ansonsten im Umgang mit dem Publikum und auch musikalisch stilsicher, wobei das Cover von Blurs “Song 2” irgendwie doch etwas unpassend war. Sowieso stellte sich an diesem Tag, auch bei der Walliserin Stefanie Heinzmann, immer mal wieder die Frage, wieso so viel gecovert wird. Eine Bezugnahme auf Vorbilder oder eigenständige Interpretationen können ja ganz gut wirken, aber ein plumpes Nachspielen – oder gar Abspielenlassen –  irgendeines unpassenden Songs… nein Danke.

Drei ausländische Bands schafften es am Sonntag doch noch nach Zofingen (an dieser Stelle ein Lob an das Heitere für die zahlreichen Schweizer Buchungen über alle Festivaltage): Die Österreicher Seiler und Speer boten eine etwas befremdlich wirkende Mischung (Wikipedia bezeichnet es als “Austropop”, das könnte ganz gut passen). Die Band war vor fünf Jahren bloss als Spassprojekt eines Komikers und eines Filmemachers entstanden. Wer sich jetzt fragt, wie das tönt: Dieses hier hast du bestimmt schon mal gehört. Am 23. November 2019 stehen sie übrigens anlässlich des Heitere Indoor schon wieder in Zofingen auf der Bühne. Die beiden letzten auftretenden Bands hatten dann etwas Pech: Gewitterwolken zogen auf, es wurde ungemütlich auf dem Heitere, so dass bei The Strumbellas aus Kanada viele schon den Weg nach Hause anstatt vor die Parkbühne antraten. Undankbar. Den würdigen Abschluss des diesjährigen Heitere Openairs machten Die Fantastischen Vier, die gerade “30 Jahre live” feiern.

30-jährig wird nächstes Jahr auch das Heitere und die Vorfreude auf die nächste Ausgabe ist bereits gross. Trotz einem nicht über alle Zweifel erhabenen Booking – man denke an Headliner wie Queens of the Stone Age (2014) oder Billy Talent (2010) zurück – auch 2019 hat das Heitere Openair ganz viel Spass gemacht. Sei’s vor der Linden- und der Parkbühne (wo es nie unangenehm eng wird, weil das Openair bewusst etwas weniger Billets verkauft als möglich wäre), auf dem nicht überregulierten Zeltplatz (an welchem Openair dieser Grösse findet man das sonst noch?), im Vorprogramm von Dienstag bis Donnerstag (Rock Night, Magic Night und Volksschlager Openair) oder in einer der zahlreichen Bars (wie es sich anfühlt, zwölf Stunden lang Mojitos an der Heitere-Beach Bar auszuschenken, erfährt ihr übrigens hier)…die Republik Heitere ist wunderschön!