Sziget Festival 2019 – Fazit

Wie ihr sicher mitbekommen habt, waren Adrian und Angie für rawk.ch am Sziget Festival in Budapest. Mittlerweile ist das Festival durch und da wir etwas an After-Festival-Blues leiden, hier noch unser persönlicher Fazitbeitrag, um die Eindrücke der letzten Tage zusammenzufassen.

Stimmung
Was als erstes auffällt: Das Publikum ist sehr international. Etwa 50% der Besucher sind aus Ungarn, der Rest aus 100 anderen Ländern. Die meisten aus England, Deutschland oder Frankreich, aber laut der Pressekonferenz gibt es auch 2500 Tausend israelische Besucher, was uns etwas erstaut hat. Der grosse Unterschied zwischen den ungarischen und den ausländischen Besuchern ist, dass die ungarischen Festivalbesucher meist nur einen Tag bleiben. Dies liegt sicherlich an den Ticketpreisen, welche für die Menschen aus Ungarn schon eher teuer sind.
Durch die Durchmischung von verschiedenen Kulturen fanden wir, dass die Leute sehr offen sind, man kommt schnell mit anderen ins Gespräch und lernt so neue Menschen kennen. Auch ist die Stimmung unserer Meinung nach sehr friedlich, man schaut zueinander und auch alleine unterwegs sein ist kein Problem. Man fühlt sich wie in einer eigenen kleinen Welt, dies schafft ein Gemeinschaftsgefühl und schlussendlich sind doch alle aus dem gleichen Grund am Festival. Alles in allem sehr angenehm! Toll ist auch, dass es nicht nur Musik gibt an diesem Festival. Es gibt Zirkusaufführungen, Bastelstände, Kunstausstellungen und Workshops ohne Ende. Man hat also immer irgendwie etwas zu tun und die Unterhaltung geht nie aus.

Organisation
Wir waren sehr erstaut, wie gut organisiert das Festival ist. Bemerkbar macht sich dies vor allem an der Sauberkeit, welche für ein Festival dieser Grösse nicht selbstverständlich ist. Die WCs waren immer benutzbar (klar, kein 4-Sterne-Standard, aber voll okay) und sie wurden mehrmals pro Tag gereinigt. Auch liegt sehr wenig Abfall herum, dies liegt sicher daran, dass das Festival grossen Wert auf Recycling legt und sie z.B kein Plastikgeschirr und keine Strohhalme herausgeben. 60 Tausend Euro wurden dieses Jahr ausgegeben, um das Festival so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Auch sind ständig Putztruppen unterwegs, so dass man schon fast suchen muss, um irgendwo Müll am Boden zu finden. Auch ist alles toll beschildert und die App hilft einem sehr, sich zurechtzufinden. Bezahlen kann man cashless, entweder wie man es hier kennt mit dem Bändel, oder aber auch mit seiner contactless-Karte. Den Bändel konnte man auch via App und Kreditkarte aufladen, so musste man nirgends lang anstehen und falls man am Schluss noch etwas übrig hat, wird einem das einfach zurückgebucht. Als am letzten Tag Gewitterwarnung herrschte, wurde über alle Lautsprecher informiert und man hatte das Gefühl, dass auch ein grösseres Gewitter gut gelöst worden wäre.

Verpflegung
Bei einem Gelände dieser Grösse gibt es natürlich an jeder Ecke wieder Essensstände. Das Angebot reicht von klassisch ungarischem Langosch über Sweet Potato Fries bis zum veganen Foodcorner. Das meiste, was wir gegessen haben war sehr lecker, und durch die riesen Auswahl wird es einem in dieser Woche auch kulinarisch nicht langweilig.

Preis
Wer erwartet, dass das Festival viel billiger ist als in der Schweiz, täuscht sich. Klar, der Ticketpreis für sieben Tage Festival ist eher günstig, jedoch muss man die Anreise und eventuell eine Unterkunft auch noch dazurechnen. Auch bei der Verpflegung merkt man, dass es ein Festival internationaler Grösse ist, man gibt schnell einmal 10 Franken für eine Mahlzeit aus. Wer etwas sparen möchte, dem können wir den Aldi auf dem Gelände empfehlen oder man fährt ab und zu in die Stadt: dort ist es definitiv billiger als auf dem Gelände!

Line-up
Trotz immer steigender Künstlergagen schafft es das Sziget Festival immer, ein tolles Line-up auf die Beine zu stellen. Ein Blick auf das Poster reicht, und es findet bestimmt jeder eine handvoll Bands, die ihm zusagen. Falls einem die grossen Bands zu Mainstream oder zu poppig sind, gibt es jede Menge kleinere Bands zu entdecken und dies in verschiedensten Genres. Auch wenn man jetzt gar nichts findet, was einem zusagt, hat die Insel auch abseits der Bühnen so viel zu bieten, dass man sich eine Woche unterhalten kann.
Wieviel das Ganze kostet fragt ihr euch? 45% des gesamten 35 Millionen Euro-Budgets kostet das Programm, eine stolze Summe von knapp 16 Millionen Euro also. Was uns sehr erstaunt hat: Der letzte Festivaltag dieses Jahres (mit twenty one pilots, Foo Fighters, Catfish & the Bottlemen…) hat gleichviel gekostet wie das Programm der ganzen sieben Tage im letzen Jahr. Krass, oder?

Persönliches Fazit Adrian
Bereits zum dritten Mal nahm ich an diesem Festival teil und hatte erneut viel Spass, jedoch mit ein paar Unterschieden zum letzten Mal. So nahm ich mir vor, mehr Auftritte neben den Konzerten wie z.B. die koreanische Darkness Poomba Show anzusehen, was ein toller Ausgleich war. Zudem hatte ich in diesem Jahr eher weniger Stress, da ich viele Orte bereits vorher genügend ausgekundschaftet hatte. Dennoch gab es erneut Dinge, für die ich keine Zeit hatte, welche ich dann beim nächsten Mal nachholen möchte. Meiner Meinung nach ist das Sziget Festival eine tolle Mischung zwischen Ferienort und Festival, denn es gibt genügend Orte zum Abhängen bzw. Entspannen, aber auch ausreichend Programmpunkte für alle Feierwütigen. Ich bin gespannt, was ich beim nächsten Mal neu entdecken werde, hoffentlich wieder mit der Secret Party.
Meine Konzert-Highlights: Frank Carter and the Rattlesnakes, Subscribe, Jungle und Foo Fighters

Persönliches Fazit Angie
Für mich war es das erste Mal am Sziget Festival, sicherlich aber nicht das letzte. Einerseits hatten wir natürlich super Glück mit dem Wetter, aber man munkelt, das sei öfters so. Andererseits habe ich in den fünf Tagen so viele tolle Bands gesehen, unter anderem viele, die nicht in der Schweiz spielen. Auch habe ich viele neue Bands entdeckt. Es war schön, fünf Tage in einer völlig anderen Welt zu leben, auch wenn ich manchmal schon fast überfordert war mit dem ganzen Angebot. Für ein anderes Mal würde ich mir vornehmen, weniger von Ort zu Ort zu stressen und auch einmal eine Band zu verpassen, wenn ich dafür eine andere ganz geniessen kann. Klar, das Festival ist sehr kommerziell – aber ich glaube das gehört zu einem Festival dieser Grösse einfach etwas dazu.
Meine Konzert-Highlights: Roosevelt, Wild Front, Leoniden und Parcels.

War schön bei dir, Sziget Festival <3

Das Sziget-Redaktoren Team 2019