„Nüünmou Sex on the Beach“

Er ist herzlich, der Empfang, man kennt sich hinter der Bar. Es ist Samstagnachmittag, der zweite Festivaltag des Heitere Openairs hat soeben begonnen. Für einige der Crew hinter der Beach-Bar ist es aber bereits der fünfte Tag in Folge an der Front – die Festivitäten auf dem Heitereplatz ob Zofingen begannen schon dienstags mit der Rock Night, gefolgt von der Magic Night und dem Volksschlager Openair. Mit dem Musikstil verändert sich das Publikum, und damit auch die Trinkgewohnheiten. Jetzt ist das Publikum mehrheitlich jung und die Sonne brennt. Gefragt sind also nicht mehr Prosecco und Mineral, sondern Mojito und Sex on the Beach!

Das Bar-Team ist eingespielt, die meisten sind seit mehreren Jahren dabei und kennen sich. Dementsprechend gut läuft von Beginn weg alles, jede und jeder weiss, was er/sie zu tun hat, alle helfen einander. So wünscht man sich jeden Arbeitsort! Trotzdem kann es auch mal hektisch werden. Ist gerade Pause zwischen zwei Bands, wird die Bar schon mal überrannt und die Mitarbeitenden hinter der Bar überrennen sich auch beinahe, der Platz ist knapp. Plötzlich brauchen alle Mojitos, das dauert, und der Raum an den Mojito-Stationen ist beschränkt. Genau in diesen Situationen ist es eminent wichtig, dass alle miteinander, und nicht gegeneinander arbeiten. Ausserdem: Vorbereitung ist alles! In den ruhigeren Momenten ist deshalb nicht (nur) Erholung angesagt, sondern Aufräumen, Minzenblätter waschen, Getränke auffüllen.

Diese Aussicht auf die kleine Parkbühne bietet sich „Backstage“ der Bar. Zeit, Konzerte von hier zu geniessen bleibt aber kaum. Denn wenn hier gespielt wird, ist oben bei der Lindenbühne Pause und das Publikum hat Zeit, sich an der Beach-Bar zu verpflegen.

Es spielt gerade Patent Ochsner auf der Lindenbühne, das Publikum ist dort, an der Bar läuft nicht viel. Langsam werden die Beine etwas müde (obwohl sie die gute Musik eher weckt!). Der Tag ist aber schon lange, die Pausen kurz, man kann die anderen ja nicht im Stich lassen. Der Kopf aber muss immer bei der Sache sein. Wo ist der nächste Kunde? Hat sie da drüben schon bestellt? Die nächste Bestellung kommt: Drei Bier, zwei Panaché, vier Gin Tonic, einen Whisky Cola und fünf Shots. Es ist ja das eine, sich diese Bestellung zu merken. Das andere aber ist, den Preis auszurechnen und das Rückgeld richtig rauszugeben. Tönt vielleicht trivial, kann aber unter Stress plötzlich zur Herausforderung werden. Alkohol ist für die Helfer*innen deswegen nicht Tabu, aber unbedingt mit Mass zu konsumieren. Ein Mass, dass viele der Gäste weniger gut kennen, je betrunkener, desto vehementer werden die Forderungen nach mehr Alkohol im Drink. Deswegen soll es hier mal wieder schwarz auf weiss stehen: Der Schnaps ist in Kugeln portioniert, alle bekommen gleich viel; und wer nervt, wird wohl eher weniger als mehr bekommen. Glücklicherweise aber sind die Nervenden heute wenig zahlreich, im Gegenteil wird sogar rekordverdächtig viel Trinkgeld offeriert.

Die Bilanz eines einzigen Tages einer einzigen Bar an einem mittelgrossen Openair. Man rechne hoch…

Irgendwann hat die letzte Band ihre Sachen eingepackt, vor der Bar tummeln sich nur noch vereinzelte Personen, langsam beginnt das Aufräumen. Bis alles wieder blitzblank ist und so aussieht, wie am frühen Nachmittag, dauert es bis weit in die Nacht hinein. Und dann hat sich das Team auch noch ein Bier in Ruhe verdient. Aber allzu lange kann die After-Party nicht dauern. Denn morgen ist Sonntag, das Gelände öffnet schon vor dem Mittag und dann heisst es wieder Limetten schnetzeln, Pfefferminze waschen und Bier zapfen. Eine schöne Arbeit, so lange man auf eingespielte Abläufe zählen kann und freundliche Gäste bedienen darf!