14.08.2019 – So waren Walls of Jericho im Kiff in Aarau

Vom Sziget Festival zurück am Flughafen Basel angekommen. hiess es für mich am Mittwoch direkt weiter ins Kiff nach Aarau. Ein Grund für diesen Entscheid war neben dem Headliner auch die Tatsache, dass der nächste Tag bei uns ein «Fiertig» war. Ausser mir haben sich das anscheinend auch viele andere Hardcoreinteressenten gedacht, denn das Kiff war sehr gut besucht.

Als erstes startete die Band Higher Power, die vor Rund 80 Leuten die Bühne betrat. Da ich die Band noch nie gesehen habe, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Der Sound dieser Jungs war sehr eigen und nicht jedermanns Sache, konnte aber dennoch sehr überzeugen. Dafür sprachen Gründe, wie zum Beispiel die giftige, schrille und sehr verspielte Stimme von Sänger Jimmy.  Aber auch die rhytmischen Wechsel während einzelnen Songs waren sehr eindrucksvoll und führten zu viel Herumgewirbel.

Die entstandene Energie nahmen Get the Shot gleich mit und setzten noch einen drauf. Die Kanadier legten einige coole Breakdowns hin und in Kombination mit ihrem Frontsänger präsentierten sie eine tolle Show. Dieser zog muskelgepackt, oder man könnte sogar sagen grizzlyartig, über die ganze Stage und animierte die Besucher mit seiner direkten Art. Zum Schluss liess er sich es nicht nehmen, auf die Kiff Bar zu steigen und von dort aus zu performen. Ein Wunder, dass das Mic-Kabel so lang war.

Angeführt von melodiösen Hip Hop Beats ging es mit Insanity als Lokalmatadoren weiter. Das Publikum war anfangs noch verhalten, konnte jedoch, nachdem die Band eine Schippe nachlegte, immer mehr überzeugt werden und in die vorderen Reihen gezogen werden. Die Jungs aus dem Entlebuch bewiesen erneut, dass sie wissen, wie ein qualitativ hoher Hardcore Auftritt aussehen und klingen sollte. Das ganze Treiben wurde schlussendlich mit dem ewigen Klassiker «No Limit» parallel zum Singalong-Gebrüll der Crowd beendet. Nun kann man wirklich gespannt sein, wie die Band mit neuem Songmaterial bzw. der neuen Platte klingen wird. Diese wird noch in diesem Jahr, am 13. Dezember, erscheinen.

Und wenn schon von «klingen» die Rede ist, dies war sicherlich ein Problem an diesem Abend, aber nicht seitens der Bands. Der Sound war nämlich bei jedem Act nicht besonders gut abgemischt und viele Details der  Songs gingen im Lärm unter. Und das nicht zum ersten Mal!

Nach drei tollen Darbietungen war der Abend mit Walls of Jericho, als Speerspitze, beim finalen Höhenpunkt angelangt. Von null auf hundert, so schien es, änderte sich die Atmosphäre vom gemütlichen Zusammensein zur lauten Euphorie. Die Kanadier zeigten sehr routiniert ihr Können und waren einfach eine Wucht im musikalischen Sinne. Mit einem Grinsen nach jedem Song mischte Sängerin Candace Kucsulain die Crowd immer mehr auf und wusste ihre dunkle, hardcorelastige Stimme einzusetzen. Es folgte Gebrüll, Moshpits und viele Topsongs der Band, wobei «The American Dream» besonders gut ankam. Da freut man sich bereits auf das nächste Konzert dieser Crew.

Die Zeit verflog und ein genialer Konzertabend mit sehr talentierten Vorbands, sowie einem überragenden Hauptact, ging zu Ende.

Fazit: Tolle Bands, volles Haus und schlecht abgemischter Sound (vielleicht beim nächsten Mal)!

Titelbild: Daniel Spycher (Plekvetica)