Welt aus – Heitere an

Festivalzeit ist Auszeit. So auf jeden Fall am Heitere Openair 2019 in Zofingen. Rund 35’000 Festivalbegeisterte verbrachten am Wochenende vom 7. bis am 11. August einige Stunden oder Tage auf dem Heiteren-Platz. Die Festivalbesucher*innen fühlen sich wie zu Hause. So scheint es jedenfalls, denn Sofas, Tischgarnituren, Kühlschränke und viele weitere nützliche Haushaltgegenstände werden auf den Hügel geschleppt. Eine kreative und heimelige Zeltstadt entsteht. Dann wird gefeiert. Viele Besuchende gönnen sich an diesem Wochenende eine Pause vom Alltag. Zu Recht, finde ich. Aber – und jetzt kommt das grosse ABER – das bedeutet nicht, dass die Vernunft und der Kopf an diesem Wochenende ausgeschaltet werden sollen.

Konsumiert wird ohne Wenn und Aber. Überall wo ich hinblicke, sehe ich Helfende, die „Goodies“ verteilen, wie beispielsweise solche von Ovomaltine, Zweifel oder Coca Cola. Die Gratismuster erfüllen sicherlich ihren PR-Zweck und erfreuen die Konsumierenden für zwei Millisekunden, sind aber meines Erachtens eine grosse Ressourcenverschwendung, denn der beliebte OvoDrink ist in gut zwei Schlucken Geschichte und wird zu Müll, der dann oft auf dem Heiteren-Boden landete. Eine Kritik an das Heitere-Publikum, denn ausreichend Recycle-Stationen sind vorhanden. Ebenso bemüht sich das Organisationsteam des Festivals um genügend Abfallsäcke und Sauberkeit auf dem Zeltplatz (von den Toiletten mal abgesehen).

Das Bild, das sich mir am Sonntagabend bietet ist verstörend. Die meisten Festivalbesucher*innen sind bereits abgereist. Der Zeltplatz sieht aus, als ob die Leute ihn fluchtartig verlassen mussten. Unzählige und vollkommen intakte Pavillons, kaputte Campingstühle, und halbvolle Kühlboxen stehen herum. Sogar Zelte sind zu sehen, deren Eigentümer nicht einmal versucht haben, diese zusammenzupacken. Eine Schande, denn die meisten dieser Zelte sind in 10 Minuten gepackt und mit den regelmässigen Shuttle Bussen muss das Gepäck kaum 100 Meter zum Auto oder Zug getragen werden. Ich frage mich, warum die Heitere Organisation nicht mit Hilfsorganisationen wie „NO-TENT-WASTE“ (die nicht mehr gebrauchte Zelte und vieles mehr an Menschen in Not spenden) zusammenarbeitet? Das Openair Lumnezia 2019 oder das Gampel 2018 haben bereits mit „NO-TENT-WASTE“ zusammengearbeitet und das sehr erfolgreich. Wenn du dich noch mehr für dieses Sinnvolle Projekt interessierst, informiere dich unter vereinfair.ch.

Auf dem Konzertgelände sieht es nicht viel besser aus. Nach dem letzten Künstler am Freitagabend sieht das Gelände aus wie eine Müllhalde. Leere Plastikbecher, zerknitterte Zweifel-Chipstütli, Servietten und Einweggeschirr bedecken den Boden. Das stimmt mich nachdenklich. Zum einen ist es wohl schwieriger als gedacht den ganzen Abfall in die dafür vorgesehenen Abfalleimer zu werfen, zum anderen frage ich mich, ob es sinnvoll ist, nur Einweggeschirr zu verwenden. Denn eines steht fest: auf die Eigenverantwortung der Gäste kann nicht gezählt werden. Es gibt so einfache Möglichkeiten, die Abfallmenge zu verringern. Mehrweggeschirr oder ein Pfand/Depot auf jeden Becher und jede Flasche. Aber das ist am Heiteren 2019 nicht drin. Blöd für die Putzkräfte – noch blöder für die Umwelt.

Während ich hier durch ein Abfallmeer wate denke ich daran, dass zeitgleich eine Klimademonstration in Lausanne stattfindet. Ein Event, an dem sicher viele weitere Festivalbesucher*innen teilnehmen würden, wenn dieser in ihrer Region, oder zu einem anderen Zeitpunkt stattfände. Aber nicht heute, denn heute trinken wir lieber ein frisches Bier aus dem Einwegbecher und werfen ihn dann zwei Meter neben dem Abfall auf den Boden.

Hat dich mein Erfahrungsbericht ebenso Nachdenklich gestimmt? Dann empfehle ich dir meinen persönlichen Heiteren-Song 2019 anzuhören: