02.10.2019 – Wir waren bei Between the Buried and Me im Dynamo

Ich gebe es zu, Between the Buried and Me wollte ich schauen, um mich als Musiknerd zu profilieren. Die Band selber höre ich nicht gross, denn so ein «Chrüsimüsi» ist meist zu viel für mich und meine Stereoanlage. Trotzdem wusste ich schon früh, dass ich am 2. Oktober ins Dynamo will. Was ich nicht geahnt hatte ist, dass ich gleich die doppelte Ladung BTBAM erhalten würde. Zwei Sets, dafür keine Support Band, ist die Maxime von der amerikanischen Mathcore/Prog-Metalband auf dieser Europatour. Gewagt, in einer Zeit, in welcher man sich kaum mehr Zeit nimmt, ein ganzes Album am Stück durchzuhören. Zwei Stunden lang die wohl jazzigste und chaotischste Metalcore Band zu hören, das klingt nach einer Challenge und einem Höllenspass.

Der Saal im Dynamo eignet sich für einen solchen Event. Um halb acht war zwar noch nicht mal zu erkennen, dass im Obergeschoss bald ein Konzert stattfinden würde. Die gewohnten Menschenmassen, die sonst vor Shows an der Limmat sitzen, fehlten an diesem Abend. Das gleiche Bild war im Saal feststellbar und ich hoffte schon insgeheim auf eine Privatshow. Erstaunlich, wie sich in einer halben Stunde der Raum dann doch noch gut füllte. Platz hätte es zwar noch genug gehabt, doch es war gut, sich bei dieser musikalischen Sinnesüberlastung nicht noch mit einem Menschengedränge beschäftigen zu müssen.

Ziemlich pünktlich standen dann schon die Helden des Abends auf der Bühne und gaben ab der ersten Minute harten Metal mit Zirkushaften Interludes zum Besten. Man merkte, dass die Bandmitglieder das seit zwanzig Jahren machen. Das hat den Vorteil, dass sie enorm gut spielen und den Nachteil, dass sie sich schon zu fest an die Bühne gewöhnt haben. Wer schon zum x-ten Mal auf Europatour ist, bringt nicht mehr den gleichen Enthusiasmus mit, wie Bands, die zum ersten Mal touren. Die Bewegungen und alles andere schien schon gewohnt und eingespielt. Als nach zwanzig Minuten Song drei angekündigt wurde, einer vom allerersten Album, sprang die Stimmung dann doch massiv in die Höhe. Heftiger Grindcore mit Picscreams. Das war geil. Mit diesem Track hatten sie mich und den Rest des Publikums fest im Griff. Es herrschte eine geile Stimmung, auch wenn niemand wusste, wie man zu diesen Taktgruppen gescheit tanzen kann. Die meisten waren ja wohl auch mehrheitlich da, um sich von diesen abgefuckten musikalischen Fähigkeiten beeindrucken zu lassen. Diesbezüglich wurde wohl niemand enttäuscht.

30 Minuten nachdem die Band von der Bühne ging, standen – surprise, susprise – BTBAM wieder auf der Bühne. Es gab nochmal mehr als eine Stunde Prog-Metal vom feinsten. Nach 2.5 Stunden bin ich gegangen, ohne einen epileptischen Anfall von den abgedrehten Rhythmen zu erleiden. Es war geil. Eine Show, wie erwartet und doch ganz anders.