Sean Koch erzählt über seine Inspiration für seine Musik

Beim Hören ihrer Tracks empfinde ich jeweils sofort das gleiche Gefühl, welches ich normalerweise verspüre, wenn ich reise und wenn ich am Meer oder in der Natur bin und mich frei fühle. Es ist Musik, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert und den Wunsch weckt, einfach ins Auto zu steigen und loszufahren. Es geht aber nicht nur um Hippie-Dippie-Vibes und Sonnenschein. Ihre Texte und Sounds gehen auch viel tiefer. Sie beschreiben auch die dunklen Seiten des Lebens und lassen einen die Melancholie spüren, die mit ihnen einhergeht. Aber dennoch mit der positiven Wendung, dass die Zeiten zwar hart sein mögen, aber dass es immer ein Licht am Ende des Tunnels gibt.

Vor dem Konzert im Papiersaal in Zürich hatten wir die Gelegenheit, dem Südafrikaner Sean Koch persönlich ein paar Fragen zu seiner Musik, seiner Inspiration und dem, was ihn am glücklichsten macht, zu stellen.

Hi Sean, es freut uns, dass du dir vor der Show noch etwas Zeit für uns freigeschaufelt hast. Ist es eigentlich dein erstes Mal hier in der Schweiz?
Vielen Dank, dass du dir Zeit für mich nimmst. Wir waren tatsächlich schon einmal hier in der Schweiz. Wir sind vor ca. zwei Jahren in der Schweiz aufgetreten und haben zwei Shows in Luzern gespielt. Auf dieser Tour hatten wir auch bereits einen Zwischenstopp in Bern für eine weitere grossartige Show. Vor der Schweiz waren wir in Deutschland und zum ersten Mal in Grossbritannien. Nach der Schweiz geht es weiter nach Italien.

Vermisst du auf dieser Tour die Heimat sehr oder ist das schon fast ein neuer Lifestyle für dich?
Ich vermisse das Surfen sehr. Wenn ich Zuhause bin, surfe ich jeden Tag. Es ist etwas, das mich sehr inspiriert. Weil wir im Winter mehr Klubshows als Festivals spielen, wollen wir dann im Sommer nach Europa kommen, wenn es richtig heiss ist. Aber ich vermisse definitiv mein Zuhause. So schön es auch ist auf der Strasse zu leben, für uns ist es jedes Mal die gleiche Show resp. das gleiche Set, das wir spielen. Und auf der Strasse zu sein, bedeutet lange Autofahrten und lange Nächte. Aber wir tun, was uns Spass macht und verbreiten mit unserer Musik positive Botschaften. Also ist es eine Ehrensache.

Wie stehst du denn zu Schneesport?
Mein letztes Mal, als ich Snowboarden ging, war mit 16 Jahren während einer Familienreise in Frankreich. Ich möchte meinen Lebensmittelpunk aber neu ausrichten und wir überlegen, nach Innsbruck zu ziehen nächstes Jahr. Wir haben gerade das Album veröffentlicht und jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um diesen Gedanken näher zu verfolgen. In Innsbruck würden wir uns alle näher mit dem Schneesport beschäftigen, denn wir lieben die Berge.

Vielleicht können wir dann hier mehr Shows von euch sehen. Du hast davon gesprochen, Menschen mit eurer Songs zu inspirieren, was ist die Botschaft hinter eurer Musik?
Es ist lustig, denn viele Leute denken, dass unsere Botschaften spiritueller Art sind. Ich glaube, dass die Leute manchmal einen falschen Eindruck bekommen. Ich versuche nicht, Spiritualität zu verbreiten, ich versuche, positive Schwingungen zu erzeugen. Ich will sehen, wie die Leute vor Lebensfreude sprühen und glücklich sein können. Ich werde von vielen natürlichen Elementen inspiriert, denn ich bin am Strand und an der Sonne aufgewachsen, mit Freunden und Familie. Das sind die Dinge, die unsere Musik inspirieren. Und um mich lebendig zu fühlen, brauche ich die Natur und nicht unbedingt eine eng besiedelte Stadt. Also schreibe ich darüber, wie ich das Aufwachsen am Meer wahrgenommen habe. Die Botschaft dahinter ist nicht notwendigerweise Spiritualität (auch wenn sie etwas angehaucht wurde dadurch), sondern positive Vibes.

Deine Songs geben mir immer ein fancy Roadtrip-Feeling. Schreibst du die Songs selbst?
Ich schreibe die Songs, ja. Ich nehme es auch zuerst mit der Gitarre auf und dann mischen wir alles zusammen mit den Drums etc.

Wann bist du am meisten motiviert, Songs zu schreiben?
Ich weiss es nicht so genau, das ändert sich ständig. Als jemand aus meiner Familie einmal eine Menge Scheisse durchgemacht hatte und wir über Monate hinweg zuschauen mussten, wie die Person eine Veränderung durchmachte, da wusste ich, ich würde einen Song darüber schreiben. Manchmal aber ist es beim Surfen, dann fange ich an, laut zu singen. Manchmal muss ich dann rauspaddeln, direkt zu meinem Handy springen und den Song aufnehmen, damit ich nicht vergesse, was mir eben eingefallen ist. Ich weiss nicht, es ist seltsam, es ist so ein Trip.

Was war für dich die grösste Inspiration, diese Art von Musik zu spielen?
Einige meiner Lieder entstanden während der meist einsamen Arbeit auf Bohrinseln vor der Westküste Afrikas. In dieser Atmosphäre habe ich letztlich meinen Entschluss gefasst, mich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Ich erkannte, dass es meine Bestimmung ist und ich nahm mein Glück fortan selbst in die Hand. Glücklicherweise war ich noch jung und mir war klar, dass ich nicht auf diesen Planeten gesetzt wurde um auf einer Bohrinsel zu arbeiten. Ein Lied inspiriert durch diese Zeit auf der Insel, weit fort von meiner Familie und den Dingen die mir Spass machten ist “Supervisor”.

Gibt es noch etwas, das du deinen Fans da draussen mitteilen möchtest?
Ich möchte unseren Fans sagen, dass sie einfach nur leben sollen. Ein Gleichgewicht im Leben zu finden ist der Schlüssel dazu. Die Mühe lohnt sich, das zu machen was dir gefällt, und aus deiner Komfortzone auszusteigen und verschiedene Dinge auszuprobieren. Danach wirst du dich lebendig fühlen. Übe einfach weiter positive Gedanken. Es ist so einfach, seine Denkweise zu ändern. Meine Mutter sagte mir, als ich jung war, “Wenn man das Glücksgefühl nicht kennt, hat man nichts.” und das ist etwas, das ich nie vergessen habe. Es ist ein einfaches Konzept. Versuche, das Glücksgefühl zu finden. Was nützt es, ohne Freude zu leben?

Foto Credits: Nicole Rötheli