Album Review: Counterparts – Tragedy Will Find Us

“Tragedy Will Find Us” ist Counterparts wie wir sie kennen und lieben – nur eine Prise düsterer, durchdachter und, ja, besser.

Schon seit 2007 schlagen Counterparts aus Hamilton, Ontario gehörige Wellen in der Melodic Hardcore-Szene. Auf ihrem nunmehr vierten Album, das Ende Juli auf Pure Noise Records erschien, zeigen die fünf Jungs keine Anzeichen von Müdigkeit. Konsequenterweise schrauben und schleifen sie an ihrem Sound, wie sie es auf jedem neuen Album getan haben, ohne aber radikale neue Wege zu beschreiten.

Damit bleiben Counterparts nicht nur grösstenteils ihrem eigenen Sound treu, sondern dem modernen Melodic-Hardcore Genre generell. Schnelle HC-Strophen enden plötzlich in leicht vertrackten Breakdowns, weiter geht’s zur catchy Mitschrei-Passage, dazu noch eine Prise sphärische Gitarrenleads. Doch auch wenn die Grundzutaten dieselben sind, wird das Gericht von Counterparts so frisch zubereitet, dass man sich schon sehr bald gar keine Gedanken mehr darüber macht und im Album versinkt. Besonders Songs wie das bereits zuvor veröffentlichte “Collapse”, der Quasi-Title-Track “Tragedy” und der Rauswerfer Solace” zeigen, wie melancholische harte Musik klingen soll.

Textlich tischt uns Brendan Murphy auf “Tragedy Will Find Us” – wer hätte das gedacht – wiedermal keine Süssigkeiten auf. „I am a coward masked in courage / And just admitting this will not save me this time / So free me from my tired mind”, heisst es in “Stranger”, und solche Passagen voller Selbst-Erniedrigung finden sich auf dem gesamten Album. Ebenso geistert der Gedanke vom unausweichlichen Tod durch praktisch jeden der elf Lieder. Doch so wie auf dem Albumcover die Dunkelheit vom Licht durchbrochen wird, geht es auch in den Texten nicht darum, an den Tragödien des Lebens und des Todes zu zerbrechen. Es geht darum, vor der dunklen Wolke nicht die Augen zu verschliessen, sondern die Schönheit darin zu sehen oder vielleicht sogar ein bisschen Blau dazwischen zu entdecken. In “Drown” schreit Murphy “In my dreams we drown together / Everything goes black but I can see you just fine”, und im grossartigen Closer Solace stellt er sich allem Übel, das ihn finden wird: “Make sure that I still feel, I don’t care how much it hurts“. Was das pubertäre “Choke” („I hope you choke to death!“) auf dem Album verloren hat, bleibt umso fraglicher.

Auf “Tragedy Will Find Us” brechen Counterparts mit keinen Traditionen und liefern ein ziemlich typisches modernes Melodic Hardcore Album ab. Die fünf Jungs machen die Sache aber so gut, dass das Endprodukt sehr, sehr Laune macht und Counterparts‘ Status als eine der Speerspitzen ihres Genres zementiert.

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VÖ: 24.08.2015 / Pure Noise Records

Nicht verpassen: Counterparts, Senses Fail und Capsize spielen am 29. September im Werk 21 in Zürich!