Diese Alben haben unsere rawk-Herren 2019 abgeholt

Was war das für ein Jahr?! Wieder brachten uns so viele Bands ins Schwärmen und präsentierten, was sie in den Studios oder Proberäumen gebastelt haben. Willkommen zur Top 3 Hitparade unserer Herren. Du möchtest wissen, was unsere Ladies gefeiert haben? Hier findest du die Antwort darauf.

Adrian

Von Wegen Lisbeth – sweetlilly93@hotmail.com
Nachdem ich die Band im letzten Jahr für mich entdeckt hatte, konnte ich es kaum erwarten, bis die Berliner ihr neues Album rausbringen. Im Mai war es dann endlich soweit und die neue Von Wegen Lisbeth Platte lief bei mir wieder in Dauerschleife rauf und runter. Die Songs handeln dabei von aktuellen alltäglichen Situationen, die in humorvoller und teils ernster Art rübergebracht werden. Sei es Alexa-Probleme oder das Phänomen der “Netz-Rambos”, die im Schutz der Anonymität ihre Hemmungen fallen lassen, alle Texte sind toll in Form von tanzbaren Indie-Songs verpackt.

Insanity – Moneyfest
Erst am Freitag veröffentlicht und schon landet das neue Album “Moneyfest” auf meiner Top 3 Liste. Geht das überhaupt? Ja, mit Insanity geht das! Erneut kann sich der ganz eigene Hardcore-Sound der Entlebucher zeigen lassen und “überrascht” mit diversen kleinen Änderungen. So sind mehr Metal-Riffs zu hören und die Songs wirken noch detaillierter durchdacht. Dennoch bleiben Insanity ihrem Stil treu und liefern elf Knallersongs mit grossem Mitgrölpotential. Nun kann man ganz gespannt sein, wie die Songs live wirken werden. Erfahrungsgemäss noch fetziger!

Andi V.

Only Yours – Overrun
“Hilfe! Ich brauche neue Mukke!” schrieb ich im Februar dieses Jahres auf Facebook und Instagram. Mein Freund Jonas Bartholdi von Toxic FM’s Sendung “Call Me Indie Dad” erhörte mich und schob mir die Scheibe von Only Yours aus Toronto rüber. Diese kanadische Stadt scheint es mir angetan zu haben, war sie auch letztes Jahr schon durch Rob Moir in meiner Top 3 Liste vertreten. Von Anfang an war ich in die Post-Indie-Pop Platte “Overrun” von Lowell Sostomi, so “Only Yours” bürgerlicher Name, verliebt. Sanfte Synthie-Klänge mischen sich mit den eingängigen Melodien, die hängen bleiben. Da bleibt keine Fusssohle am Boden kleben.

Alex Lahey – The Best Of Luck Club
Auch hier gilt es wieder Danke zu sagen! Danke Marco von der Grabenhalle, als du auf dem Rückweg eines Konzertes im Planetspade diese australische Künstlerin vorgespielt hast. Alex Lahey ist 27 Jahre alt und spielt wunderbare Indie-Pop-Punk Songs. Die Texte handeln bspw. von Parties, für die man zu alt ist und gar nicht mehr eingeladen wird. Oder davon, sich über alltägliche, kleine Dinge zu freuen und nicht zu hart mit sich ins Gericht zu gehen. Eine perfekte Platte für Leute ab etwa 25 Jahren aufwärts, welche die Themen nur zu gut kennen.

Bear’s Den – So that you might hear me
Als nebenberuflicher DJ fängst du automatisch an, deinen musikalischen Horizont zu erweitern. Waren stets kleine DIY Punkrock Bands eher auf dem Plan, so durchsuche ich derzeit die Line-ups der Festivals, an denen ich war. Als ich den Namen Bear’s Den las, erinnerte ich mich an deren Auftritt am Openair St. Gallen 2017 auf der Sternenbühne, welcher mir Gänsehaut bescherte. Als ich mich in das neuste Werk “So that you might hear me” reinhörte, war es dann um mich geschehen.

Ebenfalls ein FETTES DANKE an die Alben von Katey Brooks – Revolute, Eamon McGrath – Guts, Pascow – Jade, Chelsea Deadbeat Combo – Perspectives, Abramowicz – The Modern Times, Shoreline – Eat My Soul, 8kids – Bluten, Überyou – Night Shifts,Mama Jefferson – JizzmagundThees Uhlmann – Junkies und Scientologen.

Andi W.

Es gibt diese Konzerte, an denen der Support den bleibenderen Eindruck hinterlässt als die Band, für die du eigentlich hingegangen bist. Gleich zwei davon verdanke ich Album-Highlights des Jahres 2019:

Unprocessed – Artificial Void
Ja, das war ein Wow-Moment damals am Konzert. Und es war ein erneuter Wow-Moment beim ersten Hören zu Hause. Diese Präzision (vor allem auch live!), diese Kombination aus knallhart und super-weich! Zugegeben, sie sind nicht die ersten, die dieses Rezept kochen, aber sie kochen verdammt gut.

Comrades For we are not yet, we are only becoming
Gerade jetzt an den dunklen und kalten Abenden schätzt man es besonders, wenn einem wenigstens die Musik ein bisschen Wärme geben kann. Comrades schaffen das. Das tönt jetzt vielleicht etwas gar kuschlig und weich. Ja, Comrades sind kuschlig und weich, aber nicht nur!

Extrafish Atlantis-Utopia-Fisch
Zum Schluss noch etwas Lokalpatriotismus: Extrafish aus Luzern (unter anderem) bieten äusserst abwechlungsreiche, tanzbare und unterhaltsame Musik. Sie genauer zu beschreiben ist etwas schwierig, die Band selber versuchte es mit “Balkan-Dada-Dub or Fake-Ethno”. Naja, du kannst dir jetzt den Kopf zerbrechen darüber was wohl hinter diesen Worten steckt, oder du klickst einfach auf das Video hier unten (das ja auch optisch sehr ansprechend ist, nicht wahr?):

Andy M.

Violet Cold – Kosmik
Wer kennt es nicht. Man hört ein Album und denkt nach dem ersten Durchgang “meh” und stellt es gleich wieder in die Ecke. Dann aus Neugier holt man es wieder hervor und hört es sich nochmals an und danach nochmals und nochmals. Plötzlich kann man nicht mehr genug davon kriegen. Genau so ging es mir mit “Kosmik” von Violet Cold. Ich habe dem armenischen Einmann-Projekt oft vorgeworfen, dass bei ihm Quantität über Qualität steht. Es erstaunte mich schon, dass quasi jedes Jahr ein Album veröffentlicht wurde und letztes Jahr gleich ein Tripple Album daherkommt, welches nach zwei Songs langweilig wird. Mit Kosmik wurde ich aber des Besseren belehrt. So wunderschön kann Ambient Black Metal sein!

Knocked Loose – A Different Shade Of Blue
Hart, härter, Knocked Loose! Mit ihrem ersten Album “Laugh Tracks” eroberten Knocked Loose jedes Hardcore Herz und begeisterten auch Leute über die Genre Grenzen hinaus. “A Different Shade Of Blue” macht nun da weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat. Knallhart und kompromisslos; misanthropisch und verzweifelt, brettern die 12 Songs aus dem Lautsprecher und begeistern auf voller Länge. Da die Songs auch live funktionieren, macht es ab Konserve genau so Spass! Oh Boy, das brettert!

Counterparts – Nothing Left To Love
Es ist ja nicht das erste Mal, dass es Counterparts bei mir in eine Top 3 Jahresliste schaffen. Das letzte Werk “You Are Not You Anymore” bezeichne ich ja gerne als das beste Hardcore Album aller Zeiten! Ja genau, fight me! Generell haben Counterparts noch nie was schlechtes veröffentlicht, was anhand der vielen Besetzungswechsel beinahe verwunderlich ist. Sie schaffen es immer wieder zu überzeugen. Für mich ist “Nothing Left To Love” auf Platz drei in der Liste der besten Counterparts Alben, dennoch ist diese Scheibe meiner Meinung nach um einiges besser als andere Alben, die 2019 erschienen sind!

Honorable mentions: Hope Drone – Voud Luster, Numenorian – Adore, Microwave- Death Is A Warm Blanket, Northlane – Alien, Codes In The Clouds – Selftitled, Varials – In Darkness, SSIO – Messios

Basil

WristMeetRazorMisery Never Forgets
Ach, diese Listen zum Jahresende, wie soll Mensch allem gerecht werden? Und wo überhaupt beginnen? Um dem auszuweichen: WristMeetRazor haben mit “Misery Never Forgets” wahrscheinlich das Album rausgebracht, das ich 2019 am meisten gehört habe. Ja, es ist grundsätzlich einfacher Metalcore aus dem Jahr 2003 mit Panic Chord-Gemoshe, aber was soll’s, oder?

NuvolascuraNuvolascura
Wahrscheinlich das am zweit meisten gehörte Album 2019 – und viel mehr, als zur Review vom Januar gibt es nicht hinzuzufügen. Ist halt Screamo. Ist halt gut. Ob es jetzt das beste Album des Jahres in dem Genre ist, sei dahingestellt, mit Shin Guard, Respire, Storm{o}, Portrayal Of Guilt, welche auch famoses Material auf den Markt gebracht haben, soll “Nuvolascura” stellvertretend für dieses Genre stehen.

The Callous DaoboysDie On Mars
Schon sind wir bei Nr. 3 und, ähm, ich glaube, die Daoboys müssen schon auch irgendwie auf dieser Liste sein. “Die On Mars” erinnert auf die bestmögliche Art an Bands wie The Chariot oder TDEP – ohne wie eine blosse Kopie zu klingen. Also Math, Mosh und Melodie (ja, sie bringen Klargesang in gut O M G). Ausserdem: Cowboys! Yeeehaaaww! (1, 2, 3, 4…)

Eric H.

Bitch Queens – City Of Class
„City Of Class“ lässt „L.O.V.E.“ wie ein Pop-Album aussehen. Weniger Turbonegro, mehr Hellacopters! Was hier geboten wird ist „Mitten-in-die-Fresse-Rock’n’Roll“ wie er sein sollte. Ohne jegliche Balladen. Die letzte Scheibe war schon verdammt geil, aber “City Of Class” ist eine Wucht und die Bitch Queens in Höchstform.

Pyre – Swamp With
Draussen brütende Hitze, drinnen eine (mir) unbekannte Band in einem übervollen Irish Pub. Pyre sind ein Trio aus Gainesville, Florida und eines meiner Highlights am diesjährigen Fest. Wenn man einer gescheiterten 90er Emocore Band Speed gäbe und sie darauf auf Municipal Waste machen würde, hätte man in etwa den Stil von Pyre auf „Swamp Witch“. Nächstes Jahr soll ihr erstes Full Length Album erscheinen.

Lagwagon – Railer
Lagwagon waren noch nie so nostalgisch wie auf „Railer“ und musikalisch noch selten so nahe an ihrer Vergangenheit als Section 8. Ehrlich gesagt fand ich die letzte Scheibe ziemlich öde, aber hier wird Altbekanntem neues Leben eingehaucht und das kann sich sehen bzw. hören lassen.

Eric L.

Dealer – Soul Burn (EP)
Richtig “hässiger” Core. Neu gegründet im Jahre 2019 mit Ex-Membern aus Bands wie Alpha Wolf, Northlane und Crown The Empire, bilden Dealer eine regelrechte Supertruppe. Ihre Debüt-EP lässt die Erwartungen für ihren ersten Longplayer in die Höhe schnellen!

NF – The Search
Yep, Hip Hop. Mit meiner Entdeckung von NF im früheren 2019 begann ich wieder etwas mehr Hip Hop zu hören. Als dann “The Search” von NF veröffentlicht wurde, hörte ich bestimmt einen Monat nichts anderes. Ein wirklich starkes Album mit einer starken Message!

Crystal Lake – Helix
“Es gibt immer Asiaten, welche besser sind als du.” Das trifft bei dieser japanischen Metalcore Band zu 100% zu. Eiskalt duschen sie, mit scheinbarer Leichtigkeit, die meisten europäischen und amerikanischen Metalcore Bands ab. “Helix” beschreibt eine erneute Stiländerung, welche sie dieses Mal mehr in Richtung des modernsten Metalcore bringt. Ein sackstarkes Album zum Durchhören!

Marc

The Appleseed Cast The Fleeting Light of Impermanence
Kraftvoll-melancholische Songs im Spannungsfeld zwischen Post-Rock, Indie und Emo, die sich Zeit lassen, ihre Ideen auszuspielen. Auch auf ihrem neusten Album rühren The Appleseed Cast genau meinen Lieblings-Cocktail an, von dem ich seit Jahren nicht genug kriege.

The Twilight Sad – It Won/t Be Like This All the Time
Erst als ich Anfangs Jahr in England war, setzte ich mich mit der Diskografie der Schotten auseinander. Die dunklen, Post-Punk-Shoegaze-Indie-Songs passten perfekt zum kalten Wetter und auch das neue Album ist voll davon. Catchy Hooks gibt’s obendrauf – Weinen in der Indie-Disco!

 (Sandy) Alex G – House of Sugar
Die in sich gekehrte Wärme eines Elliott Smith und die isolierte, elektronische Kälte vieler Radiohead-Werke finden im neuen Album von (Sandy) Alex G zusammen. Mit einem Bein in der Tradition, mit dem anderen neue Möglichkeiten andeutend – so macht mir Indie Folk Spass.

Honorable Mentions: Her Name is Calla – Animal Choir, Apparat – LP5, American Football – American Football (LP3), Big Thief – U.F.O.F./Two Hands, Danny Brown – uknowhatimsayin¿, DIIV – Deceiver, Freddie Gibbs & Madlib – Bandana, Thom Yorke – ANIMA, Tyler, the Creator – Igor, Sharon van Etten – Remind Me Tomorrow, Great Grandpa – Four of Arrows, Kai Whiston – No World As Good As Mine, Duster – Duster

Pesche

Lia Sells Fish – Lia Sells Fish
Die Bernerin Christine Hasler alias Lia Sells Fish liebt die Bühne. Mal solo, mal mit Band. Zusammen mit auserwählten Antihelden hat sie ein wundervolles Album aufgenommen und begeisterte mit ihrer unglaublichen Bühnenpräsenz unter anderem im Vorprogramm von Peter Doherty.

Mama Jefferson – Jizzmag
Ich kam fast nicht mehr aus dem Staunen raus, als ich die junge Zürcher Band Mama Jefferson live gehört habe. Abwechslungsreicher Rock, eine berührende, kraftvolle Stimme und instrumental auf höchstem Niveau. Diese Band muss man kennen und unterstützen!

Dirty Sound Magnet – Transgenic
Das Album “Western Lies” war mein Highlight im Jahr 2017. Dirty Sound Magnet aus Fribourg spielten in der Folge hunderte Konzerte im In- und Ausland und schafften es trotzdem nebenbei, ein Album herauszubringen, welches mindestens gleich gut, wenn nicht sogar besser ist. Wer auf Psychedelic Rock steht, wird auch ihr neues Album “Transgenic” lieben.

Simon

Cultdreams – Things That Hurt
Hoch und runter hab ich dieses Album gehört, seit ich diese Band beim Soundcheck am Arctangent Festival entdeckt habe. “Things That Hurt” ist wahnsinnig persönlich und direkt. Irgendwo zwischen Shoegaze und Punk verarbeitet das Duo Depressionen, Wut auf die Politik und love struggle. Es gibt kaum ein schöneres Album, um melancholisch Zug zu fahren und aus dem Fenster zu schauen. Lyrics und Musik sind einfach Spitze. Mit Abstand mein Album 2019!

Lysistrata – Breath In/Out
Mathrock, Post-Hardcore und Spoken Word, so würde ich meinen Genre-Geschmack 2019 beschreiben.  An Lysistrata gibt es hier daher kein Vorbeikommen. Die Franzosen haben einen ungeheuren Drive, ein ungebremstes Talent und eine unglaubliche Ausstrahlung. Nach den letzten zwei Releases “The Thread” und “Pale Blue Skin” knüpfen sie dieses Jahr mit “Breath In/Out” an. Ein Album, in dem ich mich richtig zu Hause fühle.

La Dispute – Panorama
Die Spoken Word und Post-Hardcore Ikonen haben nach fünf Jahren eine fulminante Rückkehr mit dem neuen Album “Panorama” hingelegt. Die Scheibe hat Stil. Nur schon das Cover find ich grossartig! Dazu gesellen sich Tracks, die mich wirklich hineinziehen. “Rhodonite And Grief” höre ich seit einem halben Jahr immer wieder in Dauerschleife.

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