29.11.2019 – Archive haben im X-Tra in Zürich abgeliefert!

Um ihr 25-jähriges Bestehen zu feiern, begaben sich Archive wieder auf grosse Tour. Da durfte, ganz zu unserer Begeisterung, auch ein Halt im X-Tra in Zürich nicht fehlen. Anfangs waren wir noch ein wenig überrascht, dass das ausverkaufte Konzert der Engländer bereits um 20:30 Uhr begann. Es stellte sich jedoch heraus, dass uns eine über zwei Stunden dauernde Show erwarten würde, die es in sich hatte.

Mit Songs wie «Fuck You» und «You Make me Feel» wurde der Abend eingeläutet. Gleich zu Beginn zogen sie die Menge in ihren Bann und die Aufmerksamkeit galt ab diesem Moment ausschliesslich der achtköpfigen Truppe auf der Bühne. Als wäre ein Schalter betätigt worden, der alle anderen Störfaktoren ausblendete, konnte man sich ganz auf die Musik fokussieren.

Anfangs haben wir noch gedacht, dass es ein wenig an Lautstärke fehlt. Es schien aber so, dass dies absichtlich gemacht wurde und ab «Bullets» kurbelten sie das Volumen angenehm herauf. Dabei kam eine typische Eigenschaft, welche diese Songs so besonders macht, besonders zur Geltung. Nämlich die Art, den Song mit vielen einzelnen Rhythmen aus Beats, Riffs, sowie Gesang zusammen zu flechten und einen starken Strom zu erzeugen. Dieser Effekt führte auch dazu, dass es nicht mehr möglich war, stillzustehen. Man musste sich einfach treiben lassen.

Gesanglich wechselte man sich jeweils immer wieder ab. Die Band bewies, dass es nicht zwingend schaden muss, den Leadgesang mal auszutauschen, ganz egal ob mit einer männlichen oder weiblichen Stimme. Jedoch war die unbeschreibliche Stimme von Pollard Berrier, der bei den älteren Klassikern den Lead übernahm, erneut ein Highlight für mich. Aber auch die einzelnen klassischen Parts, wobei der Chorgesang immer verwirrter wird und dann zum «Drop» resultiert, konnten mich erneut überzeugen.

Es folgten Stücke wie «Pulse», die richtig kräftig über die Boxen dröhnten und bei denen es auch nicht an Bass fehlte. Solche Songs pushten sie zudem noch durch die genial durchdachten Showeffekte. Diese umfassten vier kleine Quadrate mit herumschwirrenden Scheinwerfern und einzelnen Licht- bzw. Laserinstallationen im Hintergrund. Zudem rundeten sie das Ganze mit viel Rauch ab. Manchmal war das Licht so ausgerichtet, dass es so schien, als würde der wolkenartige Rauch durch eine riesige unsichtbare Wand getrennt, was einen überraschenden Effekt erzeugte. Aber auch einzelne ruhige «mit dem Feuerzeug in die Luft»-Momente kamen auf der Setlist nicht zu kurz. Bei Stellen wie diesen brauchte es nicht alle Mitglieder der Band und so verliessen einige die Bühne, um den anderen Musikern genügend Platz zu lassen.

Bei einem Archive Konzert dürfen aber auch Songs wie «Controlling Crowds» und «Lights» natürlich nicht fehlen. Bei erstem entschied man sich für eine kürzere Version, also ohne ruhige Intro-Rhythmen, was ich persönlich sehr schade fand. Dafür spielten sie «Lights» in voller Länge. Denn die Engländer sind auch bekannt dafür, solchen Songs immer genügend Raum zur Entfaltung zu geben. Dies macht sie offener und im Gesamtbild viel intensiver.

Als das Konzert mit der letzten Zugabe «Again» zum Ende kam, waren wir ganz verblüfft. Ganz durch den Sound gefesselt bemerkten wir nicht, wie schnell die Zeit verflog und dass diese Truppe da vorne nun über zwei Stunden eine bemerkenswerte Show abgeliefert hat. Auch «verschwendeten» sie nicht viel Zeit damit, um mit dem Publikum kommunikativ zu interagieren, sondern liessen die Musik für sich sprechen. Abschliessend kann ich sagen, dass ich es kaum erwarten kann, Archive wieder zu sehen.

Quelle Titelbild: stadtkonzerte.ch, Bernhard Michel