10.12.2019 – Stray from the Path und Friends im Dynamo

Besinnlich ist die Weihnachtszeit mit gefühlt 15 Weihnachtsmärkten in Zürich. Nach dem Stress, der von dieser «besinnlichen» Zeit ausgeht, freut man sich umso mehr, wenn man ins Dynamo kann um eine HC-Show par excellence schauen zu gehen. Stray From The Path kamen mit ihren Freunden von The Devil Wears Prada, Gideon und Loathe. Vier Bands an einem Dienstagabend. Ein anständiges Programm, was aber jedoch auch dazu führt, dass die erste Band Loathe schon um (ich schätze) ca. 19.15 anfing. Um diese Zeit waren weder Adrian noch ich schon anwesend. Auf den letzten Track der Liverpooler habe ich es dann auch noch geschafft. Wild und stürmisch, aber bis mein Bier aufgefüllt war, war die Bühne schon wieder leer.

Also warten und anstossen, denn endlich habe ich es wieder einmal geschafft, einen Redakteur aus unserem rawk-Team persönlich kennenzulernen. Adrian und ich diskutierten darüber, wie man eine HC-Show Review schreiben soll, denn grundsätzlich ist es ja immer das gleiche: Schnelle Musik, ein bisschen Violent Dancing, ein wenig Rumgeschubse und dazu Bier oder eben alkoholfrei, weil Straight Edge.

Der musikalische Act, der an diesem Abend rausstach, war Supportact Nr. 2: «Gideon». Ich hab mir die Band am Nachmittag kurz angehört und war sofort Feuer und Flamme. Mir gefiel nur schon der Soundcheck vom Bass. Der knurrige Sound hat wohl ein massiveres Klangspektrum als ein Düsenjet-Start. Nun ist mir klar, warum das Grundgerüst von Hardcore meist nur aus einem Bass und einem Schlagzeug besteht. Dazu die Gitarre, die kreativ wie Tom Morello wirklich raffinierten HC entstehen lässt. Ultimativ geiler Groove, und so steppte auch schon der eine oder andere Tanzbär im Dynamo. Nur das Stagediven funktionierte – obschon es mindestens einen Versuch gab – nicht. Mehr als nur ein wenig Stimmung geht wohl nur beim Hauptact, obwohl ja die meisten HC Fans sich gerne mit den unbekannten Bands profilieren, die sie hören.

Weniger unbekannt war «The Devil Wears Prada», die gleich im Anschluss spielten. Viel mitbekommen haben wir jedoch nicht. Wenn Bands nur ca. 30-40 Minuten Stagetime haben, verpasst man schnell mal eine Band, wenn man auf dmn Raucherbalkon rumhängt. Vielleicht täten es auch nur drei Bands, dafür mit 10-20 Minuten mehr Spielzeit. Der Metalcore der Jungs hat auch nicht so richtig in den HC-Punk der anderen Bands reingepasst. Die kleinen Feinheiten in der Genrewahl fallen aussenstehenden kaum auf, die schubladisierenden Genregeeks und ich als “Wannabe-Musikjournalist” legen da aber schon Wert drauf. Aber man kann sagen, die Show und Stimmung waren geil, auch wenn wir nur noch den letzten Tune gehört haben.

Ganz zum Schluss dann der Headliner Stray From The Path und das war mal richtig eine Party. Die New Yorker gehen ab und spielen fetten Sound, der meiner Meinung nach noch lauter – ja ihr habt richtig gehört «LAUTER» – sein könnte. HC ist nun mal einfach richtig geil, wenn es ziemlich «reinprätscht». Hier ziehen einem aber die Dezibel-Messgeräte vom Dynamo Soundmischpult wohl einen Strich durch die Rechnung. Richtig fett war es aber auch so im mässig lauten Dynamo. Das Publikum war von Anfang an dabei und was ich persönlich stark fand waren die politischen Statements. Bei amerikanischen Künstlern vermisse ich häufig persönliche Statements. Zu oft nehme ich die transatlantischen Künstler einfach als Entertainment Maschinen war. Das geht von mir aus im Pop, aber HC ist nun mal ein wütender und auch politischer Sound. Andrew von Stray spricht sich aber in wenigen Sätzen gegen Rassismus und anderen Bullshit aus. Dazu kündigte er an, dass die ganze Tour von einem Kameramann begleitet wird, aus wessen Material es dann ein künftiges Musikvideo gibt: «If you want to be in an music video, get the fuck up». Und das tat das Dynamo Publikum. Innerhalb von wenigen Sekunden stürzten sich unzählige Stagediver ins Publikummeer. Während zwei Tracks hatte man das Gefühl, einem Delphinschwarm zuzuschauen. Nur waren es halt keine süssen Delphine, die auf- und absprangen, sondern verschwitzte HC-Punks, die durch das Publikum schwammen.

Mit einer neuen HC-Entdeckung (Gideon), neuem Merch (endlich hab ich ein «Asi» HC-Pulli), fetten nlauen Flecken am rechten Oberschenkel und dem Gefühl, in der Weihnachtszeit angelangt zu sein,  ging ich zufrieden nach Hause. Eine energetische HC-Show befreit einem vom Stress der letzten Dezemberwochen. Vielen Dank dafür an die Bands.