16.01.2019 – So waren Anti-Flag im Dynamo in Zürich

Dynamo oh Dynamo, einmal mehr ging’s in die heiligen Hallen der Jugendkultur und Musikszene in Zürich. Am Donnerstag, 16. Januar spielten die amerikanischen Politpunk Legenden Anti-Flag zusammen mit den Deutschen ZSK und dem Homeless Gospel Choir. Veranstaltet wurder der Abend von Mainland Music. Vor dem Dynamo standen Punks in einer Schlange an (anständig, wie Punks halt sind), denn die Show war ausverkauft. Das führte noch zu einigen frustrierten Anfragen bei den Securities, ob es denn doch nicht noch ein paar Tickets habe. Punk sells, auch für den Ticketpreis von 45 Franken.

Aufgrund des grossen Publikumsaufmarschs verpasste ich den Homeless Gospel Choir, denn die Schlange war nicht nur beim Eingang, sondern auch an der Garderobe lang. War schade, denn der Oneman Singer/Songwriter Chor wäre durchaus interessant gewesen, musikalisch wie auch fashionmässig (Derek hat eine hervorragende, bunte Hemdenauswahl).

Dafür starteten ZSK gleich durch, als ich irgendwo in der Mitte des Saals ein Plätzchen gefunden hatte. «Bieraffiner Deutschpunk» ist nicht wirklich mein Lieblingsgenre (obwohl ich sowohl ein Bier- wie auch Punkliebhaber bin). Trotzdem machten ZSK Bock zum Mitspringen und Abgehen. Das ist halt so bei der Sauf-Party-Musik. Live ist es meistens schon einfach geil. Und bei linkem Partypunk hat man auch meistens einen selbstorganisierten Zirkustrupp im Publikum. Akrobatische Punks versuchten sich an die Licht-Traversen zu hängen (geschätzt 3.50m über dem Boden). Das gab zwei unterhaltsame Fehlsprünge (von den Schultern aus) und ein gelungener, dritter Versuch unter obligaten «alerta alerta Antifascista»-Chören.

ZSK (und wahrscheinlich auch der Homeless Gospel Choir) machen politisch schon in einfachen Statements klar, dass dies ein linkes Konzert ist, an dem alle willkommen sind und Nationalismus, Rassismus und Homophobie keinen Platz haben. Noch deutlicher wurde das, als Anti-Flag die Bühne betraten. Ein grosser Banner, auf dem ein schnösiger Trump abgelichtet war, zierte den Hintergrund. Dies ist auch das Cover vom neuen Anti-Flag Album «Vision 20/20». Dieses Album erschien am Folgetag des Konzertes. Einige Songs wurden schon an diesem Abend gespielt und so fühlte sich das Ganze schon ein wenig an wie eine Plattentaufe. Ganz geil ist wohl der neue Track «Hate Conqueres All», der mich ein wenig an Billy Talent erinnert. Starkes Riff, geiler Sound und dazu Anti-Flag.

Ich muss sagen, die Band hat sich gut gehalten und sich weiterentwickelt, ohne komplett neue musikalische Wege einzuschlagen. Anti-Flag sind Punks, sie sind politisch und sie sind authentisch. Das überzeugt mich an dieser Truppe, die seit 27 Jahren in praktisch der gleichen Formation unterwegs ist. Politisch seit eh und je und die Herren müssen sich nicht künstlich verjüngen und dem Szenenstyle entsprechen. So trat Justine Sane in einem schlichten, unifarbenen schwarzen Hemd auf. Berührt hat mich das Konzert ebenfalls, denn Anti-Flag ist ein Teil meiner Jugend. Wenn Klassiker wie «Die for the Government», «Smartes Bomb» und «1 Trillion Dollar» gespielt werden, dann gibt es bei mir kein Halten mehr. Vor allem bei «This ist he End» hat es mich dann nochmals richtig in den Pogopit reingezogen, der von Beginn bis Ende des Konzerts einfach ungebremst «on Fire» war.