15.02.2020 – Dropkick Murphys in der Festhalle Bern

Melodiöse Dudelsack-Klänge, harte Gitarrenriffs und rauhe Vocals: Das Rezept der Dropkick Murphys ist simpel, aber funktioniert live einwandfrei – dies haben sie einmal mehr am Samstagabend in der prall gefüllten Festhalle Bern Expo bewiesen. Übrigens war dies das erste Konzert der Murphys in der Hauptstadt.

Den durchaus langen Konzertabend hat Jesse Ahern eingeleitet, ein Singer/Songwriter, der sich selber als “Americana blue-collar blues troubadour” bezeichnet und mit seinem Set die eintrudelnden Konzertgäste begrüsste.

Ebenfalls auf der Bühne standen an diesem Abend Frank Turner & The Sleeping Souls. Turners Folksongs, wie etwa  “The Road” und “I Still Believe“, kamen beim Publikum sehr gut an. Leider hatte er an diesem Tag von einem Todesfall aus seinem Bekanntenkreis erfahren, weshalb er dieser Person einen sehr emotionalen Song widmete. Während er mit zitternder Stimme sang, gingen im Publikum die Feuerzeuge an und erleuchteten den Saal – ein sehr stimmungsvoller, melancholischer Moment. Anschliessend versuchte er, die Stimmung wieder ein wenig aufzulockern und gab deswegen seine Schweizerdeutsch-Künste zum Besten, indem er ein paar Strophen auf Mundart sang – was für viel Gelächter und aufmunternde Zurufe sorgte. Dass er mit seiner Band an diesem Tag trotzdem ein gelungenes Set ablieferte, war äusserst bewundernswert.

Dann, kurz vor 21.00 Uhr, erklangen sanfte irische Flötentöne und eine zarte Frauenstimme: Das Intro der Dropkick Murphys verriet, dass nun der Hauptact bereit war. Und los gings mit “The Boys Are Back”. Ohne viel Geschwafel rockten sich die Jungs aus Bosten mit Dudelsack-, Klavier- und ganz vielen Gitarrenklängen durch ihre breite Punk Rock & Roll Hitpalette. Ihre zwei neusten Songs, “Smash Shit Up” und “The Bonny” durften dabei nicht fehlen. Mir gefiel an diesem Abend besonders das Cover von “I Fought The Law“, einem Dead Kennedys Song. Zudem gab es nicht nur was auf die Ohren, sondern es wurde auch etwas für die Augen geboten. Denn auf das riesige Banner hinter der Band wurden Videoclips, sonstige Filmaufnahmen und Songtexte projiziert, die dem Set eine multimodale Ästhetik verliehen. Zusätzlich wurden hie und da Papierschlangen durch den Saal gefeuert, wovon sich eine sogar in einem Deckenventilator verhedderte und so die ganze Zeit über den Köpfen einiger Zuschauer kreiste.

Nach rund 90 Minuten baten die Murphys zum Schluss vom Set zahlreiche Leute aus dem Publikum zu sich auf die Bühne herauf, untermalt von den Lyrics “We will meet again, don’t know where, don’t know when. We all had a good time and we’re sad to see it end”. Eine Geste, welche die tiefe Verbundenheit der Band mit ihrem Publikum symbolisierte und zudem den gesamten Konzertabend treffend beschrieb. Denn eines steht fest: Wenn die Dropkick Murphys die Schweiz besuchen, sorgen sie für ausgelassene Stimmung im Publikum und liefern energiegeladene Sets mit hohem musikalischem Niveau. Deswegen sind die Murphys eine sehr empfehlenswerte Liveband…

Das Beitragsbild wurde uns freundlicherweise vom Fotografen Retus Rieben zur Verfügung gestellt. Merci!