EP Review: THORN. – Hypnothalk

Eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung ihrer letzten EP melden sich THORN. zurück. Mit neuem Enhanced Player namens “Hypnotalk” im Gepäck und neuem Sänger an der Front zeigen sie, wie man im Jahr 2020 eine Metalcore Scheibe schreibt.

Das Album startet mit einem absoluten Hit und möglicherweise sogar meinem neuen Lieblingssong von THORN.. “Reanimate” heisst das gute Stück und bringt neben einem überragenden Songwriting eine Hook, welche genau das ist, was eine Hook sein soll: Der Part eines Liedes, der mich immer und immer wieder dazu bringt, den Song erneut zu hören. Der Titel handelt davon, wie in Zeiten von Trauer und Verlassenwerden nur du selbst dich wieder auf den richtigen Pfad bringen kannst und wie es ist, wenn man schlussendlich endlich den richtigen Weg findet.

Track Nummer zwei auf “Hypnotalk” wurde uns bereits vor einigen Wochen mit einem stimmungsvollen Video vorgestellt. “Noctum” handelt von den verherenden Waldbränden, die durch menschliches Tun verursacht werden, sei es durch wirtschaftliche Brandrodung im Amazonas-Gebiet oder verursacht durch die Klimakrise wie in Kalifornien oder in Australien. Wer das Video gesehen hat, dem ist sicherlich aufgefallen, dass nun Silvan Dietrich die Stimmbänder für THORN. schwingen lässt. Er ist vielen bereits von seiner Zeit als Frontman der Metalcore Band Skyllas Revenge bekannt. Ob verzweifelt oder wütend, brüllt er sich durch die fünf Songs der EP und bringt die ernsten Themen genau auf den Punkt. Silvan, wir haben dich als Sänger vermisst. Schön bist du wieder da!

Beim nächsten Song “Alienate” möchte ich gerne hervorheben, wie gut THORN. wissen, Keys und Synthies einzusetzen. In keinem Song wirken diese fehl am Platz oder lieblos über die Riffs geklatscht, die gar keine weitere Begleitung nötig hätten. THORN. wissen genau, wann es Sinn macht die Synthies auch mal sein zu lassen – und während ihrer Live Shows dem Tastendrücker Julian Geisseler Zeit zu geben, ganz vorne an der Bühne allen zu zeigen, wie man richtig abgeht! Hier könnten sich auch grosse Bands gerne mal eine Scheibe davon abschneiden.

Mit “Soulsleep” folgt wohl mein zweiter Lieblingssong auf dem Album. Die Riffs bei diesem Song verleiten mich als Gitarrist dazu, dass ich diesen Song nac spielen will. Auch hier wieder ein Refrain, der einfach nur Spass macht und die Synthesizer sind ebenfalls wieder super eingesetzt.

Nicht unerwähnt bleiben sollte übrigens die Tatsache, das THORN. im heimeigenen Studio von Drummer Luca Gratwohl alles selber aufnehmen und produzieren und dass das sogar noch verdammt gut machen. Dabei schrauben sie auch gerne am Sound und hohlen sich hier ein grosses Plus bei mir ab. Die Gitarren klingen um einiges fetter als noch bei der Vorgänger-EP.

Mit dem letzten Track “Ascent” machen es THORN. mal etwas anders als viele andere Bands. Der Song gibt mir nicht das Gefühl, dass die Scheibe hier ihren Abschluss findet und schön förmlich abgerundet wird. Vielmehr ist “Ascent” der dritte Gang, welcher eingelegt wird, um ordentlich zu beschleunigen. THORN. sagen hier ganz klar: “Wir fangen gerade erst an, da kommt noch mehr!” Der Song ermutigt den Hörer, sich auf Freundschaften und gute Beziehungen zu konzentrieren, anstatt auf materielle Werte zu setzen. Ein Ziel, welches THORN. anscheinend gefundenen haben. Jedenfalls vermittelt mir die Scheibe diesen Eindruck.

Das einzige, was mich an Hypnotalk stört, ist die Länge. Es ist eine wunderbare EP, welche sich vor Genregrössen wie Northlane oder Invent, Animate nicht zu verstecken braucht, aber sie ist zu kurz. Für eine EP ist es absolut perfekt, aber ich hätte mir echt gerne einen Longplayer gewünscht. Ist aber ja auch Jammern auf hohem Niveau und eigentlich eher ein Kompliment…

Favorite Tracks: “Reanimte”, “Soulseep”

 

 

Thorn. – Hypnotalk
VÖ: 29.05.2020

Tracklist
1. Reanimate
2. Noctum
3. Alienate
4. Soulsleep
5. Ascent