Die Geschichte einer viel zu langen Bewerbung

Da dieser Text nicht die Erzählstruktur eines Quentin Tarantino Streifens hat, beginnen wir wie üblich ganz von vorne… Vor ca. drei Jahren machte ich an einem heiteren Konzertabend Bekanntschaft mit Vera, die zu diesem Zeitpunkt bereits für Rawk geschrieben hat. Voller Bier, wie es an einem Hardcore United Fest der Insanity Jungs üblich ist, aber auch voller Interesse fragte ich sie über dieses Webzine vollumfänglich aus. Je mehr ich darüber nachdachte, desto besser gefiel mir die Idee, auch dabei mitzumischen und so bewarb ich mich kurz darauf. Es folgten wie üblich Rückfragen zur Bewerbung und dann blieb das Ganze für eine Weile in diesem Status. Warum? Ganz einfach, ich habe nicht zurückgeschrieben. Die Situation ist auch heute nicht anders, aber ich hatte zu dieser Zeit viel los und kam nicht dazu. Rückblickend war dies natürlich eine faule Ausrede und die Idee verflog für eine Zeit bis zum nächsten «Kick». Nach einem weiteren Gespräch mit Vera, erneut am HCUF ein Jahr später, war es dann soweit und ich fing endlich an für rawk.ch zu schreiben.

Je mehr Konzertberichte ich machen durfte, desto detaillierter setzte ich mich mit der Musik und dem Schreiben auseinander. Dabei gefiel es mir auch immer mehr, den einzelnen Shows auf eine ganz andere Weise beizuwohnen. Manchmal ging es schneller und manchmal dauerte es länger die richtigen Worte für das Erlebte zu finden, doch ich verbesserte mich dabei immer mehr. Nach einiger Zeit folgte das erste Interview mit Anti Flag Sänger Justin Sane. Anfangs noch sehr aufgeregt, legte sich meine Nervosität, als wir ganz unkompliziert in einem Gang des Konzerthauses herumplauderten, gerade so, als ob wir uns schon lange kennen würden.

Nach unzähligen Geschichten werde ich aber bei folgenden drei Erlebnissen sicherlich noch lange in Erinnerungen schwelgen:

18.08.2019 – Interview mit Roger Miret: Als Agnostic Front nach Jahren wieder einmal den Sedel zum Beben brachten, packte ich die Chance und bekam die Zusage für die «Gesprächsstunde» mit Roger Miret. Dieser nahm meinen Fragensturm ganz gelassen hin und plauderte gemütlich über die Vergangenheit der Band und sich selbst.

29.11.2019 – Konzert von Archive im X-Tra: Es war meiner Meinung nach eines der besten Konzerte im Jahr 2019 und ich erinnere mich gerne an dieses Spektakel zurück. Wir realisierten erst beim dritten Bier, dass die Show bereits mehr als zwei Stunden dauerte und die Band uns immer mehr in ihren Bann zog.

7.-13.08.2019 – Sziget Festival: Über glückliche Fügungen erhielten wir die Bestätigung, über das Festival in Budapest berichten zu dürfen und so gingen wir zu zweit ab nach Ungarn. Während dieser Reise verflog die Zeit wie im Rausch. Am Vormittag hiess es jeweils, auf die erlebten Dinge des Vortages zurückzublicken. Nach getaner Arbeit ging es dann wieder los und wir schlenderten über die ganze Insel von Show zu Show. Meistens bis in die frühen Morgenstunden. Um ein wenig Abwechslung vom Journalisten-Container zu bekommen, ging es einmal in die Stadt ins Cat Coffee, das war grossartig. Zum krönenden Abschluss markierte das grossartige RATM Tribute-Konzert ein weiteres Highlight dieser fünf Tage.

Wie im ersten Teil vielleicht erkennbar, bedauere ich es sehr, mir so lange Zeit gelassen zu haben, um endlich bei Rawk mitzumachen. Trotzdem muss gesagt werden, dass ich meine Zeit bei Rawk unglaublich genossen habe. Und trotz dem Umstand, dass das Jahr 2020 eher ruhig war, gab es in diesem Jahr wenigstens zwei persönliche Konzerthighlights: Fomies im Sedel und die Show von Blind Butcher im Konzerthaus Schüür.

Nun bleibt mir zum Schluss nichts anderes als Danke zu sagen. Danke für ein so grossartiges Team, danke an Tina und ihr Engagement, danke an alle Leser*innen. Und zum Schluss danke für all die Erlebnisse und Erfahrungen, die ich im Namen dieses so grossartigen Webzines erleben durfte.

Quelle Titelbild: Angela Tschumi