Architects im Interview

Am Open Air Gränichen Ende August trafen wir die Jungs von Architects bei brütender Hitze zum Interview. Lest selbst, was sie über ihr neues Album, Support Bands oder veganes Essen zu erzählen haben.

Ihr solltet eigentlich am Greenfield Festival spielen, jedoch wurde der Gig abgesagt. Warum?
Es hatte persönliche Gründe und da möchten wir auch nicht mehr dazu sagen.

Euer letztes Album kam im Frühling 2014 raus. Wie sieht es mit neuem Material aus?
Wir werden bereits Ende Oktober wieder ins Studio gehen. Für das nächste Album arbeiten wir wieder in Göteborg, wo wir schon das letzte Album aufgenommen haben. Die Songs sind soweit fertig geschrieben und wir sind dem Zeitplan sogar etwas voraus.

Und was können wir erwarten?
Es wird das beste Metal-Album von 2016 werden! Wie viele gute Alben kamen 2015 eigentlich auf dem Markt, nicht viele, oder? The Art Is Murder vielleicht. Wie auch immer, weiter im Text.

Werdet ihr neue Songs live testen oder spielt ihr sie erst, wenn das Album auf dem Markt ist?
Wir warten da gerne, bis zum Album-Release. Wir mögen es nicht, rohe Versionen zu spielen, die dann auf dem Album schlussendlich doch ganz anders klingen. Manchmal hast du einen Song und du glaubst für Monate, dass er fertig ist. Und plötzlich findest du: Oh nein, eigentlich ist er furchtbar und du fängst wieder von vorne an.

Wenn ihr auf Tour geht sind ja meist Support-Bands dabei. Wie viel Einfluss habt ihr bei der Auswahl dieser Bands?
Wir wollen so viel Einfluss wie möglich nehmen, soweit es die Planung und die Verfügbarkeit der Bands zulässt natürlich. Es ist aber nicht immer einfach, genau die Bands zu haben, die man auch will. Aber wir geben diese Entscheidung nicht ab, wir wollen dann nicht tagtäglich etwas hören, das uns nicht gefällt. Wenn wir das jemand anderes machen lassen, bekommen wir vielleicht irgendeinen Scheiss vorgesetzt.

Wie sieht denn euer Auswahlverfahren aus?
Wir wählen sie, weil sie gut sind und vielleicht auch, weil wir befreundet sind. Mit gewissen Bands wie Northlane entsteht aber auch während der Tour eine gute Freundschaft.

Apropos Tour: Wie ist es so, als Veganer in fremdem Ländern und Kulturen essen zu müssen?
Ah, da haben wir eine grosse Spannweite von sehr gutem bis sehr schlechtem Essen. Als wir frisch vegan gelebt haben, waren wir in Südamerika auf Tour. Ich glaube, dort ist kaum jemand überhaupt Vegetarier und so mussten wir schlicht immer in einem Brasilianischen Steakhouse essen. Aber wenn du deine Prinzipien hast, dann gehst du auch keine Kompromisse ein und bleibst bei deiner veganen Ernährung, egal wo. Meist ist aber das Essen auf Tour kein Problem. Klar, für uns ist es sicherlich ein grösseres Thema als für Bands, die alles essen. Wir haben spezielle Restaurants, die wir lieben und da dann unbedingt hingehen möchten. Gerade auf das Essen in Nordamerika freuen wir uns jeweils sehr. Aber da alle von uns vegan sind, macht es das Ganze als Band auch einfacher.

Wenn ihr euch keine Gedanken über Kosten machen müsstet, wenn ihr ein Album oder ein Musik-Video produziert, was würdet dabei herauskommen?
Wir glauben es ist kontraproduktiv, wenn du bei Album-Aufnahmen ein unlimitiertes Budget hast. Wenn man Bands anschaut wie Guns’n’Roses, die unendlich viel Zeit investieren – wir könnten das gar nicht. Das Label würde das auch nicht akzeptieren. Und das beste Studio muss noch lange nicht das beste Album bedeuten. Viele Bands investieren Unmengen an Geld in die Produktion, aber eigentlich ist das heutzutage gar nicht mehr nötig. Die Studios sind zwar kleiner aber auf wenig Raum mit super Equipment ausgestattet. Wir finden es auch masslos, wenn man zu viel Zeit und Geld investiert. Den Hörer interessiert das schlussendlich auch nicht. Für ihn muss der Refrain gut sein, die Riffs müssen passen – das Gesamtpaket muss stimmen. Es ist ein gefährliches Spiel wenn man zu viel Geld hat für eine Produktion. Und Thema Musik-Videos… das ist schwierig. Unser Job ist es, gute Musik zu machen und nicht gute Musik-Videos, darum sind wir auch schrecklich unbegabt darin.

Findet ihr es denn wichtig, Musik-Videos zu haben?
Ja, definitiv. Sie können etwas Künstlerisches zur Musik beitragen und sind eine ästhetische Erweiterung der Band. Darum sind sie auch wichtig. Aber es ist so schwierig, sie auf den Punkt zu bringen. Wir haben schon ein Vermögen für Musikvideos ausgegeben, ohne dass sie jemals veröffentlicht wurden. Wir fanden sie schlicht schlecht.

Man hat hier halt nicht so viel Kontrolle. Es ist schon schwierig, bei der Produktion der Musik die volle Kontrolle zu behalten und nicht zu viel an jemand anderen abzugeben. Aber beim Video sagst du ja bloss: Versuch, meine Vision umzusetzen und wir sehen, was dabei herauskommt.

Nun eine ganz andere Frage: Ihr seid politisch sehr interessiert. Bei uns wird die aktuelle Situation mit Flüchtlingen heiss diskutiert. Was ist eure persönliche Meinung dazu?
Ich (Tom) habe heute Mittag schon mit meinem Bruder darüber gesprochen und wir haben uns gefragt, wie wohl die aktuelle Situation in der Schweiz so ausschaut. Wie viele ihr wohl aufnehmen werdet. Ich kann schwer beurteilen, was die wirtschaftliche Auswirkung für euch sein wird. Meine Meinung dazu ist nur, dass solange wir nach Nationalitäten und Grenzen den Wert eines Menschen beurteilen, kann es nicht gut gehen. Es kann niemand etwas dafür, wo er auf die Welt kommt. Es ist eine wirklich schwierige Situation und ich habe nicht die Qualifikation, hier darüber zu urteilen. Ich finde bloss die Haltung und Berichterstattung der Medien sehr schwierig, die ein solch negatives Bild über das Elend der Menschen auf der Flucht rüberbringen und dadurch viele beeinflussen. Der Krieg im mittleren Osten scheint unbeendbar zu sein und wir müssen den Konsequenzen ins Gesicht sehen. In England gibt es leider diese Verschwinde-wir-sind-voll-Haltung, obwohl das definitiv nicht der Fall ist.

Wie ist denn die Situation in England momentan?
Die Menschen versuchen natürlich, in unser Land zu kommen. Die Haltung der Engländer ist wirklich sehr negativ und verschlossen. Ist das hier auch so?

Es scheint ein schwieriges Thema zu sein, bei dem die Leute sofort sehr emotional werden. Aber die Grundhaltung der Schweizer ist durchaus positiv – aber sicherlich spielt hier auch die Angst vor dem Unbekannten immer eine Rolle.
Ja, die Menschen reagieren sehr emotional aber zeigen auch viel Empathie. Ich persönlich habe grosse Mühe mit der politischen Haltung, dieses Fressen und Gefressen werden, da komme ich nicht so klar. 

Ein ebenfalls schwieriges Thema ist Walfang. Ihr setzt euch für Sea Shepherd ein. Seid ihr selber schon auf einem Boot von ihnen gewesen?
Nein, bisher nicht. Zeitlich ist das relativ schwierig. Aber wer weiss, vielleicht ergibt sich diese Möglichkeit einmal.

Bald geschafft, hier kommt die letzte Frage: Was findet ihr an uns Schweizern lustig/komisch?
Oh diese Frage. Ist das nicht quasi der Grundstein zum Rassismus (lachen)? Wir kennen wohl zu wenig Schweizer, um das beantworten zu können. Aber jedes Mal wenn wir durch die Schweiz fahren, sind wir überwältigt, wie schön dieses Land ist und fragen uns, warum England nicht so schön sein kann.

Ach kommt, England ist doch auch wunderschön!
Hm, ja vielleicht habt ihr da Recht.

Wollt ihr noch etwas anfügen?
Ehm ja, sorry noch einmal, dass wir nicht am Greenfield Festival gespielt haben…

Architects live in der Schweiz:
05.02.2016 – Volkshaus Zürich – Support von Parkway Drive

Foto: Manuela Widmer, OA Gränichen