03.11.2015 – Ein Bär, eine Vampir-Lady und Gitterstäbe: Beartooth, PVRIS und Bring Me The Horizon im Z7

Ich habe mich schon eine Weile auf die ausverkaufte Show von Beartooth, PVRIS und Bring Me The Horizon gefreut. In meinen Augen ein richtig fettes Line-Up, bei dem man sich nicht erst mit schlechten Support-Bands die Hauptband des Abends verdienen muss. Ganz im Gegenteil, war ich doch mehr gespannt auf den Auftritt von PVRIS als BMTH, da ich diese junge Ami-Band zum ersten Mal zu Gesicht bekommen würde.

Die Fahrt ins Z7 nach Pratteln verlief reibungslos, ein passender Parkplatz gefunden und gleich darauf hiess es anstehen. Anstehen. Was ich nie so richtig verstehen werde, ist die Tatsache, dass man bei bereits lange im Voraus ausverkauften Shows den Einlass nicht flüssiger gestalten kann. Es ist November, es ist kalt draussen. 45 Minuten anstehen ist kein Spass. Kann man das nicht besser organisieren?

Wie dem auch sei, immerhin starteten Beartooth ihr Set erst um 20:00 Uhr, so dass man nicht die Hälfte verpasst hat. Die Burschen aus Ohio lieferten eine solide Show ab, der Sound kam mächtig aus der Anlage und die vorwiegend orangenen Amps gestalteten quasi das Bühnenbild. Sänger Caleb erinnerte mit ein paar Kilos extra auf den Hüften und seinem zotteligen Bart selber ein bisschen an einen Bären – aber ein wunderbar singender und screamender Tanzbär! Das bereits gut gefüllte Z7 zog mit der gutgelaunten Band mit und es wurde von Song zu Song wärmer in der Halle – und ich bekam Hunger.

Nach einer Portion Pommes war auch ich definitiv aufgewärmt und freute mich, als die Show von PVRIS endlich anfing. „White Noise“ gehört schon seit ein paar Monaten zu meinen favorisierten Jogging-Alben und so war ich sehr gespannt, wie sie den Sound live umsetzen würden. Was soll ich sagen, mal abgesehen von etwas zu viel Hall wurde ich nicht enttäuscht. Sängerin Lynn wirkte in ihrem schwarzen Rollkragen-Pulli und dem gewöhnungsbedürftigen Side-Cut wie eine grazile Vampir-Lady. Eine sehr sympathische Dame in Schwarz mit einer sensationell guten Stimme. Dass sie ab und zu sogar die Gitarre in die Hand nahm und nicht wie ein verwöhntes Pop-Girl daherkam, machte die Sache umso besser. Ich kann also weiterhin mit gutem Gefühl zu PVRIS meine Jogging-Runden drehen.

Nun warteten wir also auf Bring Me The Horizon. Die Umbauphase dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Die Gitterstäbe im Hintergrund der Bühne liessen Freiraum zur Interpretation. Ob wohl ein paar halbnackte Ladies dahinter tänzeln würden? Wohl kaum. Das Geheimnis wurde zum Glück beim ersten Song „Doomed“ auch subito gelüftet. Die Stäbli zauberten ein sehr interessantes Bühnenbild, das passend zu jeder Strophe in den schönsten Farben, Formen und Songzeilen aufleuchtete. Das Lichterspiel lenkte in der ersten Hälfte des Sets etwas von der fehlenden Überzeugungskraft von Sänger Oliver und den Playback-Einlagen ab. Irgendwie kam der tätowierte Brite nicht so richtig in Stimmung und bei seinen Screams wirkte er übermässig verhalten – sein Lieblingswort „fuck“ bekamen wir aber auch in Pratteln wieder unzählige Male zu hören. Egal, mit jedem Song schien die Band mehr Spass zu haben und das Publikum folgte Olivers Aufruf, mal eine Wall of Death zu bilden, ein paar Circlepits zu drehen oder nach einer Crowdsurfing-Einlage mit ihm abzuklatschen. Die Menge übernahm textsicher Strophen diverser BMTH-Hits und so beendeten die Briten nach einer guten Stunde mit „Drown“ einen gelungenen Konzertabend im schönen Z7. Ich war durchaus zufrieden und freute mich auf meinen gekühlten Schoggi-Drink, der im Auto auf mich wartete. Nur schade, dass man sich beim Verlassen der Halle durch eine einzige, kleine Ausgangstüre quetschen musste. Und für die Garderobe draussen anstehen bei 5 Grad ist uncool. Liebes Z7, zum Glück bist du so hübsch, sonst wären wir dir böse.