7.11.2015 – Ein Uhrwerk der Zerstörung: Breakdown Of Sanity im Kiff

Samstagabend im Kiff, es steht auf der Menükarte: Eine Extraportion Breakdowns, serviert von – Nomen est Omen – Breakdown Of Sanity und Vitja, die hier in Aarau das Ende ihrer Europatour feiern. Als Amuse Bouche gibt’s noch mehr Metalcore, einmal aus dem Bündnerland, Marke Avalanche Of Blood, und einmal aus Thun aus dem Hause Clawerfield.

Überpünktlich um Acht bringen uns Avalanche Of Blood den ersten Gang – zum letzen Mal mit ihrem derzeitigen Frontmann – die Breakdowns sind kräftig, die Soli zart und der sehr Metal-lastige Core ist auch optisch gut angerichtet. Einzig die cleanen Vocals sind mir ein wenig zu halbgar und auch die Absetzung von der Masse ähnlich ausgerichteter Bands gelingt bei aller spieltechnischen Rafinesse – zumindest auf der Bühne – nicht wirklich. Soundtechnisch hingegen gibt es nichts auszusetzen, ausser dass die eine Gitarre stellenweise etwas gar leise ist. Das Publikum ist aber trotz des herbstlich kalten Wetters schon genügend in Mitmachlaune und die ersten Pits bilden sich.

Als Spitzenköche würden sicher auch Clawerfield eine gute Figur machen, denn der Djent der vier Herren – der Bass kommt vom Band – ist mit beinahe alienhafter Präzision gespielt. Dazu werden Grimassen geschnitten, so dass man sich beinahe vollständig auf einem fremden Planeten fühlt. Hier stimmt dann auch der Cleangesang, der aber leider soundmässig ein wenig in Riffgewitter der beiden 8-Saiter untergeht. Wie auch immer, es gefällt mir und dem Rest der zahlreichen Anwesenden; dass Kiff ist bereits seit der ersten Band gut gefüllt und auch hier wird angemessen mitgenickt. Das Shirt des Drummers verspricht nicht zuviel: Got Djent? Yes, they do!

Wir nähern uns langsam dem Hauptgang, doch zuvor gibt’s noch eine kräftige Suppe von den einzigen „Auswärtigen“ des heutigen Abends: Vitja aus Deutschland. Auch sie ballern uns ein heftiges, aber extrem genaues Gebräu aus Metalcore und Djent in den Nacken und jetzt geht der Saal steil. Shouter David Beule peitscht die Meute zu immer mehr Bewegung an und mit seinen an die Gestik des Hip-Hop angelehnten Bewegungen und Aussagen gelingt das dem slenderhaften Bühnenderwisch ausgezeichnet, auch wenn er selber sich geziert enttäuscht gibt – O-Ton: „Aarau, seid Ihr taub, oder was?“. Leider verschwindet meine Brille im Verlauf des Sets in den Tiefen eines Pits und so ist mein optisches Miterleben des Konzerts etwas beinträchtigt. Nichtsdestotrotz ein Abriss, wie es sich gehört.

Wer glaubt, das sei nun nicht mehr zu toppen, hat sich aber getäuscht, denn die Schweizer Metalcore-Institution Breakdown Of Sanity stellt unter Beweis, weshalb sie es ans Wacken, ans With Full Force und ans Impericon Festival geschafft hat – und das alles ganz DIY ohne Plattenvertrag. Das Kiff wird auseinandergenommen aufs Übelste, bei diesen Breakdowns bleibt kein Stein auf dem andern und auch das Publikum lässt sich nicht lumpen; der ganze Saal verwandelt sich in eine bouncende Masse und so wähnt man sich innert kürzester Zeit nicht an einem Konzert, sondern in einer Sauna, die gerade im Epizentrum eines Erdbebens steht. Leider ist es mir aufgrund der nun verminderten Sehfähigkeit – die Brille taucht zwar wieder auf, jedoch nicht in einem gebrauchsfähigem Zustand –  nicht möglich, das Geschehen auf der Bühne genauer mit zu verfolgen, aber allem Anschein nach ist auch dort einiges los.
Nach zwei Zugaben und massenhaften Stagedives ist aber auch dieses Konzert zu Ende und wir treten sehr verschwitzt den Rückweg nach Zürich an, während das Aarauer Nachtleben die Umgebung übernimmt.

Übrigens: Die Jungs von Avalanche Of Blood suchen für ein neues Projekt einen Herrn oder eine Dame, die das Mikro bedient; hier findet ihr die Anzeige.