“Let the music do the talking tonight” | In Flames im Z7

Niemand mag leere Konzerthallen. Auch ich nicht. Aber ich finde auch ausverkaufte Konzerte nicht sonderlich reizvoll. Sie sind unweigerlich verknüpft mit langen Wartezeiten und wenig Platz. Dafür versprechen sie gute Stimmung. An einem Sonntagabend kann man sich dieser allerdings nicht so sicher sein. Tatsächlich schien dem Publikum am 15. November zu Beginn das vergangene Wochenende noch ein bisschen in den Knochen zu stecken. Aber wer In Flames kennt, der weiss, dass die Band eine Bühnenpräsenz an den Tag legen kann, die seinesgleichen sucht. So auch gestern: Bass und Schlagzeug (leider ist Schlagzeuger Daniel Svensson auf seiner letzten Tour mit In Flames) formten zusammen ein Gewitter, wie wir es angesichts der aktuellen Trockenheit auch gerne mal wieder in natürlicher Form erleben würden. Die Gitarren stimmten in dieses Gewitter mit ein oder übertönten es mit Soli. Und Anders Fridén wusste mit cleanem wie mit verzerrtem Gesang zu überzeugen. Spätestens bei “Only for the weak” war dem Publikum bewusst, dass nicht so sehr Sonntagabend, sondern viel mehr In Flames-Konzert war. Einzig die Mitsingfreudigkeit blieb tief – enttäuschend tief, auch wenn Melodic Death Metal nicht zu den karaoketauglichsten Stilrichtungen zählt. Das Konzert war nicht nur musikalisch eine Macht, auch optisch boten die Schweden einiges. Zwar fehlte für einmal ein wenig die Interaktion mit dem Publikum (s. nächster Abschnitt), doch sie wurde gar nicht mal vermisst, zumal alles andere stimmte. Bewegung auf der Bühne war genügend vorhanden – sowohl von den Bandmitgliedern als auch auf den LED-Wänden, die verschiedene Stimmungen zu erzeugen vermochten und es irgendwie schafften, trotzdem nicht übertrieben zu wirken.

Die Anschläge von Paris waren auch für In Flames ein grosses Thema. Das Konzert vom Samstagabend in Nancy hatten sie abgesagt. Und Sänger Anders Fridén drückte gestern seine grosse Trauer aus. Er suchte zunächst nach Worten, als er sie fand, berührten sie. Eine solche Stille in einem so grossen Konzertsaal habe ich selten erlebt. Doch er wolle nicht viel sprechen, meinte er, “let the music do the talking tonight”. Gesagt, getan. In Flames überzeugte auf ganzer Linie.