kála – Thesis

Der erste Eindruck zur neuesten EP „Thesis“ (VÖ: 13.11. via Uncle M) der Innsbrucker Band Kála lässt sich folgendermassen zusammenfassen: Auf den Spuren von Touché Amoré, La Dispute und Ähnlichen wird Melancholie zelebriert, die aber immer auch ein grosses Stück positiver Ausstrahlung verbreitet. Zwar wird das Rad hier nicht neu erfunden, aber insbesondere Fans oben genannter Bands sollten auf alle Fälle ein Ohr riskieren.

Die fünf Songs sind alle sehr straightforward, ohne jedoch an Melodie oder Facettenreichtum zu verlieren; besonders die übereinandergelegten, sphärischen Gitarren, wie zum Beispiel im Schlussteil von „Helena“, und das abwechslungsreiche Drumming tragen einerseits zu einem stimmigen, flüssigen Ablauf, andererseits aber auch zu genügend Wechseln und „Eintönigkeitsverhinderung“ bei.

Der Bass ist über die ganze EP prominent vertreten – auch dank der sehr klaren aber trotzdem nicht steril wirkenden Produktion -, und traut sich, auch einmal etwas anderes zu machen, als bloss den Gitarren zu folgen. Manchmal ist er sogar der Hauptträger eines Songteils – man höre den 3. Song „Tristesse“, in dem dann trotz der eigentlich spartanischen Instrumentierung mit den Vocals zusammen ein unglaublich stimmiges und intensives Bild kreirt wird.

Einzig ebendiese Stimme ist, was mich zumindest zu Beginn ein wenig irritiert hat. Zwar hat der Sänger schon irgendwie eine geile, sehr eigene Art zu screamen/singen/whatever, aber zum Teil kippts für mich dann von „sehr geil“ zu „jaaa, könnte man auch besser machen“. Vorallem beim ersten Hören kann dies wohl auch eher abschreckend wirken.
Auch die Lyrics sind bei den meisten Songs absolut stimmig und rufen – zumindest bei mir – echte Emotionen hervor. Zum Beispiel wenn in „Tristesse“ das Thema von „Let your inner demons starve to death“ aus dem ersten Song „Monologue“ (da gibts auch ein Video dazu) wieder aufgenommen wird aus der Gegenperspektive, doch manchmal gibt es auch – in Kombination mit einer ein bisschen seltsamen Aussprache und ein wenig (gewollt?) schrägem Vocalplacement – ein paar Zeilen, die sich nicht so flüssig in die Songs einfügen lassen wollen.

Was noch besonders zu erwähnen ist, sind die cleanen Vocals, die jeweils bei ihrem Auftauchen den Songs nochmals eine neue Tiefe geben. Verdammt geil und einprägsam kommt dies beim letzten Lied „Disconnected“ zur Geltung. Der ist sowieso mein Anspieltipp, auch wenn er zu Beginn ein wenig poppiger daherkommt als der Rest der EP. Ein Song, der eine solche Spannung aufbaut, die dann auf einer einfach, aber doch ohrwurmtauglichen Melodie basiert, ist einfach super! (Verdammt, der Refrain rotiert seit einer Woche in meinem Kopf…)

Auf alle Fälle: Alle Fans von atmosphärischem Postcore/Post-Rock müssen diese EP unbedingt auschecken und auch nicht Genrefans sollten mal bei „Disconnected“ reinhören. Wer weiss, vielleicht entdeckt dadurch jemand seine Liebe zu dieser Musik.

Und übrigens: Den Vorgänger „Antithesis“ findet man auf Bandcamp.

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Tracklist:

1. Monologue
2. Emil Sinclair
3. Tristesse
4. Helena
5. Disconnected