Montag? Freitag! – Wir waren am 7.12. bei Deez Nuts im Dynamo

Ob der Montag der beste Tag ist zum feiern, lässt sich bezweifeln. Ob das den Australiern Deez Nuts herzlich egal ist, lässt sich hingegen kaum in Frage stellen. Von dem her: Alles gegeben für ein gutes Konzert. Einziger Problempunkt aus meiner Sicht: Gleich vier Supportacts sind auf der Tour dabei. Kann das gut gehen? Mag Mensch das durchhalten? Nun ja, lest selbst, wie das am 7.12. im Dynamo ausging.

First Up: Louie Knuxx straight outta ’Straya. Nun ja, Hip-Hop ist halt allgemein nicht so meins – der einzige MC, mit dem ich mich mal auseinandergesetzt habe, ist der hier – , daher wäre eine raptechnische Beurteilung des Volltätowierten nicht sehr aussagekräftig. Der melancholische Unterton in den meisten seiner Songs berührt mich aber durchaus und die Attitude des Typen ist genial! So viele glaubhafte „fuck everything“-Momente sieht man selten. Und ausserdem: Welcher Hardcore oder Metalact würde mit vier Hip-Hop-Crews auf Tour gehen?

Als nächstes dran sind Coldburn aus Leipzig; schon eher in musikalischen Breitengraden angesiedelt, die mir bekannt sind. Der Oldschool-HC kommt dann auch, wie er soll, inklusive suboptimalem Bass-Sound, aber da gehen ja die Meinungen auseinander. Vor der Bühne hat’s zwar immer noch massig Platz, aber erste Aufwärmübungen von Seiten Publikum finden statt.

Geil ist aber, dass eine Band einem endlich wieder mal das Gefühl gab, dass es wirklich nicht draufankommt, wie man aussieht – im Gegensatz zu vielen sonstigen Core-Bands, die dann im Endeffekt doch alle sehr uniform auftreten.

Bei Expire ist dann schon ein bisschen mehr los; der Sänger wird nicht müde zu betonen, dass man hier „at a hardcore show“ sei und drum gibt’s das volle Programm mit Two-Step, Moshen, Micgrabs und so weiter. Auch der Sound ist nun besser; trotz einer Gitarre weniger als bei Coldburn drückt es einiges mehr.

Und dann ist da der Hass. In Form der belgischen Dampfwalze Nasty, die, naja, alles plattwalzen eben. Mit einem absolut fetten Sound, ihrer Asi-Optik und einer gleichzeitig sehr durchdachten, politischen, gesellschaftskritischen Meinung, die dann auch geäussert wird – Danke vielmals dafür! Das sollte es (wieder) mehr geben! – treiben sie die mittlerweile aufgewärmte Meute zu Höchstleistungen an. Das da keine Rücksicht auf Verluste genommen werden, ist irgendwie klar und so gehören halt Dinge wie eine blutige Nase dazu. Zwar ist mir die Musik auf Dauer ein wenig zu stumpf, aber so für die Dauer eines Sets passt’s grad super.

Zum Abschluss noch der Headliner: Deez Nuts. Musikalisch ist’s hier top, auch der Sound passt super. Natürlich sind alle „wichtigen“ Songs von „Shot after Shot“ bis zu „Your Mother Shoud’ve Swallowed You“ – O-Ton JJ Peters: „This one does NOT go out to anybody, who’s watching this show right now“ – vertreten und auch das Publikum tanzt als Ganzes ordentlich mit, auch wenn’s einiges weniger brutal als bei Nasty zu und her geht. Mit einem überragenden „Band of Brothers“, bei dem alle nochmals alles geben – Stagediver im Sekundentakt -, findet ein gutes Konzert schliesslichen seinen Höhepunkt im Abschluss.

Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich während der Deez Nuts Show nicht mehr so da war und es auch nicht wirklich so „gefühlt“ habe, wie ich erwartet hätte. Vielleicht liegt es daran, dass fünf Bands an einem Abend so ganz ohne Open Air-/Festival-Feeling einfach zu viel sind? Klar, man sieht mehr (meistens geile) Bands, aber irgendwann kommt einfach der Overkill. Darum bitte, liebe Veranstalter, bucht kleinere Packages!