Greenfield 2016 – Interview mit Rob Rolfe von Enter Shikari

Was war dein Greenfield 2016-Highlight? Ehrlich gesagt, die Antwort auf diese Frage fällt mir jetzt so ein paar Tage danach ziemlich leicht. Enter Shikari, verdammt nochmal! Wer diese Show gesehen hat, weiss, wovon ich spreche. Klar, es gab sicher Konzerte am Greenfield, bei denen das Publikum – wohlgemerkt, das Publikum – mehr abgegangen ist und es gab sicher auch Konzerte von Enter Shikari, bei denen mehr Chaos und Energie herrschte, aber trotzdem: dieses Konzert war der bestmögliche Abschluss eines Festivals – who the fuck wants to see The Prodigy when you can see Enter Shikari? Ich meine, Hallo?! Crowdsurfen auf der Gitarrenbox! Speakerturm umschmeissen! Mikrofon und Keyboard im Drum versenken! Geht noch mehr Punkrock? Ich glaube nein. Und überhaupt, die Band ist auf der Bühne so so genial, da ist soviel Energie vorhanden, da wird getanzt, nicht um cool zu sein, oder für die Kameras, sondern einfach, weil das die Musik gerade befiehlt, da sind aber auch die Ansagen – auch wenn sie vielleicht ein bisschen “programmiert” erscheinen – so sympathisch. Und natürlich die Musik – auch wenn das Set viel zu kurz war – stimmt zu 100 Prozent. Echt jetzt, ich war hin und weg.

Aber genug davon, ihr merkt, der Fanboy spricht aus mir. Eigentlich soll’s hier ja um das Interview gehen, dass wir vor dem Konzert am frühen Nachmittag mit Drummer Rob Rolfe führen durften. Da jetzt eh schon viel zu viel gesagt wurde, let’s get straight into it!

Hey, das ist euer erstes Sommerfestival, wie fühlst du dich?
Rob: Yeah, unser erstes Sommerfestival, naja, Sommer, das Wetter ist noch nicht so gut, aber egal. Wir sind gerade von einer US-Headlinertour zurückgekommen und jetzt geht’s los mit den Festivals.

Habt Ihr schon Bands gesehen?
Rob: Wir sind gerade erst angekommen und dann hat’s noch fünf Minuten gedauert, bis das Catering zugemacht hat, also haben wir uns beeilt, noch was zu essen zu kriegen. Wir sind den ganzen Weg vom UK hierher gefahren, wir sind frühestens um halb sechs oder sechs in unserem Hotel in Zürich angekommen und dann mussten wir schon wieder aufstehen und hierherfahren, darum bin ich ein bisschen müde.

Hotel in Zürich?
Rob: Ja, frag unseren Tourmanager (lacht). Das Lustige ist, ich habe gedacht, wer spielen ein Festival in Spanien bis wir auf halbem Weg hierher waren. Das war so „Wieso gehen wir nach Zürich, wenn wir in Spanien spielen?“, aber das ist eben erst nächste Woche…

Ihr seid hier als zweitletzte Band des Abends, wie fühlt sich das an? Mögt ihr es lieber, am Tag zu spielen?
Rob: Phu, am Tag ist es halt cool, wenn’s schönes Wetter ist, du früh fertig bist und dann einfach relaxen und Bands gucken kannst. In der Nacht hast du dafür eine Lichtshow, die Leute hatten ein paar mehr Drinks, sind lockerer… und es ist schön, gefragt zu werden, ob man so spät spielen will. Obwohl, es ist natürlich ein bisschen unglücklich, dass wir uns mit Prodigy überschneiden, ich hoffe also, es bleiben ein paar Leute da und es verlassen uns nicht augenblicklich alle. Ich meine, ich persönlich würde gehen (lacht).

So, dann gehen wir ein bisschen zu euren textlichen Inhalten und dem ganzen Zeug. Hier in der Schweiz wurde letzte Woche über das sogenannte Grundeinkommen abgestimmt. Wie hätte ein solches euer Leben als Musiker verändert? Wenn ihr vielleicht von Beginn weg in der Lage gewesen wärt, vollständig auf die Musik zu gehen?
Genau, das Grundeinkommen wurde dann übrigens abgelehnt…

Rob: Was für eine Schande! Das klingt ziemlich gut, ehrlich gesagt. Was sind die Gründe, dagegen zu stimmen? Steuern? Aber im Ernst: Es ist ziemlich schwierig, in einer Band zu sein, vor allem am Anfang, durchzuhalten mit sehr wenig Geld, umherzutouren. Und ich meine, auch jetzt noch, mit dem relativen Erfolg, den wir haben, leben wir praktisch Hand to Mouth, das Geld, das wir diesen Monat verdienen, ist das, was wir auch gerade verbrauchen, wir leben ohne grosse Reserve. Darum meine ich, doch, das würde durchaus was Gutes sein, gerade für Künstler. Und ich glaube, Kunst ist etwas Notwendiges für jede Kultur und Zivilisation, gerade so wichtig wie Wissenschaft oder andere Erziehung oder solche Dinge. Ich glaube, es sollte mehr Betonung auf künstlerische Kreativität gelegt werden anstelle von vielleicht Profit und Nutzen. Ich glaube, im Moment geht’s viel zu fest darum, Geld zu machen, und das macht es schwierig für Leute im künstlerischen Bereich, zu überleben. Und darum sieht man dann Bands sich auflösen, weil sie es sich nicht mehr leisten können, weil sie halt einfach einen Dayjob machen müssen wie alle anderen.

Ihr als politische Band – ich denke, man darf euch so bezeichnen -, wie siehst du Folgendes? Wir hören von Bands in Interviews, dass sie sagen, „wir haben keine Meinung zu diesen politischen Dingen; wir fühlen uns nicht im Recht oder in der Pflicht, eine Stimme zu haben zu all dem“.
Rob: Ich denke, man sollte immer über die Welt um einem herum nachdenken, und ich meine Politik… Politik betrifft jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten jeden einzelnen Tag. Darum, naja, willentlich davon wegsteuern, das auszuklammern und nicht darüber zu sprechen, scheint mir doch ein bisschen bizarr. Wieso würde man das machen? Menschen singen doch über das, was sie kennen und was um sie herum passiert. DAS IST, was um sie herum passiert, wieso also solltest du darauf fokussieren, wie deine Freundin mit dir Schluss gemacht hat oder so etwas in der Art. Klar, das hat einen grossen Einfluss auf dein Leben, genau so gross, aber diese anderen Dinge haben nicht nur einen Einfluss auf dich, sondern auf jeden Menschen um dich herum. Ich denke, es ist ein bisschen seltsam, dass wir als „politische Band“ so speziell werden. Früher gab es so viele so riesige Pop-Künstler, die über diese Dinge gesprochen haben, es war überhaupt nicht ungewöhnlich. Darum, das Ungewöhnliche für uns ist, dass wir ungewöhnlich sind. Es sollte wirklich nicht so sein.

Auf der anderen Seite spielt ihr ja trotz eurer eher linken – so verstehe ich zumindest eure Texte – Gesinnung diese riesigen kommerziellen Festivals. Wie bringt ihr das zusammen?
Rob: Nun ja, wir sind keine Politiker, wir gehen nicht auf die Bühne und halten eine lange Rede für 45 Minuten, wir sind eine Rockband, wir spielen Songs, wir machen Musik, und ja, es ist halt einfach ein kleiner Teil der Welt, in der wir aufgewachsen sind. Darum, diese grossen Festivals zu spielen … Ich meine, wir könnten sehr punkig sein und sagen, wir werden niemals auf einem Festival spielen, das Geld von einem grossen Unternehmen kriegt, aber, dann würden wir nie auf einem Festival spielen, darum, weisst du, musst du irgendwie einfach mit der Welt arbeiten, die zur Verfügung steht.

So, dann wären wir am Ende mit den ernsten Fragen. Wir haben aber von jeder Band, die wir interviewt haben, eine Frage für die nächste Band aufgenommen. So, hier haben wir We Came As Romans für euch!
Rob: (liest vor) We are: We Came As Romans
Question: Who would win in a drinking competition between you guys and us? Wanna find out after your set??

Nun, Amerikaner sind notorisch schlecht im Trinken, sie trinken zwei Biere und schon liegen sie unter dem Tisch. Wir hingegen sind daran gewöhnt und damit aufgewachsen, seit wir 15 sind, getting pumped with booze, darum glaube ich, wir wären in der Lage, mehr zu vertragen als sie.

Obwohl sie vielleicht noch die bessere Kondition haben?
Rob: Wieso, weil sie jünger sind? Nein, nein, das bedeutet bloss, dass wir mehr Erfahrung haben, unsere Lebern sind härter wegen dem ganzen Alkoholmissbrauch. Aber, dies gesagt, sie fordern uns direkt heraus und ich hatte vor, heute nicht zu trinken, weil ich noch ein bisschen hung over bin von (lacht) vor ein paar Tagen, von den Kerrang Awards, darum kann ich nicht wirklich sagen, dass wir bessere Trinker wären als sie und dann trotzdem vom Wettkampf zurücktreten… Wir werden sehen!

Als nächstes haben wir The Amity Affliction und es würde uns sehr freuen, wenn du noch eine Frage für sie aufschreiben könntest. Kennst du die Band?
Rob: Ich kenne den Namen. Die Musik nicht so wirklich, aber lasst mich versuchen, mir etwas zu überlegen… Ah, maaaan… von wo kommen die?

Australien.
Rob: Ja, ich will was fragen über… Is it true you have barbecues on the beach on Christmas day?

Nice one! Danke fürs Interview und gute Show!