Greenfield 2016 – Plaudern mit Justin von Anti Flag

Die Festival Saison ist offiziell eröffnet! Danke Greenfield, dass du mir hier den bestmöglichen Auftakt beschert hast. Das war grosses Kino trotz Regen und Schlamm. Ich lasse, endlich befreit vom Kater und wieder nüchtern, ein bisschen Revue passieren. Mein Highlight? Ach, da waren so viele. Ich will niemanden bevorzugen. Aber, wenn die Stimme von Dema von Talco nicht so schwach gewesen wäre, wäre es wohl Talco gewesen. Die Halunken haben es tatsächlich hinbekommen, dass ich nach wenig Schlaf und stundenlangem Ruhmstehen wieder getanzt habe. Danke.

Nach ihrer grossartigen Show am Freitagnachmittag, als die Sonne zum ersten Mal so richtig draufgehauen hat – herzlichen Dank für den Sonnenbrand, btw. – , hatten Andy und ich das Vergnügen, mit Justin von Anti Flag ein bisschen zu plaudern. Hier könnt ihr gerne nachlesen, was er uns so erzählt hat:

Das war eine super Show, die ihr gerade abgeliefert habt. Wie oft habt ihr hier eigentlich schon gespielt?
Bisher zweimal, das war jetzt das dritte Mal.

Hat dir einer der Auftritte besonders gut gefallen?
Beim ersten Mal, als wir am Greenfield gespielt haben, waren die Bergspitzen mit Schnee bedeckt und es war neblig und wolkig. Es sah aus wie ein majestätisches Drachenland. Das war so toll. Darum ist das wohl mein Lieblingsgig. Aber heute war wirklich super, es hat sehr viel Spass gemacht.

Heute war es sehr heiss, vielleicht ein bisschen zu heiss für die Leute?
Ich glaube sie haben auch heute gut getanzt. Es gab einen super Circle Pit!

Letztes Jahr habt ihr ja euer neuntes Album rausgebracht. Nach so vielen Alben und so vielen Songs, ist es da immer noch möglich, einen Lieblingssong zu haben und wenn ja, welcher ist das?
Ich glaube, ich habe ein Lieblingsalbum. “The Terror State” wäre das dann wohl. Diese Aufnahme mag ich deshalb so, weil sie wirklich beschreibt, wer wir sind als Band. Und wir haben mit dem Album auch herausgefunden, wohin wir musikalisch gehen wollen und wie wir uns anhören wollen.

Und welchen Song performst du am liebsten live?
Ich liebe es “Turncoat” und “Brandenbourg Gate” live zu spielen. Das mache ich wirklich unheimlich gerne.

Weisst du wer sonst hier noch am Festival spielt?
Ich weiss, dass NOFX und Billy Talent spielen. Beides sind alte Freunde von uns und wirklich tolle Menschen. Darum freue ich mich auch besonders darauf sie zu sehen.

Also schaust du dir die Konzerte selber an?
Ja! Beide. Ausserdem auch noch Cancer Bats. Das sind ebenfalls gute Freunde. Aber weisst du, es ist ein super Festival mit so vielen guten Bands und wir sind einfach glücklich darüber, hier zu sein und hier zu spielen.

Bei Cancer Bats habe ich euch auf der Bühne gesehen. Wie kommt es, dass ihr so gut befreundet seid?
Wir waren in Kanada, wo sie herkommen, und wir spielten mit ihnen. Da haben wir einfach gemerkt, dass die Jungs echt cool drauf sind und mochten auch ihre Einstellung als Band. Also haben wir angefangen mehr Shows zusammen zu spielen und wurden Freunde.

Wenn du Bands für ein Festival auswählen könntest,  welche wären deine drei liebsten Bands für ein Festival?
Bands die jetzt bekannt sind oder irgendwelche Bands?

Irgendwelche Bands.
Auf Platz eins wäre wohl The Clash, Platz zwei Rage Against the Machine und Platz drei, hm, ist wirklich schwer aber es wäre Ramones oder Rancid.

Zu diesem Festival würde ich auch kommen.
Ja, das wäre wirklich ein super Festival.

Eigentlich hast du damit wohl schon einen grossen Teil meiner nächsten Frage beantwortet.  Aber mich interessiert es immer, was die Lieblingsartisten von anderen Musikern sind.
Also ich habe vier Lieblingsbands. Und zwar in dieser Reihenfolge: Sex Pistols, The Clash, Ramones und Rancid.

Gibt es auch Bands, die du überhaupt nicht magst?
Ach weisst du, ich rede lieber über Musik die ich mag. Zum Beispiel freue ich mich wahnsinnig auf Billy Talent heute. Die sind auch eine meiner Lieblingsbands. Vor allem eine meiner Lieblings- live-Bands. Da sind sie unglaublich stark. Ausserdem gibt es noch weitere, weniger bekannte Bands wie zum Beispiel Strike Anywhere. Menschen, die Strike Anywhere nicht kennen, sollten Strike Anywhere kennen (eigene Anmerkung – damit hat er absolut Recht. Hört euch Strike Anywhere an!). Es gibt wirklich sehr viel tolle Musik da draussen und wir waren glücklich genug, mit vielen Bands zu spielen, die wir selber lieben.

Gibt es ein spezielles Ritual, dass du vor jeder Show machen musst?
Ja, du siehst mein Haar, das macht sich natürlich nicht von alleine. Aber eigentlich wärme ich hauptsächlich meine Stimme auf für die Show. Manchmal habe ich ein bisschen Probleme mit der Stimme, daher ist das umso wichtiger. Und auch das Reisen macht es nicht besser.

Also, das mit den Haaren nimmt mich jetzt schon wunder. Du brauchst bestimmt viel länger dafür als ich.
Weisst du was, ich mache diese Frisur in ungefähr fünf bis zehn Minuten.

Das glaube ich dir nicht so ganz.
Doch natürlich, ich kann das. Zehn Minuten maximal. Schau, die Realität ist, dass du alles lernen kannst. Dasselbe ist es mit dem Gitarrespielen. Wenn du es jeden Tag übst, kannst du irgendwann Gitarre spielen. Wenn du jeden Tag deine Haare machst, wirst du irgendwann darin richtig gut.

Euer Anti-Fest findet bald wieder statt im Juni. Diesmal in Frankreich. Ist es ein Zufall, dass ihr Frankreich als Austragungsort gewählt habt oder soll es eine Signalwirkung haben?
Wir wollten es immer an verschiedenen Locations machen. Es hat ja jetzt einige Male in Deutschland und einige Male in Grossbritannien stattgefunden. Es war an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Eigentlich war es schon ein Zufall. Aber ich glaube, dass es sowieso das Signal sendet, dass Musik die Leute verbinden und zusammenbringen kann. Das ist wirklich wichtig.

Wir von rawk.ch unterstützten die I LOVE BOOBIES Foundation und ihr seid auf ihrem aktuellen Soundtrack mit dabei. Inwiefern unterstützt ihr die Organisation? Habt ihr eine besondere Beziehung dazu?
Ich unterstütze definitiv was sie tun gegen Brustkrebs und natürlich auch Krebs im Allgemeinen. Besonders mag ich aber, wie sie Leute auf ihrem Genesungsweg und auch später noch unterstützen. Das sind eigentlich genau die Werte, die wir mit Anti Flag hochleben lassen wollen. Dass Menschen gegenseitig aufeinander schauen und sich gegenseitig helfen. Gemeinsam daran zu arbeiten, dass alle Menschen ein besseres Leben haben. Nicht nur aufs Individuum bezogen sondern ein gänzliches Füreinander. Wenn es da also eine Organisation gibt, die positiv eingestellt ist und gute Dinge für Menschen tut, sind wir natürlich gerne ein Teil davon. Und vielleicht habe ich auch persönlich eine spezielle Verbindung zur Foundation, da meine Mutter ebenfalls Brustkrebs hatte, und das Glück hatte zu genesen. Das macht die Foundation für mich natürlich auch noch spezieller.

Herzlichen Dank für deine Zeit und das Interview. Geniess Billy Talent!