Rock The Ring 2016: Der Sonntag – Motto “oben ohne”

Zu dritt waren wir vom rawk.ch-Team am Rock The Ring-Sonntag vertreten – und drei ganz verschiedene Meinungen haben wir uns dazu gebildet.

Einerseits war da unsere Nadine, die – trotz allen Umständen (und der 5.- Shuttlebus-Gebühr) – einen super Tag hatte:

Als ich mich am verregneten Sonntagmorgen noch in der bestgeschützten Ecke meines Balkons verkroch, um dort – unter den Umständen nicht ganz so genüsslich – eine Zigarette zu rauchen, hätt’ ich also definitiv nicht gedacht, dass ich knapp zwölf Stunden später noch immer topfit am Rock The Ring zu Iggy Pop abgehen würde. Doch liebe Leute, glaubt mir, genau so war’s!

Als wir am Bahnhof Bubikon ankamen, schüttete es im wahrsten Sinne des Wortes “in Strömen” (da hatte es mit meiner Motivation auch schon mal besser ausgesehen, kann ich euch sagen…). Doch endlich auf dem Gelände angekommen, wurde dann alles ganz schnell viiiiiel besser. Weshalb? Ganz einfach, Graveyard brauchten nur drei Akkorde zu spielen und sie hatten mich schon im Sack. Die schwedische Psych-Rock-Band traf meinen Musikgeschmack dank klar erkennbaren Blues-Einflüssen haargenau, und auch trotz der vom Regen und wahrscheinlich auch vorherigen Nacht ziemlich gezeichneten, noch nicht sehr zahlreichen Zuschauermenge lieferten sie mit ganz viel Leidenschaft eine super Show ab. Weiter ging’s dann mit Skillet, die ebenfalls eine mitreissende Show zeigten und einen sogar vergessen liessen, dass es sich bei ihnen ja um so ein super-christliches Projekt handelt (ich mein ja nur…).

Für Flogging Molly hat sich dann auch Petrus zwischenzeitlich erbarmt und die irisch-amerikanische Kombo hat trotz extremem Jetlag die nun endlich akzeptabel gefüllten Zuschauerränge bestens unterhalten. Wie immer hatte ich bei Sänger Dave King nur einen Gedanken, als ich ihn so auf der Bühne rumtänzeln sah in seinem Anzug: “Dich sollte man als Schwiegervater haben!” Leider konnte mir so auf die schnelle keiner meiner Begleiter sagen, ob er denn nun einen Sohn hat oder nicht… Aber, die Hoffnung stirbt zuletzt! Auf jeden Fall war uns wieder warm nach unserem einstündigen Versuch, Irish Dance und Co. zu erlernen.

Über Mando Diao lassen wir jetzt aber mal unsere liebe Katrin erzählen, denn Nadines Bericht über den Auftritt ihrer absoluten Lieblingsband aus Jugendzeiten würde wahrscheinlich zu viele Herzchen beinhalten… Ja, der 15-jährige Kreischteenie kam wieder in mir hervor und ich bin stolz drauf!

Nachdem die Herren und Damen von Flogging Molly uns das Tanzbein haben schwingen lassen, gaben sich Mando Diao die Ehre. Die Schweden sind uns natürlich alle noch aus unserer Teenagerzeit bekannt und so verwundert es uns auch kein bisschen, dass die grössten Hits rauf und runter gerattert wurden. Bei “Gloria” sangen wir uns gegenseitig an und bei “Dance with Somebody” stand dann keiner mehr still. Nicht einmal der wieder einsetzende Regen trübte unsere Laune. Zugegebenermassen tat es der Stimmung auch keinen Abriss, dass Björn seit dem zweiten Song oben ohne da stand. Ein bisschen nackte Haut hat noch keinem Auftritt geschadet. Nadine gefiel das Spektakel besonders gut und mir gefiel es besonders gut, ihr dabei zuzuschauen, wie sehr es ihr gefiel.

Zu guter Letzt gab’s dann noch die Legende Iggy Pop zu sehen und hören. Der “Godfather of Punk” tat vor allem eins – er unterhielt! Vom ersten Blick, den man auf die verdächtigen weissen Flecken auf seinem fast 70-jährigen nackten Oberkörper warf, bis hin zu dem Moment, wo er mit einem Bündel Kabel auf der Bühne Trockensex ausübte, lieferte sein Auftritt dem Publikum ganz klar Entertainment pur! Da vergab ich ihm sogar, dass er uns immer wieder als “fucking faggots” bezeichnete… Denn, wenn wir uns das von irgendeinem gefallen lassen, dann von Iggy. Der darf! Und, der Punk-Gott hat’s dann auch wieder gut gemacht, indem er alle seine Hymnen mit der exakt richtigen Attitude vortrug. Also für mich war’s ganz klar ein Unterhaltungs-Highlight!

Bei Vera sah’s dann wiederum ein wenig anders aus, hatte sie sich doch so auf die komfortable Anreise per Auto gefreut:

So schön die Konzerte auch waren, so sehr ich auch von Mando Diao mitgerissen wurde, obwohl ich sie eigentlich kaum kannte, so miserabel war die ganze Verkehrssituation. Nachdem ich gesehen hatte, dass die Damen und Herren des Rock The Ring für einen Shuttle ernsthaft noch Geld verlangten, obwohl es die einzige ÖV-Möglichkeit war, um auf das Gelände zu gelangen und es noch Umbauten auf der Strecke Richtung Bubikon gab, die mit Extrabussen zu bewältigen waren, entschied ich mich, ganz unökologisch, mit dem Auto hin zu fahren. Denn es habe massig Parkplätze, wenige Gehminuten vom Gelände entfernt. Dass der Kreisel gross sein würde, war mir bewusst. Aber dass es so unübersichtlich wäre, hätten wir nicht gedacht. Zweimal sind wir rumgefahren, einmal beim VIP-Parking gelandet, beim zweiten Anlauf wurden wir in freundlichster Zürimanier, also ohne Augenkontakt und mit einem kurzen Winken, wieder auf die Autobahn Richtung Hinwil gelotst. Ähm, Merci?… Beim dritten Versuch haben wir dann doch noch die Parkplätze gefunden und brav die 15.- Gebühr bezahlt, das Auto zuhinterst im Wald irgendwo im Nirgendwo abgestellt und sind Richtung Gelände losgelaufen. Geschlagene 28 Minuten hatten wir, um zum Eingang zu gelangen. Also total wenige Gehminuten vom Gelände entfernt. Und nein, wir haben uns nicht verlaufen, wenigstens dieser Weg war klar ersichtlich beschildert. Aber liebes OK, wenn ihr das nächste Mal von wenigen Gehminuten schreibt, bitte lauft die Distanz doch vorher mal ab, ja?

Und auch Katrin hat die Organisation nicht gerade vom Hocker gehauen…

Kurz gesagt, für mich wirkte das alles recht steril. Nicht ganz so wie ich mir ein Rockfestival vorstelle. Die Künstler waren aber motiviert und gut gewählt. Bleibt zu hoffen, dass sich die Parkplatzsituation entspannt und das Line-Up entsprechend ansprechend bleibt. Dann schau ich auch ein zweites Mal vorbei. Vor Allem natürlich, wenn Björn und Iggy sich wieder ein oben-ohne-Stelldichein im Regen geben.