Wir waren am Open Air Gränichen

Dieses Jahr waren wir am Samstag, 27.08.2016 als 5er-Team von rawk.ch am Open Air Gränichen unterwegs. Während Miguel und Andy sich im Interview mit Hatebreed und Vale Tudo unterhalten haben, hat Jasmin backstage Gas gegeben und die kurzfristig gebuchten Jungs von Defender unterstützt. Basil und ich haben uns vor allem vor den Bühnen und auf dem Gelände bewegt und einen tollen Gesamteindruck erhalten.

Für mich war es das erste Mal am Gränichen und ich muss sagen, es war rundum ein gelungener Tag, trotz der Sommerhitze! Das Food-Angebot kann sich sehen lassen, es ist vielfältig und das Preisleistungsverhältnis ist echt fair. Auch die Sanitäranlagen waren sauber und es gab WC-Wägen, nicht bloss Toi Tois, was ich für jedes Openair als Pluspunkt empfinde. Das Gelände war übersichtlich. Einzig der Holzschnitzel-Boden bei der Zeltbühne fand ich mässig angenehm. Oft wurden Holzschnitzel rumgeschmissen und für die Violent Dancer war der Untergrund relativ tricky… Wenn das Wetter natürlich nicht so bombenmässig gewesen wäre, hätten Holzschnitzel natürlich durchaus Sinn gemacht aber das Wetter lässt sich nunmal schlecht planen.

Da Migre Le Tigre kurzfristig krankheitshalber absagen musste, durften unsere Jungs von Defender den Tag eröffnen. Leider hatten noch nicht ganz so viele Leute so früh den Weg ins Moortal gefunden, aber die Stimmung unter den Anwesenden war gut und die Band hat ordentlich eingeheizt. Top Leistung bei den hohen Temperaturen auch für die Bandmitlieder. Die Security hat zwischendurch mal “Wasser marsch” gelassen und das Publikum mit einem Feuerwehrschlauch abgekühlt.

Anschliessend ging es weiter im Zelt mit North Alps, ich musste mich erst einmal verpflegen und habe den Sound deshalb nur aus Entfernung mitgehört.

Dann ging es weiter auf der Mainstage mit Slimboy. Bei gefühlten 40 Grad Celsius habe ich mich etwas weiter hinten an den Schatten gesetzt, da ich meine Energie noch etwas sparen wollte. Die Band lieferte aber eine gute Show ab.

Bei Selbstbedienung im Zelt ging’s daraufhin auch punkig zu und her, man tanzte, trank Bier, blutete und war froh um den Schatten und schwitzte trotzdem. Die Band hatte Konfettikanonen und mächtig Spielfreude mit dabei, einfach so, wie es sein muss.

Nach wie vor wurde das gesamte Gelände von der unbarmherzigen Sonne auf gefühlte 176° geheizt. Dies hinderte die Jungs von Rise Of The Northstar nicht daran, in langen, schwarzen Hosen und Hemden ihren Sayan-Style zu demonstrieren. Leider half das aber nicht, ihr doch sehr langweiliges Set aufzupimpen, weshalb das gesamte rawk.ch Team nach ein bis zwei Songs wieder etwas Abkühlung im Schatten suchte.

Dann gings zurück ins Zelt wo wir uns den Aufritt von So Wasted angesehen haben. Solider Pop Punk lieferten die Jungs aus Thun ab und brachten Stimmung ins Zelt.

Es stand das erste Highlight bevor: Stick To Your Guns nahmen die Mainstage ein und die Publikumszahl war mittlerweile angestiegen und die Stimmung war top. Viele Songs wurden vom Publikum mitgesungen und es war trotz der Hitze Bewegung vor der Bühne.

Es folgte sogleich im Zelt mein nächstes Highlight. Obwohl der Sound anfangs irgendwie nicht wie gewohnt rüberkam, konnten TAPED das Publikum mitreissen. Es wurde ge-two-stepped und gemosht und die Stimmung erreichte für mich einen Höhepunkt. Taped spielten ein gut ausgewähltes Set mit vielen neuen und auch einigen älteren Songs und das Publikum sang lautstark mit. We are the WOLFPACK! Ich kann diese Band immer sehr feiern und freue mich auf das nächste Konzert von Taped.

Schnell rüber zur Mainstage, da hatten bereits Itchy Poopzkid die Bühne eingenommen. Auch sie lieferten eine unterhaltsame Show ab mit den üblichen Elementen. Sebi surfte auf seinem Gitarrenkoffer auf dem Publikum, bei “It’s Tricky” wurde Unterstützung von Hatebreed auf die Bühne geholt und das Publikum liess die T-Shirts in der Luft kreisen. Meine Lieblingssongs “Dancing In The Sun”, “Drogenfrau” und “Down, Down, Down” haben natürlich auch nicht gefehlt. Aber leider konnten die Itchies das Publikum nicht so mitreissen, wie ich es auf anderen Shows bereits erlebt habe. Es mag daran liegen, dass die übrigen Bands doch vermehrt Liebhaber der etwas härteren Fraktion Musik angezogen haben. Trotzdem fand ich das Konzert gelungen.

Für mich war dann leider Schluss, da ich noch heimreisen musste, aber unsere übrigen rawkies meinen folgendes zu den restlichen Bands:

Vale Tudo stürmten nach einem langen Intro die Bühne und waren sichtlich gut gelaunt. Man merkte, dass die Zeltbühne am Gränichen Openair für die sechs Jungs aus Zürich sich wie ein zweites zu Hause anfühlt. Aus irgend einem Grund brauchte das Publikum etwa drei Songs länger als die Band um so richtig in Stimmung zu kommen, doch als der erste Sprung von der Barriere ins Publikum und somit ein gründliches Crowdsurfen glückte, war der Funken übergesprungen. Spätestens beim Knüller “I Hate Your Heroes” war die Menge am Toben.

Was soll ich, Miguel, bloss zu Hatebreed sagen. Dass diese Band den metallischen Hardcore geprägt hat wie wenig andere, ist mir ja bewusst, aber ich hätte ehrlichgesagt mehr von den Jungs aus Connecticut erwartet. Die Show war mir zu vorhersehbar, zu unspontan und schlicht langweilig. Das führte mich dann dazu, etwa die Hälfte des Sets vom Zeltplatz aus mitzuverfolgen. Geile Songs hatten sie ja schon, wenn man sich “Tear It Down” oder “This Is Now” so anhört, aber wirklich passioniert kommt das ganze nicht mehr rüber, da kann auch der “Alte-Männer-Bonus” nicht helfen

Als letzte Band im Zelt betraten Caspian die Bühne und mir, Andy, fehlen ganz ehrlich ein bisschen die Worte. Das Quintett aus Boston hat eine Show hingelegt, welche einfach nur unglaublich war. Sphärisch schraubte sich jeder Song von drei Gitarren getragen in eine Höhe, welche jeden Zuschauer mitriss. Jedes Mal wenn man dachte, der Höhepunkt des Songs sei erreicht, legten sie noch einen obendrauf und zeigten dem Publikum mit einem mächtigen Klanggewitter, wie Postrock im Jahre 2016 wirklich funktioniert.

Noch geflasht von Caspian versuchte ich, Miguel, dann, Born From Pain noch eine Chance zu geben. Was am Anfang unmöglich schien, hat nach nur zwei Songs schon ganz anders ausgesehen. Diese Jungs sind ein absolutes Brett! Hits über Hits, von “The New Hate” bis “Dance With The Devil” war alles dabei. Die Leute hatten Bock, die Band auch, somit der perfekte Abschluss fürs Open Air Gränichen 2016.

Unser Fazit: Es war wunderbar, liebes Openair Gränichen. Wir danken für tolle Bands, gute Stimmung, eine top Organisation und freuen uns aufs nächste Jahr bei euch im Moortal!

Foto: Roland Morgenthaler, www.openairgraenichen.ch