Funeral For A Friend – Chapter And Verse

Eine Waliser Mélange

„Nothing is original. It’s all been done to death“, singt Matthew Davies in „1%“ auf dem neuen Funeral For A Friend-Album „Chapter and Verse“. Eigentlich geht es in dem Song um den Kapitalismus und seine immer wiederkehrenden Krisen, um die Privatisierung von Gewinnen und Sozialisierung von Verlusten („We’re left holding your mistakes“). Aber irgendwie geht es auch um den Sound der Band selbst.

Denn so originell ist er nicht mehr. FFAF aus Wales begeben sich mit der neuen CD, die  sie nur in zwei Wochen eingespielt haben, immer wieder in  Bereiche, die bekannt sind von ihren Meilenstein-Alben der Nullerjahre. Allein, sie sind nicht mehr so zwingend wie zum Beispiel auf „Casually Dressed and Deep in Conversation“. Die Melodie von „You’ve got a bad case of the Religons“ hätte gut auch als Nebenprodukt bei den Proben zum Album „Hours“ von 2005 entstanden sein können: sie ist schön, eingängig. Es enthält zwar ein amüsantes „Eye of the Tiger“-Zitat, hat aber kaum Hymnen-Potenzial. Die meisten Songs auf „Chapter and Verse“ haben es nicht.

Das liegt zum einen an Davies, der zwar mit seinen rüpelhaften Shouts Hardcore-Fans beispielsweise beim brutal schnellen „After all these years“ aufhorchen lässt. Gesanglich klingt er bisweilen aber einfallslos, ja gelangweilt. Zum anderen liegt es aber auch an Gitarrist Kris Coombs-Roberts, der sich nicht ganz entfalten kann.

Der hatte bis zum Album „Welcome Home Armageddon!“ (2011) seine verschlungenen, geradlinigen Läufe perfektioniert. Mal putschte er damit gegen den Gesang im Refrain und übernahm die Führung, mal gab er durch sich Zeit-nehmende Soli dem Lied einen völlig neuen Drive, mal erweckte er die Strophen durch poppige Harmonien zum Leben.

Klar, es gibt diese all die Jahre so typischen Läufe teilweise auch auf „Chapter and Verse“. Aber sie dominieren nicht mehr.  Nur bei „You’ve got a bad case of the Religons“ nimmt Cooms-Roberts das Zepter in die Hand. Oder im vielleicht besten Lied der Platte „1%“, das den Hörer im letzten Teil in die Emo-Zeit zurückkatapultiert.

Im Post-Hardcore-Stück „Pencil Pusher“ drücken die Läufe auch noch – interessanter dabei ist jedoch: Cooms-Roberts lässt einige Akkorde offen und ausklingen. Bei „You should be ashamed of yourself“ probiert er sich sogar an stoner-rockigem Groove aus.

Das macht „Chapter and Verse“ abwechslungsreicher, aber auch weniger definierbar. Es gibt kompakte Hardcore-Pakete wie „Modern Excuse of A Man“, das einen verspielten Basslauf beinhaltet. Auf „Conduit“ klangen sie aber rauer, grimmiger, konzeptioneller, griffiger.

Einen sich verzehrenden Akustik-Song und Melodien vergangener Emo-Tage gibt es auch – die wirken aber ein wenig wie ein Abklatsch. Die Aggressivität von „Chapter and Verse“ reicht nicht an die von „Welcome Home Armageddon!“ heran. Außer im versteckten Track am Ende des Albums – wohl das böseste, mächtigste Lied der Scheibe, mit den mit Abstand besten Shouts.

„Chapter and Verse“ bleibt eine Mélange, die zwischen der ersten und letzten Scheibe herumschwappt.

Funeral_Chapter_Cover

End Hits Records / Cargo Records
VÖ: 23.01.2015

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