Openair Gränichen 2016 – Interview mit Hatebreed

Als ob es am 22. Openair Gränichen nicht generell schon heiss genug gewesen wäre, durften Miguel und Andy in einem auf gefühlte 400° Celsius aufgeheizten Container mit Frank von Hatebreed plaudern. Während ihnen beiden der Schweiss nur so von der Nasenspitze tropfte, schien das Klima für den in Florida lebenden Musiker perfekt zu sein. Gut gelaunt nahm er auf der Couch Platz und beantwortete uns einige Fragen.

So, wie geht es dir Frank?
Überraschend gut, wenn man bedenkt, wie viel ich gestern getrunken habe!

Ah, die Freuden des Tourlebens!
Ja absolut! Es ist witzig, wenn ich zuhause bin trinke ich nie, aber wenn ich auf Tour bin, trinke ich gerne.

Diese Tour hier ist ja sehr kurz. Ihr wart gestern in Deutschland am Reload Festival und heute seid ihr hier am Openair Gränichen. Habt ihr danach noch Zeit euch ein bisschen das Land anzuschauen, oder geht es direkt wieder zurück in die Staaten?
Wir gehen wieder zurück. Es ist bereits das fünfte oder sechste Mal, dass wir in diesem Jahr in Europa sind und ich toure schon seit 1995 durch Europa. Früher mit anderen Bands und jetzt mit Hatebreed und mittlerweile kenn ich es. Es fühlt sich beinahe so an, als hätten wir mehr Zeit in Europa verbracht als zuhause haha!

Gerade in Europa habt ihr ja schon seit einiger Zeit an vielen grossen Festivals, wie dem Wacken Openair, Rock am Ring oder dem Hellfest gespielt. Was ist für euch der Unterschied zwischen solch grossen Festivals und einem Kleinen wie dem Openair Gränichen?
Abgesehen von der Grösse eigentlich gar nichts. Es ist immer noch ein Outdoor Festival und es spielen immer noch eine Menge Bands. Die Leute sind mehrere Tage hier und am Feiern, trinken Bier, gehen Schwimmen oder tun was auch immer sie gerade Bock haben zu tun. Der Vibe ist cool!
Beides ist natürlich ganz anders, als wenn man es mit Clubshows vergleicht. Dort sind oft nur ein paar wenige Bands und wir sind oft Headliner und viele Leute kommen genau wegen uns. Das Coole an Festivals ist dann aber, dass eben auch Leute uns sehen, welche uns bisher nicht kannten. Sie sind da wegen allen Bands generell, oder wegen anderen Bands. Wenn sie dann aber trotzdem zu uns kommen und wir sie dazu bringen können, sich zu bewegen, ist das besonders toll!

Was magst du lieber, grosse oder kleine Shows?
Hmm, ich mag die grossen Shows am liebsten. Wisst ihr, ich würde mich nie darüber beklagen, wenn wir nur noch kleine Clubshows spielen würden, aber wir sind nun eine Band welche bereits seit 22 Jahren unterwegs ist und wenn du an einem Grossen Festival spielst und du die ganzen Menschen siehst – wie  sie sich bewegen – bist du dir bewusst, wie glücklich du dich schätzen kannst. Wir haben die Möglichkeit mit unsere Musik solche riesen Shows zu spielen und dafür bin ich unglaublich dankbar!

Ihr habt im Mai ein Album namens „The Concrete Confessional“ herausgebracht. Im Opener Song „A. D.“ scheint ihr ziemlich angepisst über die aktuelle Situation der U.S.A. zu sein. Was nervt euch denn aktuell am meisten?
Nun wenn du Jamies Lyrics hörst, merkst du halt, dass sich die Zeiten geändert haben. Die Leute reden über den „American Dream“ und realisieren nicht, dass es den gar nicht mehr gibt. Sie merken nicht, dass ihr eigenes Leben nicht stellvertretend für die ganze Welt stehen kann. Hatebreed ist ja nicht unbedingt politisch, aber wenn wir es sind, dann haben wir die Hoffnung, jemandem damit ein bisschen die Augen zu öffnen, und hoffen, wir können sie dazu bringen ein wenig über den Tellerrand hinaus zu denken.

Ist ein Song wie “A. D.“ ein Versuch, euch rechtsextreme, konservative Fans vom Leibe zu halten?
Du kannst solche Leute nicht davon abhalten deine Musik zu hören. Du kannst dir dein Publikum ja nicht aussuchen. Aber jeder der Hatebreed nur schon ein bisschen kennt, weiss das wir jegliche Geschlechter, Hautfarben und generell alle Menschen willkommen heissen. Wir stehen für alles andere als Hass. Unser Bandname kommt von einem Misfits Song namens “Hatebreeders” und das ist das einzige Hasserfüllte an uns.

Ihr seid schon seit rund 22 Jahren unterwegs und habt einen gewaltigen Erfahrungsschatz. Habt ihr den jungen Bands ein paar Tipps?
Haha, ich muss als erstes Mal sagen, dass ich viele junge Bands nicht mag. Vielen fehlt es irgendwie an Respekt gegenüber den Bands, welche ihnen den Weg geebnet haben. Es ist jetzt vielleicht etwas hart ausgedrückt und es ist nicht überall so, aber ich krieg dieses Gefühl vor allem von jungen Metalcore Bands. Sie machen es nicht der Musik wegen oder um eine Message zu verbreiten, sondern denken, dass es einfach cool ist, in einer Band zu sein. Deshalb mag ich den Vibe nicht, der von solchen Bands ausgeht. Aber wisst ihr, diese Bands kommen und gehen. Es gibt immer wieder Wellen von Trends und dann sind sie wieder weg. Ich denke kaum, dass eine dieser neuen Metalcore Bands, welche du an der Vans Warped Tour siehst, in 20 Jahren noch da sein wird.

So um nun zu der eigentlichen Frage zurück zu kommen: Ich glaube, es ist schwieriger für junge Bands aufgrund dieser Trends, als es für uns war. Als wir starteten hatte noch niemand Internet. Klar das Internet ist eine tolle Sache aber es macht es halt auch schwieriger für Bands, für eine lange Zeit beständig zu bleiben. Eben aufgrund dieser Trends. Deshalb ist mein Tipp an junge Bands: Seid bescheiden, lebt jeden Tag als wär’s euer Letzter und gebt alles wenn ihr live spielt. Und das Wichtigste: Spielt mit Leuten zusammen, die ihr mögt! Es ist nicht schwierig Menschen zu finden, die ihr Instrument gut spielen können, aber Menschen zu finden, mit denen ihr zwei Wochen zusammen im Bus verbringen könnt? Das ist um einiges wichtiger!

Verfolgst du die Musik der neuen Bands?
Ja es gibt einige neuen Bands die ich mag. Lass mal überlegen. Hmm… Ich mag Nomads, aus Kalifornien und dann gibt es eine Band namens Blackbirds die ich mag. Uhhm wer noch… Ah ich mag die neue Scheibe von Manipulate! Starker New York Hardcore und tolle Leute!

Ja das sind alle, die mir gerade in den Sinn kommen, hahaha!

Wie war es für dich, von einer kleinen Newcomer band zu einer Grösse wie Hatebreed zu wachsen?
Ich hab das nur als Freund mitbekommen. Ich selber bin erst seit 2006 bei Hatebreed, davor war ich ja bei Integrity aber ich kannte die Jungs und habe mitbekommen, wie es am Anfang war, als sie noch im Bus auf ihrem Gear gepennt haben. Klar irgendwann kam dann der Moment, wo sie einen Plattenvertrag unterzeichnen konnten und die Band wurde immer grösser, aber wir denken jetzt nicht „Wow! Wir sind Hatebreed, wir haben es geschafft!“. Wisst ihr, wir haben immer noch unsere Sorgen und müssen uns überlegen, wie wir unsere Rechnungen zahlen müssen. Deshalb sind wir auch nach 22 Jahren immer noch so viel auf Tour.
Aber schlussendlich sind wir glücklich, dass wir das tun können und mit der Musik unseren Lebensunterhalt verdienen können. Wir leben unseren Traum und dafür sind wir unglaublich dankbar.

Denkst du es ist deine Pflicht als Band in der heutigen Welt euren Fans eine Möglichkeit der Flucht aus dem Alltag zu bieten und ihnen eine positive Zeit zu schenken?
Oh ja absolut! Wenn die Menschen unsere Musik in irgendeiner Weise verwenden können um eine harte Zeit zu überstehen und sich besser fühlen oder auch einfach eine gute Zeit dank unserer Musik haben, dann ist es das Beste für uns!
Wir leben in einer Zeit wo wir mit negativen Schlagzeilen bombardiert werden. Früher war es vielleicht nicht schlimmer, aber die Negativität in der Welt ist gerade aufgrund des Internets omnipräsent. Aus diesem Grund ist es auch für uns eine Art Pflicht, unseren Fans eine tolle Zeit zu verschaffen! Wir probieren unser Bestes zu geben und hoffen, dass die Leute von der positiven Energie angesteckt werden!

Dann danken wir dir vielmals für deine Zeit Frank und wünschen dir eine tolle Show!
Ich danke euch!

Foto: Roland Morgenthaler, www.openairgraenichen.ch